‚Til Death – Obituary im Feierwerk (Bericht)

Am Sonntag, den 18. März versammelten sich vor der unauffälligen Hintertür des Hansa 39 (Feierwerk) eine beachtliche Gruppe von Trend-, Kurzlebigkeits- und Ästhetikfixiertheits-Allergikern, in freudiger Erwartung die Kälte verdammend und auf Abendkassen-Karten hoffend. Karten für? Obituary! oder auch „Obi!“, wie später mehr als einmal liebevoll skandiert wird. Als die Death Metal-Veteranen aus Florida vor zwei Jahren zuletzt in München spielten, gastierten sie im Backstage Werk (zusammen mit Carcass, Napalm Death und Voivod). Das Hansa ist kleiner, dafür gemütlicher, familiärer – und, als Obituary die Bühne entern, rappelvoll.

Doch auch der lokale Support muss keinesfalls vor leerer Hütte spielen: Tortureslave legen einen knackigen Auftritt hin und präsentieren modern-metallischen Thrash bei guten Soundverhältnissen. Auch durch zwischenzeitlichen Gitarristenausfall lassen sich die Münchner nicht aus ihrem sympathischen, ehrlichen, (tapsig-)energetischen Konzept bringen.

Exmortus aus Kalifornien erweitern die Palette der dargebotenen Stile um komplexen, technischen, melodischen Thrash. Rock Me Amadeus – äh, Ludwig! Der gute Beethoven wäre sicher verzückt, könnte er Exmortus‘ badassiges Cover der Mondschein Sonate hören, und sichtlich angetan sind auch nicht wenige der Anwesenden, die noch nicht so tot und taub wie der Maestro sind. Auch für die Augen gibt es Erquickung: Zum Beispiel, wenn Jadran Gonzalez und David Rivera aneinandergekuschelt ausufernde Soli auf des jeweils Anderen Gitarre spielen – ja, das geht!

Setlist Exmortus: Rising / Immortality Made Flesh / Foe Hammer / For The Horde / Death To Tyrants / Make Haste / Moonlight Sonata (Act 3) / Metal Is King

hair goals

Ein wenig spannen Obituary das Publikum auf die Folter, ehe der No Bullshit-Reigen mit „Redneck Stomp“ eröffnet wird, dann setzt es „Sentence Day“. Wie ein mit Schweröl betriebener Rührstab fährt die Band in die gedrängte Zuschauerschar. Den Motor abstellen? Unmöglich! Und so wird bis zum finalen „Slowly We Rot“ nach bester Hart aber herzlich-Manier gemosht, während die Band sich ausgehend vom letztjährigen selbstbetitelten Album auf ihre Diskographie zurückblickt, wobei natürlich den beiden Klassikerscheiben „Slowly We Rot“ und „Cause of Death“ ein Ehrenplatz zukommt. Sweaterboy John Tardy beschränkt sich in puncto Ansagen darauf, ab und an den folgenden Song röhrend anzukündigen, ansonsten zieht die Truppe ihr Ding ohne nennenswerte Unterbrechungen von vorne bis hinten durch – ohne dabei wie griesgrämige Handwerker zu wirken, im Gegenteil: Die Atmosphäre in und zwischen Band und Publikum ist von einer – für etliche der Anwesenden wohl auch nostalgischen – entspannten Freude an der Sache geprägt. Genau so soll es sein.

Setlist Obituary: Redneck Stomp / Sentence Day / Visions In My Head / Chopped In Half / Turned Inside Out / Find The Arise / A Lesson In Vengeance / Brave / Dying / No / ‚Til Death / Don’t Care // Zugabe: Turned to Stone / Straight To Hell / Slowly We Rot