Raise Your Fist! – Nervosa im Backstage (Konzertbericht)

Am 27. August 2018 wurde im Münchner Backstage einmal mehr der Thrash-Metal zelebriert. Nervosa, die Power-Girls des Genres, haben ein wahres Feuerwerk abgeliefert. Was der Abend sonst noch im Petto hatte, lest ihr hier.

Montagabend ist oftmals ein eher undankbarer Zeitpunkt für ein Metal-Konzert. Nach Montagabend hat es sich diesmal aber nicht angefühlt. Schon zu Beginn des Abends, pünktlich um 20:00 Uhr, ist der Backstage Club ordentlich gefüllt und kuschlig warm. Der lokale Opener Asylum ist noch eher unbekannt und verfehlt leider die Gelegenheit, einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Rein optisch trifft hier die nerdige Schulband auf Death Metal. Vokal vergleichbar mit Suffocation, liefern die Jungs zwar bis zu einem gewissen Level einen soliden Mix ab, aber haben in Sachen Bühnenpräsenz und Auftritt deutliche Defizite, da fehlt einfach die Routine.

Alien Weaponry

Schon im Vorfeld laufen sehr viele Gäste mit Shirts der nächsten Band, Alien Weaponry, vor der Halle umher. Wirklich auf dem Zettel hatte man diese Band im Vorfeld nicht, und auch als sie auf der Bühne stehen, kann man nicht ahnen, was hier gleich losgelassen wird. Drei gerade bzw. nicht einmal volljährige Neuseeländer betreten zu an die Fußball Weltmeisterschaft erinnernden neuseeländischen Gesängen die Bühne. Unscheinbares Babyface verwandelt sich allerdings schnell in eine wahnsinnige Groove-Maschine. Musikalisch orientiert an neuseeländischen Mythen und Kultur brechen hier donnernde Heavy-Walzen los. Stilistisch irgendwo zwischen Sepultura und Rage Against The Machine, ist das eine bewegungsfreudige Mischung. Wirklich beeindruckend, was die Kids in diesem Alter auf dem Kasten haben. Leider gibt es aber auch hier ein zwei Mankos: Ohne ewige Backing Tracks kommt hier wenig rüber. Sie verlassen sich, wie viele modernere Bands, nicht mehr nur auf die Eigenleistung, sondern helfen deutlich nach, wo drei Mann auf der Bühne stehen, kommen 20 Echos und ein Männerchor aus den Boxen, selbiges mit sonstigen Soundeffekten oder Instrumentaleinspielern. Handgemacht live geht anders, das kriegen sie sicher auch ohne das Effektpfuschen hin. Der andere Kritikpunkt ist die Stimme, denn diese ist nicht rau oder böse, sie ist mehr der freundliche Nachbarjunge, der vor der Schule den Rentnern die Einfahrt frei kehrt. Irgendwo liegt hier ein Stilbruch, der einem nicht aus dem Kopf geht, denn mit einer härteren Stimme á la Max Cavalera wäre diese Band nicht mehr aufzuhalten.

Setlist: PC Bro / Holding My Breath / Te Ara / Urutaa / Kai Tangata / Whispers / Raupatu / Rū Ana Te Whenua

Jetzt aber genug des Vorgeplänkels, denn nach einer wortwörtlich kochenden Show von Alien Weaponry ist das Publikum bereit, sich endgültig die Birne vom Hals zu schütteln. Nervosa sind die Schöne und das Biest in einem: Das brasilianische Dreigespann ist ein wirklicher Hingucker. Was allerdings optisch verspielt und unschuldig wirkt, zerlegt die Bühne. Thrash-Metal, der schon sehr am Death Metal kratzt, grobe Riffs und ein bösartiger Gesang, hier ist keine Spur mehr von den doch so unschuldig wirkenden Damen zu merken. So geht Emanzipation, denn Nervosa stehen ihren männlichen Genre-Kollegen in wirklich nichts nach. Dabei verlassen sie sich allerdings nicht auf den Mädchenbonus, den sonstige, gerne leicht bekleidete Damen des Genres als einziges Mittel zum Erfolg sehen, sondern liefern dermaßen ab, dass hier die Geschlechtergrenzen gar nicht erst zur Sprache kommen. Man braucht kein „Sex sells“, wenn man so ein Blitzgewitter auf die Bühne bringt. Nach einer fast makellosen Performance, inklusive Moshpits zu Hauf, geht es ab unter die Dusche; und wenn der Nacken am nächsten morgen nicht weh tut, hat man irgendetwas falsch gemacht. Auch hier wird kein wirkliches Fazit benötigt, wer sich zu diesem unschlagbaren Preis ein solches Konzert entgehen lässt, der ist selbst Schuld und sollte es sich nächstes Mal auf keinen Fall wieder entgehen lassen!

Setlist: Horrordome / … And Justice For Whom? / Death! / Bleeding / Enslave / Hostages / Masked Betrayer / Never Forget, Never Repeat / Vultures / Raise Your Fist! / Arrogance / Kill The Silence / Fear, Violence And Massacre / Intolerance Means War / Into Moshpit

Bericht: Luka Schwarzlose