Es grünt so grün zur Weihnachtszeit – „My Fair Lady“ im Gärtnerplatztheater (Kritik)

Kurz vor Weihnachten ist es wieder soweit: Das Gärtnerplatztheater zeigt klassische Stücke, und unter diesen ist auch eines der bekanntesten Muscials aller Zeiten: My Fair Lady. Dieses wurde, obwohl eigentlich recht traditionell inszeniert, im Theater am Gärtnerplatz auf Bayerisch vorgeführt. Und das ist auch keine schlechte Idee, die Doolittles sprechen nun einmal Dialekt, doch leider hat man etwas übertrieben.

© Marie-Laure Briane

Dabei ist die Geschichte die Gleiche geblieben. Professor Henry Higgins (Michael Dangl) nimmt nach einer Wette mit seinem Freund Oberst Pickering (Wolfgang Hübsch) die junge Eliza Doolittle bei sich auf, um ihr richtig sprechen beizubringen, da er der Ansicht ist, der Mensch zeichne sich nur durch seine Sprache aus. Die junge Eliza spricht dabei mit einem so starken Akzent, dass man als Nicht-Bayer sehr große Mühe haben dürfte, der Handlung zu folgen, wenn sie oder ihr Vater, der Müllfahrer Alfred P. Doolittle (Gerhard Ernst) im Vordergrund stehen, und das ist sehr schade. Grade Ernst schafft es, die Lieder Doolittles sehr stark darzustellen, dass man davon nur beeindruckt sein kann. Wenn man dann aber den Film nicht kennt oder noch nie eine andere Inszenierung gesehen hat, kann man sich wohl nur an seiner Stimme und seinem völlig unbeholfenem Tanz erfreuen, und auch die Lieder Elizas funktionieren dann ebenso; der Inhalt dürfte einem weitestgehend verborgen bleiben. Umso mehr rückt dann aber Michael Dangl in den Vordergrund, dessen Stimme wirklich ausgezeichnet zum hochmütigen Professor passt, der Eliza wie Schmutz behandelt und sie doch liebgewinnt. Und auch alle anderen Figuren sind sehr passend: Besonders Dagmar Hellberg als Mrs. Pierce funktioniert wunderbar, und haucht der Randfigur eine Menge Leben ein, und auch Wolfgang Hübsch sticht als gütiger Oberst Pickering hervor. All dies liegt aber auch an den wunderschönen Kostümen und der Kulisse. Wie vom Gärtnerplatztheater gewohnt, geht man mit großem Können vor, und so sehen die Kulissen zwar fast aus wie im Film, aber haben immer noch etwas eigenes; und spätestens bei dem Pferderennen sollten einem auch die großartigen Kostüme auffallen, egal ob für den reichen Adel oder für die armen Leute auf der Straße.

Insgesamt gibt es aber wenig Neues zu erwähnen zu unserer letzten Kritik, abgesehen von dem stärkeren bayrischen Dialekt, was aber dem Stück keinen Abbruch tut. Die Lieder und Witze können ohne Probleme fast drei Stunden unterhalten; und wem das nicht so geht, der hat wohl keinen Humor!

Kritik: Cedric Lipsdorf