Being Alive – Maya Hakvoort & Kevin Tarte im Deutschen Theater (Bericht)

Der Musical Salon geht in die nächste Runde! Die beiden Gastgeber Janet & Marc, ihres Zeichens selbst im Musical-Bereich tätig und natürlich auch am Abend gesangstechnisch unterwegs, begrüßen allerlei Bühnenpaare oder sogar wirkliche Paare, sowohl von der etwas altgedienten, etablierten Fraktion wie Thomas Borchert & Navina Heyne und Ethan & Monika Freeman, aber auch noch aktuelle Durchstarter*innen wie Sabrina Weckerlin & Philipp Büttner. Am 12. August 2021 kommt ein Bühnenpaar ins Deutsche Theater, dass wohl auf die längste, aber zugleich erfolgreichste Bühnenkarriere zurückblicken kann – Maya Hakvoort und Kevin Tarte.

© Alex List

Natürlich geben erst einmal Janet & Marc einen musikalischen Einstand, bevor sie mit Maya Hakvoort eine der seit Jahrzehnten etabliertesten Musical-Darstellerinnen begrüßen. Sie war es damals, die nach Pia Douwes die Rolle der Elisabeth im gleichnamigen Musical übernommen hat – und seitdem über 1000 Mal gespielt hat. Konsequent also, dass ihr erstes Solo gleich „Ich gehör nur mir“ aus ebenjenem Musical ist, dass Hakvoort stimmlich ausdrucksstark und tonsicher präsentiert wie eh und je. Nicht weniger häufig hat auch Kevin Tarte die Rolle des Grafen von Krolock in „Tanz der Vampire“ gespielt. Bei der deutschsprachigen Erstaufführung zu Beginn des neuen Jahrtausends schlüpfte er erstmals in die Vampir-Rolle, zuletzt hat er aushilfsweise in Stuttgart vor wenigen Jahren seine Paraderolle übernommen – auch hier ist „Die unstillbare Gier“ fast schon Pflichtprogramm. Während manche Solist*innen im Alter stimmlich doch oft abbauen oder sich so entwickeln, dass sie die unzählige Lieder ihrer Karriere nicht mehr singen können, präsentieren sich Hakvoort und Tarte in stimmlich absolut bester Verfassung. Eine große Freude!

© Conny Wenk

Auch die Chemie stimmt an diesem Abend bestens. Hakvoort und Tarte witzeln und interviewen sich selbst auch mal spontan und erzählen Anekdoten aus ihren gemeinsamen Urlauben, ihrer Bühnenkarriere und auch aus ihrem Weg nach Deutschland – wenngleich Tartes Erzählung von seinem Weg aus Amerika nach Europa ein doch recht jähes Ende findet, als ein Duett-Block der beiden Gastsänger*innen angekündigt wird. Am Ende steht eben die Musik im Fokus – und das auch zurecht. Die Setlist besteht aus allerlei kultigen Duetten aus Musicals vergangener Jahrzehnte; ein spannender Gegensatz zum Weckerlin/Büttner-Programm, dass sich vor allem an aktuelleren Stücken orientiert hat. Dieses Mal erzeugt u.a. „Being Alive“ von Kevin Tarte pure Begeisterung, auch „Den jag ville vara“ in einer deutschsprachigen Fassung von Hakvoort führt zu euphorischem Beifall. Ebenso hervorzuheben: die stimmlich hervorragende Interpretation von „Music Of The Night“ von Gastgeber Marc Gremm.

Nach rund zwei Stunden endet eine musikalische Fahrt durch die Karriere von zwei Ausnahme-Sänger*innen, die zurecht auch im Jahr 2021 noch die Konzerthallen füllen.

Bericht: Ludwig Stadler