Geliebte Berge – Jan Ammann & Jan Rekeszus im Deutschen Theater (Bericht)

Just begonnen, schon vorbei: die Reihe des Musical Salon im Deutschen Theater startet die letzte Ausgabe und begrüßt dazu Jan Ammann, seines Zeichens Musical-Darsteller für die ehrfürchtigen Rollen wie Graf von Krolock, Doktor Schiwago oder König Ludwig II. Anstatt seiner anfangs geplanten Frau und ebenfalls Musicalsängerin Lisa Habermann, die während der Verschiebung aus Schwangerschaftsgründen ausfiel, begleitet Jan Rekeszus den Sänger und bildet das spontane und etwas ungewöhnliche „Musical-Traumpaar“. Die baritonale Stimme Ammanns im Zusammenspiel mit Rekeszus hellem Tenor trifft sich aber gut – und steht für einen entspannten Abend. Mit einem Doppelkonzert am 2. und 3. September 2021 präsentiert sich das Männer-Duo im Deutschen Theater München – natürlich durch den Abend geleitet von Janet & Marc.

© Karim Khawatmi

Ein wenig anders gestaltet sich die Bühnenaufmachung: kein Banner, keine kuschligen Couches. Einzig der Flügel ist vom Original-Setting geblieben, der auch an diesem Abend von Marina Komissartchik bespielt und so zur Begleitung der beiden Solisten, aber auch erstmals zu den Solo-Songs der Gastgeber*innen genutzt wird. Als Moderationspunkt bleiben Hochtisch und Stühle aus dem Foyer. Egal: die Musik zählt, was im fast schon traditionellen Auftakt mit „Wenn ich tanzen will“ sogleich eindrucksvoll zur Schau gestellt wird. Ungewöhnlicher dann der erste Auftritt von Jan Ammann: „I Am What I Am“ aus „Ein Käfig voller Narren“, da es doch weniger zu seinem Stimmfach passt – vielleicht macht es genau diese ungewöhnliche Wahl zu einem starken Einstieg. Insgesamt zeigt sich das gesamte Programm sehr ausgeglichen – natürlich rutschen Songs aus „Ludwig2“ ins Programm, so übernimmt Rekeszus die „Geliebte Berge“, während Jan Ammann „Kalte Sterne“ zum Besten gibt. Passenderweise gesellen sich da auch Janet & Marc dazu – Ammann und das Gastgeber-Paar haben sich damals in Füssen kennengelernt, so ist es naheliegend, auch gemeinsam Lieder aus der gemeinsamen Produktion zu singen: „In Palästen geboren“ mit Janet und den Freundschafts-Song mit Marc und beiden Jans.

© Bernd Brundert

Spannend wird es vor allem dann, wenn Ammann über seine Ausbildung zum klassischen Sänger und seine Liebe zur klassischen Musik spricht. Dietrich Fischer-Dieskau, seines Zeichens wohl bedeutendster Liedsänger und auch sonst für immer Speerspitze des klassischen Baritons, habe ihm lobend zurückgeschrieben, als er etwas blauäugig im Alter von 13 Jahren eine Aufnahme von Schuberts „Winterreise“ geschickt hat. Bis heute sei er begeistert vom Liedgesang, wenngleich es selten dazu kommt, sich mit den Werken zu befassen. Recht spontan hat er sich aber bei den Proben entschlossen, „Wenn Blätter fallen“ von Richard Strauss zu singen – eine Premiere bei seinen Musical-Konzerten. Vielleicht ist es auch dieser Mix, dieses Unerwartete, aber auch die pure Singfreude aller Beteiligten, die diese Ausgabe zur wohl rundesten und angenehmsten der Reihe werden lassen – und so auch zu einem würdigen Abschluss.

Bericht: Ludwig Stadler