Mortal Engines – Filmkritik

(1,5 / 5)

© 2018 Universal Pictures and MRC

 

 

 

Regisseur/in: Christian Rivers

Genre: Sci-Fi, Action

Produktionsland: USA

Kinostart: 13. Dezember 2018

Laufzeit: 2 Std. 08 Min.

 

 

 

Nach den enttäuschenden Engpässen origineller Handlungsstränge und der maßlos übertriebenen CGI-Verwendung bei der „Der Hobbit“-Trilogie der 2012-2014er Jahre fing das Vertrauen in den neuseeländischen Regisseur Peter Jackson ordentlich zu bröckeln an. Dabei hatte doch alles so gut angefangen: Mit dem 1992er Überraschungshit „Braindead“, einem in Deutschland immer noch indizierten (!), schwarzhumorigen Splatter-Massaker, und nicht zuletzt der legendären „Der Herr der Ringe“-Trilogie der frühen 2000er schuf er kolossale Klassiker der Filmgeschichte. Und 2005 erfüllte er sich schließlich mit einem hochwertigen „King Kong“-Reboot einen Kindheitstraum.

Eines ist bei all der Euphorie um den Ausnahmefilmemacher nicht zu übersehen: Primär handelt es sich um reine Adaptionen/Reboots, zumindest jedoch um massive Querverweise. Die prekäre These darf also gestellt werden: Haben es seine Filme nur dann drauf, wenn genug Ausgangsmaterial vorhanden ist und dieses auch möglichst buchgetreu wiedergegeben wird? Die Regie übernommen hat diesmal mit Posten-Neuling Christian Rivers (zuvor verantwortlich für die visuellen Effekte/Spezialeffekte in u.a. „Braindead“ und „Der Herr der Ringe“) zwar ein anderer, doch obwohl Jackson beim Tetralogie-Auftakt der gleichnamigen Romanvorlage nach Philip Reeves „nur“ als Produzent und Drehbuchautor gelistet ist, sind die guten alten Jackson-Symptome wieder eindeutig festzunageln: Kein Feingefühl beim Storytelling –> sorgfältiges ‚Worldbuildung‘ und eine detaillierte Charakterauslegung weichen für viel ‚Krachbum‘.

In ferner Zukunft ist die Erde nach dem sog. 60-Minuten-Krieg nicht mehr wiederzuerkennen. Endlose, karge Wüstenregionen machen die überlebensnotwendige Ressource-Beschaffung für die Menschheit schwer, weshalb die meisten Städte mittlerweile mobil geworden sind: Gigantische Metropolen fahren auf Rädern umher, um neue Gebiete zu erschließen und kleinere Expeditions-Städtchen zu „konsumieren“, sprich ihre Rohstoffe zu verarbeiten und deren Bürger einzugliedern. London ist eine dieser Mächte und wird vom progressiven Thaddeus Valentine (Hugo Weaving) gen Europa geführt. Doch was niemand weiß: Im Geheimen bastelt der skrupellose Führer an einer Superwaffe, welche selbst die standfestesten Walle zu Fall bringen kann und letztendlich zur indirekten Weltherrschaft führt. Doch zum Glück stellen sich die jungen Querköpfe Hester Shaw (Hera Hilmar) und Tom Natsworthy (Robert Sheehan) mithilfe einer Rebellentruppe den finsteren Plänen des Futuristen…

© 2018 Universal Pictures and MRC

Haken wir zunächst die Visualität ab: Ja, schwindelerregende, ausschweifende Kranfahrten rund um die überdimensionalen Stahl-Dampfer sind ein wahrer Augenschmaus und die Animationen haben sich indes ebenso wenig lumpen lassen. Es ergeben sich beeindruckende Bilder, wenn visionäre Fluggeräte durch die Lüfte schwingen, während auf dem Boden imposante Schiffsschlachten stattfinden oder titanengroße Monsterräder nebenbei Reifenspuren in der Größenordnung von Fußballstadien hinterlassen. Der Grundstein ist also mit Bravour gelegt – was folgt? Nun, nicht mehr viel. Bis auf vollkommen dürftige, plakative Anspielungen auf ein potentiell faszinierendes Universums-Drumherum bleibt der Film vollkommen kahl: Der spannend klingende, sog. „60-Minutenkrieg“ besteht nur als leeres Wort, die angedeutete Klassentrennung bleibt spekulativ und die perfiden Gedanken einer immer jubelnden Masse unter faschistoider Regierung verweilen unergründet.

© 2018 Universal Pictures and MRC

Mortal Engines“ hätte das Fundament für eine dreckige Sozialkritik im ‚Steam-Punk‘-Mantel werden können – eine dunkle Zukunftsvision für unser Ressourcen-verschwenderisches Zeitalter. Stattdessen bleibt es am Ende bei einer plumpen Atombomben-Metapher und einem zusammengeklaubten Potpourri aus ideologischer Schwarz-Weiß-Zeichnung. Der Charaktertopf beschränkt sich entweder auf klassische Heldenfiguren mit insgesamt ein, zwei Eigenschaften (bspw. besteht Toms gesamtes Profil daraus, dass er früher Pilot werden wollte, sich dann jedoch auf die Geschichtswissenschaften fokussierte) oder überspitzten Karikaturen, welche wirken, als wären sie direkt dem „Terminator“ oder „Matrix“-Universum entschlichen. Weitere, zu Anfang wichtige Figuren, kommen auf einmal einfach nicht mehr vor und je näher das langersehnte Ende heranrückt, desto offensichtlicher wird zudem die pathetische Natur des Werkes, welche mit sinngemäßen Floskeln wie „Wir gehen dorthin, wo der Wind uns hinträgt“ die Atmosphäre eines modernen Märchens zu erreichen versucht, jedoch nur über die eigene Stumpfsinnigkeit stolpert. Der große Twist, welcher den gesamten Film über angeteasert wird, könnte lahmer nicht sein – und der lieblos offensichtliche Abklatsch der „Star Wars“-Story auf unzähligen Ebenen versetzt dem Ganzen am Schluss endgültig den kitschigen Todesstoß.

Fazit: Bei weitem nicht die langersehnte, qualitativ hochwertige ‚Steam-Punk‘-Produktion, auf die Fans des Genres seit Ewigkeiten warten – stattdessen jedoch das Absatzgestein des unkreativen Hollywood-Kinos. Da helfen auch keine schönen Animationen oder ein passables Gefühl für eine mitreißende Action-Dynamik mehr.

(1,5 / 5)