10 Jahre(s) Party – Moop Mama auf dem Tollwood (Konzertbericht)

Vor 10 Jahren begann alles mit einer simplen Idee: 10 Musiker aus München wollen eine Marchingband mit Rap kombinieren. Gestartet haben sie mit Guerilla-Gigs entlang der Isar. Dann kamen immer größere Gigs dazu und heute füllen Sie schon die Musik-Arena auf dem Tollwood.

Moop Mama ist nicht nur eine Band, die ihren einzigartigen Stil über die Jahre perfektioniert hat, sondern die es auf unvergleichliche Weise versteht, das Publikum zum Feiern zu bringen. Der Auftritt am 19. Juli 2019 auf dem Tollwood steht ganz unter dem Motto von Frontmann Keno: „Lasst uns eine riesige Geburtstagsparty feiern!“ Eine Party kann man nicht alleine organisieren, weswegen sich die Jungs Unterstützung geholt haben, die sich sehen lassen kann: Joris, Max Mutzke und  Deichkind als Special Guests, Fatoni als Vorband und Roger Rekless als Moderator und Ansager, der es sich auch nicht nehmen lässt, kleinere Rap-Parts zu übernehmen.

Der Münchner Rapper Fatoni startet um 19:15 Uhr mit seinem fünfundzwanzig-Minuten Set. Unterstützt wird er hierbei von DJ und Schlagzeug, der jedoch schnell wieder von der Bühne verschwindet. Erst vor kurzem hat er sein vielfach gelobtes Album „Andorra“ veröffentlicht. Fette Beats kombiniert mit sinnhaften Texten und eingängigen Melodien heizen das Publikum schon einmal passabel vor. Kleinere technische Pannen überspielt er mit seiner lässigen und nahbaren Art und seine Nachfragen. „Seid ihr geil drauf?“ werden mit einem tosenden „JA!“ beantwortet. Wie könnte es auch anders sein: Gleich kommt eine der verrücktesten Bands Deutschlands auf die Bühne.

Setlist: Alles zieht vorbei / Die Anderen / Clint Eastwood / Benjamin Button / Authentizität / Das ist alles Kunst / Kann nicht reden ich esse / Im Modus 

Um Punkt 20:00 Uhr gehen die Lichter aus. Zwei Spots leuchten nur noch in die Mitte des Zeltes, wo Roger Rekless auf einem Podest steht. Er erzählt mit viel Witz von der Geschichte von Moop Mama und wird seiner Rolle als Host des heutigen Abends mehr als gerecht.

© Felix Baab

Wie es sich für eine Marchingband gehört, marschieren die Münchner daraufhin vom Seiteneingang in die Musik-Arena. Bunte Schilder werden von ein paar glücklichen Zuschauern neben der Band bis auf die Bühne getragen. In gewohnt rotem Outfit findet sie den Weg durch das Publikum auf die Bühne. Es ist der Auftakt zu einem Konzert der Superlative.
Frontmann Keno versteht es, das Publikum anzuheizen, die verschiedenen gelungenen Soli der restlichen Bandmitglieder erledigen den Rest. Ein Stargast nach dem anderen kommt auf die Bühne und sorgt für ein Aufkreischen der Zuschauer. Eine Freestyle-Session mit Leuten aus dem Publikum, Max Mutzke, Fatoni und Roger Rekless darf natürlich auch nicht fehlen.

Doch wer denkt, dass es der Münchner Band nur um Party geht, der denkt falsch: Allein die Texte drücken mit aus, dass die Musik Gesellschaftskritik in Partymusik gepackt ist. Zwischendurch wird gegen Rassismus und für mehr Miteinander aufgerufen. Die Musiker haben ein Anliegen für mehr Toleranz, das sie sich nicht nehmen lassen und von Wortkünstler Keno in einzigartige Passagen gepackt wird.
Sie sind aufeinander eingespielt und haben unglaublichen Spaß auf der Bühne. Die Technik war leider zeitweise mit so viel Spaß ein wenig überfordert und es gab kleinere Ausfälle. Aber nichts, was Profi-Musiker nicht überspielen könnten. Außerdem kann sowas schon einmal passieren, bei teilweise bis zu zweiundzwanzig Menschen auf der Bühne. Die Musik-Arena ist bis zum Schluss am Kochen. Selten kann jemand behaupten, so eine Geburtstagsparty gehabt zu haben.

Setlist: Bullenwägen / Geh mit uns / Geliebte / Shopping / Helden / König der Stadtmitte / Liebe / Stadt die immer schläft  / Roboter / Meermenschen / Die Erfindung des Rades / Alle Kinder / Wildnis / Shitstorm / Kapuze / Molotow / Hier bin ich / Elefant / 25/8 – Zugaben: Du (Cover) / Nüchtern

Bericht: Kim Fischer