Mister Link – ein fellig verrücktes Abenteuer (Filmkritik)

(4 / 5)

© 2019 eOne Germany

 

 

Regisseur: Chris Butler

Genre: Animationsfilm, Abenteuerfilm

Produktionsland: USA, Kanada

Kinostart30. Mai 2019

Laufzeit: 1 Std. 35 Min.

 

 

Die Spezialisten des hochqualitativen ‚Stop Motion‘-Films „Laika Entertainment“ haben wieder zugeschlagen! Nach stolzen Werken wie „Coraline“, „Corpse Bride“ oder „Kubo“ besucht nun das Bigfoot-Abenteuer „Mister Link“ unsere Leinwände. Und nach wie vor macht ihnen dabei niemand etwas vor: Mehr oder minder im Alleingang halten sie die Relevanz einer eigentlich veralteten Tricktechnik hoch. Doch während die brillante Optik erneut aufs Ganze geht, entfernt man sich handlungstechnisch von den bisher so erwachsenen, düsteren Themen – und nähert sich stattdessen viel mehr dem modernen, kunterbunt-spaßigen Kinderfilm der Konkurrenz.

Der selbstbewusste Mythen-Forscher Sir Lionel Forst (Hugh Jackman) möchte sich endlich vor dem exklusiven Abenteurer-Club als Meister seines Fachs beweisen. Der große Wurf dafür soll die Entdeckung des legendären Bigfoots werden. Doch einmal gefunden, entpuppt sich das vermeintliche Monster als liebenswerter und intelligenter, aber vereinsamter Geselle – und die Pläne ändern sich: Gemeinsam mit der furchtlosen Weltenbummlerin Adelina Fortnight (Zoe Saldana) machen sie sich auf die Suche nach den entfernten Verwandten des haarigen ‚Mister Link‘ (Zach Galifianakis), welche angeblich in den Himalayas leben. Nur dummerweise sind ihnen Schurken dicht auf den Hacken, welche die Mission unbedingt vereiteln wollen…

© 2019 eOne Germany

„Mister Link“ dürfte sich schon alleine für die Optik in die Herzen zahlreicher Zuschauer knuddeln. Die Schauplätze, startend bei einer drolligen Altstadt, über ein tropisches Dschungel-Paradies bis hin zum Eispalast über den Wolken, laden allesamt zum Staunen ein. Die Gratwanderung zwischen Fotorealismus und kantiger Comic-Tendenz geht voll auf und wird ergänzt durch optischen Witz – wie beispielsweise die geniale Entscheidung, das Loch Ness-Monster einfach als übergroße Handpuppe zu inszenieren. So kann es seine Opfer auch nicht verschlingen, sondern eben nur in die Zange nehmen. Und dennoch ist die daraus resultierende Action-Sequenz zwischen detaillierten Knetfiguren mit leicht abgehackten Bewegungen, einer Monster-Socke und einem aggressiv pinken Himmel über einem tosenden Meer an immersivem Charme kaum zu übertreffen. Man kann sich an den ausgeklügelt hübschen Kontrasten gar nicht mehr satt sehen.

Laika hat gewiss keine Probleme mehr, die ganz großen Fische an Land zu ziehen: So leihen unter anderem die Superstars Hugh Jackman, Zach Galifianakis und Zoe Saldana dem Film im Originalton ihr Stimmorgan (in der deutschen Übersetzung Christoph Maria Herbst, Bastian Pastewka und Collien Ulmen-Fernandes). Und nicht nur deswegen haben die Figuren es in sich – auch inhaltlich wird verlässlich für frischen Wind gesorgt: Lionel als schein-egozentrischer aber herzensguter Möchtegern-“Indiana Jones“ und Link als verpeilter Gute-Laune-Knäuel sorgen für eine selten gesichtete Männerfreundschaft. Beide verstehen auf ihre persönliche Weise die Welt nicht wirklich – wollen aber dennoch zwanghaft Teil ebenjener sein. Zunächst suchen sie deshalb nach Anerkennung an destruktiven Orten, doch allmählich wenden sie sich durch harte Lebenslektionen dem Selbst zu und lernen die tatsächlich relevanten Freundschaften zu schätzen. Abgerundet wird das kunterbunte Dreiergespann durch die flotte Adelina, welche sowohl als zügelnde Klarsicht-Mama sowie als emotionale Stütze für die beiden, sich ständig selbst überschätzenden, Kindsköpfe dient. Die typische Romanze musste damit passenderweise für die gegenüberliegende ‚Bromance‘ zurückstecken.

© 2019 eOne Germany

Insgesamt ist „Mister Link“ ein für Laika doch sehr heiteres, ja beinahe massentaugliches Werk geworden. Ausnahmsweise spielen weder der Tod noch makabre Schreckens-Kreaturen eine größere Rolle – stattdessen konzentriert man sich auf optimistischen Erlebnishunger ohne echtes Scheiter-Potential und meist scharf gesetzten Humor. Besondere ‚Am-Boden-Kringel‘-Garantie bietet Mr. Links Unverständnis für Sprichwörter, welche er allesamt viel zu wörtlich nimmt, oder das vehemente Bestehen auf seinen eigens neu gewählten Namen ‚Susan‘. Doch die Comedy-Krone hat sich nur ein Charakter verdient: Eine griesgrämige, alte Schamanin (‚The Elder‘) mit hyperaktivem Wackelkopf, auf dem sich unbemerkt ein Huhn eingenistet hat. Dies sind Momente, in welchen die gelegentlich mittelmäßigen Pointen dann auch schnell wieder vergessen werden – und so verzeihen wir dem Film ebenso die allgemein doch überraschend glatte Herangehensweise, denn mit „Mister Link“ nähert sich Laika deutlich den Kinder- und Familienfilmen von Disney und Co. an – ohne dabei aber seine eigene Identität, welche hauptsächlich in der brillanten Optik liegt, zu verlieren.

Fazit: Selbst die schwächeren Laika-Filme sind immer noch wahre Leckerbissen. „Mister Link“ besticht durch eine anständige Geschichte, aber interessantere Figurenkonstellationen und hauptsächlich eine vollkommen magische Optik der Stop-Motion-Technik, welche paradoxerweise verboten modern aufgestellt ist.

(4 / 5)