True Brew – Millencolin in der Muffathalle (Konzertbericht)

Was für eine Woche für Freunde des klassischen und dennoch etwas poppigeren Punkrocks! Erst beehrten uns am Donnerstag Bad Religion die Muffathalle, wie wir berichteten, nun kamen direkt am Sonntag weitere Urgesteine des Punks in die schöne Halle neben der Isar: Millencolin. Die Schweden haben die Location restlos ausverkauft und zeigen alleine dadurch schon, dass auch nach 27 Jahren Bandgeschichte diese noch lange nicht am Ende ist. Gemeinsam mit Woes stehen die rund 1400 Zuschauer einem lauten und treibenden Sonntagabend gegenüber.

Die Jungspunde von Woes entern um 20 Uhr zuallererst die Bühne – und entfesseln eine unfassbare Energie. Bereits beim ersten Song „Losing Time“ geht der Mix aus Punk, Pop und etwas Hardcore ins Ohr und gefällt, wenngleich Frontmann DJ mehr Töne verfehlt als trifft. Die Wucht und Spielfreude, die die Musiker dabei aber an den Tag legen, übertrifft alles – sie springen in die Luft, fetzen über die gesamte Bühne und schaffen es dabei instrumental auch noch, absolut sauber zu spielen. Leider will die Energie auf der Bühne nicht so recht auf das Publikum übergehen, das selbst beim letzten Song „Worst Friend“ nur relativ verhalten mittänzelt. Schade für die soliden Jungs, die nach nicht einmal 30 Minuten das Feld räumen.

Setlist: Losing Time / Winter Sun / High On You / Money Shoe / Be Alone / Suburbs / Worst Friends

© Erik Ohlsson

Ziemlich exakt zur finalen Verdunkelung der Muffathalle scheinen die Besucher kollektiv zu erwachen, denn als Millencolin die Bühne betreten und die ersten beiden Lieder „SOS“ und „Penguins & Polarbears“ anstimmen, rastet die Menge sprichwörtlich aus und startet einen Moshpit, der sich bis zum Ende des Konzerts nicht mehr legen soll. Zwar ist er nicht ganz so groß wie am Donnerstag noch bei Bad Religion, allerdings deutlich ausgelassener – die Musik der Schweden ist dann doch weniger intellektueller Speed-Punk mit politischen Texten, sondern ganz klassischer Party-Punk mit Pop- und Skate-Punk-Anleihen. Der wird zwar ebenfalls rasend schnell gespielt, dennoch wird nach maximal drei Songs eine Ansage eingeschoben – zum Durchschnaufen für Band und Publikum.

Satte 27 Jahre sind die Punkrocker bereits unterwegs und dabei erfolgreicher als je zuvor – die Muffathalle ist restlos ausverkauft, das aktuelle Album glänzt mit dem bis dato höchsten Einstieg, die Musik kommt auch etliche Jahre später immer noch bestens an. Philosophische Aussagen wie „Beer is not everything in life, there’s also music“ passen da nur ins Gesamtkonzept. Leider hat die Band dem Bier relativ fröhlich gefrönt, denn sowohl der Takt des Drummers als auch die Soli des Rhythmus-Gitarristen sind alles andere als on point. Womöglich auch der Grund, wieso der Funke bis zum Ende einfach nicht so ganz überspringen will, wenngleich Setlist, Stimmung und Spielfreude absolut in Harmonie stehen. Nach rund 80 Minuten und sogar einer zweiten Extra-Zugabe mit „Black Eye“ verabschieden sich Millencolin und beenden ihre Tour würdig in München. Punk will never die!

Setlist: SOS / Penguins & Polarbears / Fingers Crossed / Sense & Sensibility / Fox / Twenty Two / Sour Days / Olympic / The Ballad / Farewell My Hell / True Brew / Lozin‘ Must / Nothing / Pepper / Mr. CleanZugaben 1: Egocentric Man / Ray / Yanny & Laurel / Bullion / Duckpond / No CigarZugabe 2: Black Eye

Bericht: Ludwig Stadler