The Pendulum Speaks – Melechesh im Backstage (Konzertbericht)

Das neue Jahr ist gerade erst gestartet und schon steht ein echter orientalischer Leckerbissen an: Melechesh, die neben Nile wohl zu den bekanntesten Metal-Bands mit orientalischen Einflüssen zählen, sind auf ihrer Sumerian Sonic Magick Tour im Münchner Backstage Club am 20. Januar 2020.

Um 19 Uhr beginnt wie gewohnt der Einlass, der Beginn verschiebt sich allerdings etwas nach vorne, so spielt die erste Band, Selvans, bereits gegen 19:30 Uhr. Musikalisch sind die Italiener eher im Atmospheric und Folklore Black Metal angesiedelt, live ist es ein eingängiger und eher massentauglicherer Black Metal. Auf der Bühne passiert grundsätzlich nicht viel, bis auf die kleinen Knochenketten um die Hälse der Musiker. Sehr unspektakulär, abgesehen vom Frontmann: Dieser wirkt etwas wie das Liebeskind von Captain Jack Sparrow und King Diamond und gleicht im Alleingang das eher fade Auftreten seiner Mitmusiker aus. Auch auf der wichtigeren Seite, der musikalischen, ist er die Zentralfigur und rettet mit seinen starken Black Metal-Vocals quasi den gesamten Auftritt, der stark unter einem unfassbar schlechten Gitarrensound leidet. Der Mischer kann hier auch per se wenig dafür, da es hauptsächlich am unfassbar schlecht gewählten Verstärkersound liegt.

Als nächstes stehen W.E.B. auf den Brettern. Typisch griechisch gibt es einen sehr atmosphärischen und epischen Black Metal. Durch die von vorne bis hinten durchgetaktete Show ziehen sich etliche orchestrale Intros, Klavierpassagen und Unterstützung vom Band, was zwar einen coolen Gesamtsound gibt, aber leider recht wenig Platz für Improvisation lässt. Solider Auftritt mit viel Herzblut und einem Melechesh-Vorprogramm mehr als würdig. Allerdings sticht auch hier eine Person in der Band, wie schon bei Selvans, besonders hervor: Bassistin „Hel Pyre“ liefert neben ihren Basspflichten bitterböse, tiefe Backingvocals, die eigentlich prägnanter sind als der eigentliche Gesang. Der Anfang einer Supergroup? Wer weiß…

Nun aber gegen 21 Uhr werden die Räucherstäbchen entzündet und es ist Zeit für Melechesh. Präsentiert wird ein bunter Mix ihrer Diskographie, und das gleicht einem Best-Of. Ashmedi in bester Spiellaune beweist mit seinen eher schrillen Vocals einmal mehr, warum Melechesh mittlerweile auf der ganzen Welt unterwegs sein können. Anfänglich reißt leider immer wieder sein Gitarrensignal ab, das übliche Problem mit der Kabellosübertragung, welches gegen Mitte des Sets mit einem normalen Klinkenkabel gelöst wird. Nach ca. 80 Minuten Spielzeit geht ein erfolgreicher Abend des Metal zu Ende. Nach der Show nehmen sich die Musiker noch etwas Zeit für den mittelmäßig gefüllten Club und lassen so den Montagabend fast schon gemütlich ausklingen.

Setlist: Tempest Temper Enlil Enraged / Ladders To Sumeria / Grand Gathas Of Baal Sin / Deluge Of Delusional Dreams / Multiple Truths / Defeating The Giants / Triangular Tattvic Fire / Ghouls Of Nineveh / Rebirth Of The Nemesis: Enuma Elish RewrittenZugabe: The Pendulum Speaks

Bericht: Luka Schwarzlose