Marteria – Backstage Halle, 17. Mai 2017

Heute hatte jeder Fan von Rap-Musik einen Job und definitiv keine Langeweile – Erfolgs-Rapper Marteria machte Halt im Backstage München. Im Backstage? Ist das nicht inzwischen viel zu klein für einen Musiker dieser Größe? Ja, das ist es, keine Frage. Und genau das war der Grund für die Buchung der Location – denn Marteria hat seine Club-Tour „Allein auf weiter“ aus dem Jahr 2009 nachgespielt und originalgetreu – so gut es ging und soweit die Locations noch existieren – die alten Orte wieder besucht. Am 31.10.2009 war damals der „Juice Jam“ in der Backstage Halle, 74 Gäste waren da – jetzt, am 17.05.2017, hat sich die Zahl verfünffacht. Die Karten waren innerhalb weniger Sekunden vergriffen und so waren alle, als sie in der Schlange am Einlass standen, natürlich besonders aufgeregt, für welches Konzert-Erlebnis sie denn genau die Karten erwarben. Pünktlich um 20 Uhr strömten die ersten Fans in die Backstage Halle. Die Zeit bis zum Auftritt verging wie im Flug – um kurz nach 21 Uhr wurde es dunkel und das Intro begann.

Unbekannte Klänge gleich zum Intro. Die Menge jubelte trotzdem laut, als die Band und letztendlich der Künstler selbst, Marteria, die Bühne betraten. „Roswell“, der Opener des gleichnamigen Albums, welches nächsten Freitag erscheint und Anlass der Tour ist, wurde gespielt und mündete direkt in „Aliens“, der ersten großen Single des gleichen Werkes. Fast die gesamte Halle bouncte mit, auch wenn die komplette Eskalation sich noch zurückhielt – spätestens beim Song „Alles verboten“ und dem verrückten Strobo-Part am Ende sollte sich das aber noch ändern. Vor „Endboss“ kam die erste Begrüßungsansprache. Dass man sich sehr auf diese Tour gefreut hat und sie etwas Besonderes sei, und dass das gesamte neue Album gespielt wird und man als Besucher damit eine exklusive Vorabpremiere erlebe, das wurde versprochen. Außerdem sollte es noch etwas ganz Altes geben – Marten Laciny, wie er bürgerlich heißt, sollte mit all dem Recht haben und so einen motivierten Auftakt für knapp zwei Stunden Hip-Hop geben.

Das gesamte Album, exklusiv vorab – kurzzeitig immer wieder unterbrochen von alten Hits; insgesamt war es eine Mischung aus Zuhören und Abfeiern. Die neuen Lieder sind überraschend abwechslungsreich, mit „Cadillac“ hat man die passende Partynummer, mit „Skyline mit zwei Türmen“ einen großartigen Hit mit tollem Text, sogar eine Crossover-Rock-Nummer wurde mit „Links“ eingebunden. Ordentlich politisch wird man auch in den Songs „Elfenbein“ und „El Presidente“. Mit „Scotty beam mich hoch“ ist auch, wie auch mit „Das Geld muss weg“, bei dem lustiger Weise Marteria-Geldscheine in die Menge geschmissen wurden, ein purer Gute-Laune-Song dabei – das volle Spektrum wird also bedient und so wurde auch das gesamte Spektrum beim Publikum hervorgerufen: ruhiges Bouncen, motiviertes Mitspringen und absolutes Eskalieren.

Der obligatorische Marsimoto-Part durfte natürlich auch nicht fehlen, dieses Mal u.a. mit der Live-Premiere von „Eine kleine Bühne“, textlich und musikalisch eine unfassbar gute Nummer. War die Stimmung bei Martens Alter Ego bereits auf dem absoluten Hochpunkt, wurde diese mit Songs aus „Zum Glück in die Zukunft II“ noch einmal gesteigert: „OMG!“ und „Kids (2 Finger an den Kopf)“ taten ihr Übriges. Nach einigen Zugabe-Rufen kam der für alteingesessene Fans vielleicht bedeutendste Moment: zwei Songs aus dem inzwischen zehn Jahre altem Debüt-Album wurden gespielt, „Base Ventura“ und „Einer von euch“, nach Jahren für diese Tour wieder in das Set genommen. Den absoluten und endgültigen Höhepunkt sollte das Konzert aber nun bei den letzten zwei Songs erreichen – „Feuer“ und das gefühlt ewige „Die letzten 20 Sekunden“. Denn diese 20 Sekunden wurden rund 15x gestartet, wenn nicht sogar noch öfter – mindestens zehn Minuten hat der Spaß gedauert und war der perfekte Abschluss eines makellosen Konzertes. Wer Marteria übrigens nicht schon in den „letzten 20 Sekunden“ in der Menge, in der er sich mindestens fünf Minuten aufhielt, abgeklatscht hat, konnte nach dem Konzert noch kurz mit dem Wortakrobaten quatschen und für ein Foto posieren – ein einmalige Gelegenheit, die sich einem wohl nur bei Club-Touren bietet.

Setlist: Roswell / Aliens / Endboss / Scotty beam mich hoch / Cadillac / El Presidente / Bengalische Tiger / Skyline mit zwei Türmen / Alles verboten / Tauchstation / Blue Marlin / Marteria Girl (Remix) / Das Geld muss weg / LinksMarsimoto: Grüner Samt / Eine kleine Bühne / Ich bin dein Vater / Der Nazi und das Gras / Der Döner in mirOMG! / Kids (2 Finger an den Kopf) / Große Brüder / ElfenbeinZugabe: Base Ventura / Einer von euch / Feuer / Die letzten 20 Sekunden

Fazit: Was für ein atemberaubendes Konzert! Marteria brachte wohl den besten Beweis, wie schweißtreibend und aufregend ein Rap-Konzert sein kann – knapp zwei Stunden bestes Entertainment in kleiner gemütlicher Atmosphäre, eine tolle Setlist mit vielen Überraschungen und Premieren und schlichtweg eine gnadenlos grandiose Stimmung. Die Fotomöglichkeit nach dem Konzert hat für jeden Fan das Erlebnis wohl auf die Spitze getrieben und zu allen möglichen Superlativen veranlasst – zurecht, denn wenn nun einmal alles perfekt war, sollte man davon auch schwärmen. Eine Empfehlung für die Show im Zenith im Dezember lässt sich also wärmstens aussprechen.

Bericht: Ludwig Stadler