Vollkommen – Maerzfeld im Backstage (Bericht)

Ach, wie lange hat es gedauert, bis Maerzfeld endlich wieder in die Münchner Gefilde kommen? 2,5 Jahre? Es ist auf jeden Fall höchste Zeit geworden, nachdem die Franken bereits letztes Jahr im Oktober ihr neuestes Werk „Ungleich“ auf den Markt gebracht haben und dieses dementsprechend euphorisch empfangen wurde. An diesem 9. März 2018 hieß es also wieder für die Fan-Fraktion in den oberbayerischen Gebieten den Weg gen München zu richten, genauer gesagt in das Backstage München, denn in der Backstage Halle fand ganz traditionell das Konzert statt. Support sind dieses Mal aber tatsächlich ein Szene-Kaliber, nämlich die Kollegen von Heldmaschine, die ihren Tour-Abschluss feiern. Alle Zeichen auf Grün für einen wunderbaren Abend.

Etwas überraschend leer ist es allerdings noch, als man die Halle betritt. Immerhin kommen die inzwischen mehr gewordenen Leute pünktlich um kurz vor 20 Uhr alle nach vorne, um der kommenden Heldmaschine ihre Aufmerksamkeit zu schenken. Das eigene Projekt der Rammstein-Tribute-Band Völkerball hat es nicht immer allzu leicht in unserer schönen Metropole – die eigenen Headliner-Shows waren leider keine besonders großen Erfolge. Umso größer dafür der Erfolg als Support von Hämatom im Januar im Nachbar-Gebäude, dem Werk – höchste Zeit, das also nicht einmal 1,5 Monate später nachzuholen. Zwar gestaltet sich der Anfang mit „Himmelskörper“ und „Gegenwind“ wieder etwas schwierig und schleppend, aber das Publikum vor der Bühne stört das reichlich wenig, denn sie jubeln, klatschen und eskalieren glücklich vor sich hin – genau das, was die Jungs um Sänger René Anlauff verdient haben. Dementsprechend angeheizt ziehen die Musiker ordentlich an und liefern mit u.a. „Ich komme“ und „Wer einmal lügt“ zwei mächtige Brecher hintereinander ab. Während die Menge also tatsächlich motiviert beim Mitmachen ist, liefert die Band auf der Bühne eine energetische und mitreißende Performance ab. Kein Vergleich zum Hämatom-Support-Gig und bis dato definitiv der beste Heldmaschine-Auftritt in München, auch wenn mit „Weiter!“ nach 50 Minuten der Spaß wieder vorbei ist.

Setlist: Himmelskörper / Gegenwind / Die Maschine spricht / ® / Ich komme / Wer einmal lügt / Radioaktiv / Das Maß ist voll / Weiter!

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In wirklich eindrucksvoll schnellen 15 Minuten wird die komplette Bühne einmal umgeräumt, damit um pünktlich 21:05 Uhr das Licht ausgeht und das Intro von Maerzfeld zum Opener „Zweifel“ ertönt. Und was für eine Wucht dieses Lied doch ist! Perfekt zu den Klängen agiert im Hintergrund die sehr schöne Lichtshow, die mit kleinen Effekten spielt und dabei wirklich tolle Bilder kreiert, die je nach Song farblich variieren. Der Sound selbst – es ist ein kleines Wunder – ist wirklich stark. Satt, kräftig und voll klingt es, die Gitarren gut hörbar, aber nicht zu aufdringlich, selbst Sänger Heli Reißenweber geht im Soundgewand nicht vollkommen unter, wie es leider die letzten Maerzfeld-Shows im Backstage gewesen ist. Konsequenterweise macht das Publikum in der Halle, die zwar inzwischen angenehm voller geworden ist, aber nicht die Fülle der letzten Besuche schafft, genauso lautstark mit wie bei der Heldmaschine im Voraus.

Die Band heizt der Abend sichtlich an – sei es das Publikum oder die Tatsache, nach jahrelangem Arbeiten am neuesten Album endlich die Lieder spielen zu können. Denn nach einigen Rückschlägen in den letzten Monaten, allen voran die des überraschenden Todes des StahlZeit-Keyboarders Thilo Weber, der auch bis 2015 in Maerzfeld aktiv dabei war, ist es bestimmt eine willkommene Abwechslung vom „StahlZeit-Alltag“, sich mit den eigenen Songs einfach mal seine Gefühle aus dem Leib zu spielen oder zu singen. Vor allem dieses Singen aus voller Inbrunst, das macht Frontmann Heli gefühlt bei jedem Konzert mit steigendem Alter besser. Fraglos einer der stärksten Sänger, die in der NDH-Szene und darüber hinaus existieren, trifft er problemlos selbst die höchsten Töne (und die gibt es auf dem neuen Album!), auch bis zum letzten Song bleibt er text- und tonsicher und verliert dabei nicht den Spaß, sich mit Bassist Bora auf den einen oder anderen Blödsinn einzulassen. Auch die beiden Sitzmann-Gitarristen, Vater und Sohn, rasen mit purer Spielfreude an ihren Gitarren-Saiten entlang, ebenso wie Drummer Michael, leider etwas arg im Hintergrund, treibend in die Trommeln schlägt. Eine Band in absoluter Höchstform.

Das liegt natürlich auch an der wirklich starken Setlist. Man hat sich, aus absolut logischen Gründen, dafür entschieden, das gesamte neue Album zu spielen und den Rest aufzufüllen mit Liedern der beiden Vorgänger. Logisch, dass da mancher Klassiker wie „Vaterland“, „Krieg“ oder „Muttertag“ nicht seinen Weg in die Liederliste geschafft hat, aber dafür gefühlt jeder andere. Wenn „Vollkommen“ durch die Boxen wummert, erinnert man sich wieder, wieso man damals angefangen hat, diese Band zu hören – und zwar nicht, weil man sie durch StahlZeit kennengelernt hat, sondern weil die Musik so wahnsinnig stark und mal textlich im NDH erfrischend anders, eben auch anders stark ist. Die Lieder des aktuellen Werks „Ungleich“ kommen dabei fast Dampfwalzen gleich, denn „Schnitter“ wirkt mit seiner großen Melodie wie mächtiger Bombast, während „Falsche Helden“ der wohl beste, bisher geschriebene Maerzfeld-Song sein dürfte. Kein Wunder also, dass die Jungs nach ihrer dritten Zugabe „Meine Lügen kannst du glauben“ um etwa 22:40 Uhr unter großem Applaus entlassen werden. Ob sie wiederkommen sollen, fragen sie. Aber unbedingt, unseren Segen habt ihr!

Setlist: Zweifel / La Petite Mort / Ich Flieg / Still / Heilige Krieger / Schnitter / Hübschlerin / Das Licht / Nackt / Vollkommen / Du fehlst / Fremdkörper / Ungleich / Falsche Helden / Fleisch im Fleisch / Tanz für mich / Schädling / StalingradZugaben: Es bricht / Treibjagd / Meine Lügen kannst du glauben

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Bericht: Ludwig Stadler
Fotos: Ronja Bierbaum