Kapitän – Madsen in der TonHalle (Konzertbericht)

Es weihnachtet sehr! In München drückt sich das bisher eigentlich nur durch andauernden Regen aus, sonderlich schneeig ist die Landschaft nun nicht gerade und allgemein stresst man sich von einem Ort zum nächsten. Ein kleiner Lichtblick, dass Madsen, die Sunnyboys der deutschen Rock-Musik, mitten im Endspurt für ein Gastspiel in die bayerische Landeshauptstadt kommen! Krankheitsbedingt vom 23. November auf den 22. Dezember 2018 gerutscht, mussten zwar sehr viele ob der Weihnachtsnähe wieder zurückrudern, aber einige konnten auch überhaupt erst zum Konzert hin. Insgesamt hat das davor komplett ausverkaufte Konzert in der TonHalle zwar ein wenig Luft, aber eben dafür auch nur noch größere Vorfreude im Raum.

Grillmaster Flash & The Jungs entern aber zuallererst die Bühne, um das Münchner Publikum zu „zerficken“, wie Madsen-Drummer Sascha im Voraus als kleine Ankündigung zitiert. Der Bremer Frontmann und seine Band spielen schlichtweg Rock, zumeist mit etwas softeren Indie-Touch, aber auch mit kurzen Punk-Smasher wie „Pommes“, wenige Sekunden lang. Absolut sympathisch wirken die Musiker, eingängig und witzig sind die Lieder, wenngleich auch manchmal etwas zu gewollt. Grilli, wie sich der Sänger selbst bezeichnet, gelingt in seiner etwas über 40 Minuten langen Performance aber genau das, was er erreichen wollte: das Publikum aufwärmen. Zum Schluss singen die Münchner bereits leicht mit, „(Ich war nie) Rock’n’Roll“ zählt aber auch zu einem wirklich starken Song aus den deutschsprachigen Landen. Well done, Grilli!

Setlist: Bier & Action / Ganz vorn in der Achterbahn / Hängen mit den Jungs / Alles bleibt wo es ist / Pleite gehen / Sottrum / Zsa Zsa Gabor / Pommes / Du bist gut / Weltraum / (Ich war nie) Rock’n’Roll

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Um 21:40 Uhr verdunkelt sich die Bühne, kurz darauf stürmen die Mitglieder von Madsen die Bühne, um schnörkellos mit „Wenn es einfach passiert“ und „Sirenen“ zu beginnen – ein sehr rockiger und mitreißender, wenngleich auch textlich überraschend ernster Start. Das Münchner Publikum beginnt jedenfalls sofort, einen Moshpit zu eröffnen und die Texte laut mitzusingen – spätestens bei „Mit dem Moped nach Madrid“ folgt dann auch die zu erwartende Eskalation, die andere Bands im gleichen Genre einfach nicht erreichen wollen. Was machen Madsen also genau anders? In erster Linie sind sie mal eines: gut. Gut in Performance, gut in der Musikauswahl, gut im Anheizen. Aber dieser grundsolide Eindruck ist natürlich noch nicht ausreichend.

Wahrscheinlich ist ihr andauernder Wechsel eines ihrer größten Vorteile: einmal wechseln die Musiker an den Instrumenten durch, dann folgt eine leichte Indie-Poprock-Nummer auf mächtigen Hard Rock mit Metal-Riffs. Gesteigert wird das Ganze dann nur noch mit dem discohaften „Ich tanze mit mir allein“, das erschreckend gut im Live-Geschehen funktioniert. Allgemein ist die Setlist stimmig, sieht man mal über das unsägliche „Love Is A Killer“ hinweg, das die gesamte Tour bisher zum Glück ausgesetzt hat und genau in München wiederkehren musste. Dann lieber Klassiker wie „Vielleicht“ oder „Goodbye Logik“, ggf. auch neueres wie „Macht euch laut“, welche allesamt den variierenden Platz bereits erhalten haben. Dennoch: es funktioniert.

Satte 120 Minuten spielen sich die drei Brüder mit ihren Familien- und Freundesanhang, der die Anzahl noch einmal verdoppelt, durch ihre Diskografie, auch mit dem wunderbaren Duett „So cool bist du nicht“, für das Tastenspielerin Lisa Who endlich einmal ans Mikrofon darf. Jedes Mal eines der absoluten Highlights – nur umso schöner, wenn man weiß, dass Lisa und Sänger Sebastian auch abseits der Bühne ein Paar sind. Direkt danach hat sich das Münchner Publikum allerdings vorweihnachtlich selbst übertroffen, in dem es selbst- und fast vollständig in die Hocke gegangen ist, ohne jegliche Ansage der Band. Die Musiker kontern belustigt und schießen ein kurzes „Smells Like Teen Spirit“-Cover hinterher. Es ist überraschend, wie gut Madsen in einer größeren Halle funktionieren – wohl aber auch, da die TonHalle noch im Rahmen einer Größenordnung ist, die etwas Publikumskontakt erlaubt. Im Vergleich zum 2015er-Konzert im Backstage Werk mussten bereits einige Abstriche gemacht werden, aber keine, die das Konzerterlebnis massiv beeinträchtigen. Madsen im Zenith dürfte allerdings ein schwieriges Unterfangen werden – bitte erst einmal in der TonHalle bleiben, Jungs! Ihr macht das schon gut so.

Setlist: Wenn es einfach passiert / Sirenen / Mit dem Moped nach Madrid / Rückenwind / Nachtbaden / 1000 und 1 Nacht (Klaus Lage Cover) / Kein Mann für eine Nacht / Kapitän / Du schreibst Geschichte / Mein erstes Lied / So cool bist du nicht / Smells Like Teen Spirit (Nirvana Cover) / Kompass / Ich tanze mit mir allein / Love Is A Killer / Die PerfektionZugaben: Leuchttürme / Mein Herz bleibt hier / Lass die Musik an

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Bericht: Ludwig Stadler
Fotos: Thomas Steinbrunner