Klein, aber Oho – „Luisa Miller“ in der Pasinger Fabrik (Kritik)

Die Pasinger Fabrik, die sich stolz „Münchens kleinstes Opernhaus“ nennt, hat sich an Großes gewagt: „Luisa Miller“ von Giuseppe Verdi. Mit „Luisa Miller“ vertonte Verdi bereits zum dritten Mal ein Drama von Friedrich Schiller. Am 14. Juni 2018 feiert es auf der Bühne der Wagenhalle, unter der Regie von Marcus Everding, Premiere. Der Stoff der Verdi-Oper dürfte jedem aus der Schule bekannt sein, Schiller gab mit seinem „Kabale und Liebe“ dafür die Vorlage. Im Gegensatz zur Originalvorlage spielt Verdis Oper allerdings in Tirol.

© Stefan Weber

Das 10-köpfige Orchester, unter der musikalischen Leitung von Andreas Pascal Heinzmann, spielt die Musik bewegend und fehlerfrei. Tohru Iguchi betritt als Erster die Bühne, er spielt Miller am heutigen Abend. „Mit Eifersucht gebrandmarkt ist meine Seele“, singt er und schreitet empor.  Die Bühne ist zweigeteilt in einen Hauptraum links und einen Nebenraum rechts. Das Orchester sitzt mittig, was einen intimen, ja familiären Effekt auf die Zuschauer hat. Das Publikum ist der Oper so nah wie nie zuvor.

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Die Verdichtung des Stücks zum politisch-gesellschaftlichen Drama um Macht und Familie rückt die Liebe der bürgerlichen Luisa Miller, von Stacey Trenteseaux verkörpert, zum Adelssohn Rodolfo in ein tragisches Licht. Luisa erscheint im karierten Ballonkleid, die Haare zu strengen Seitenzöpfen geflochten, und den Rosenkranz herunter betend in der Pasinger Fabrik. „Oh Jesus, was wird geschehen?“, singt sie, als sich die Intrige in die Höhe schaukelt.

Die Väter der zwei Liebenden, Veteran Miller und Graf Walter (portraitiert von Igor Levitan) boykottieren jeder aus seinen ganz persönlichen Gründen die Heiratspläne ihrer Kinder. „Warum schuf Gott mir einen missratenen Sohn?“, ruft der Graf klagend-fragend in den Zuschauerraum. Der Intrigant Wurm, gespielt von Bernd Gebhardt, ist ein Vertrauter des Grafen, der Luisa für sich gewinnen möchte. Dieser hat aber nur seine eigenen Interessen im Sinn und so spinnt er eine Hinterlist, die Rodolfo an Luisas Liebe zu ihm zweifeln lässt.

© Stefan Weber

Jason Papowitz gibt den Rudolfo, mit gezücktem Revolver und blutendem Herzen. Sowieso geht es auf der Bühne der Pasinger Fabrik hitzig her. „Mit dem Preis seines Lebens wird er zahlen!“, schreit Wurm heraus. Nach einem diktierten Brief und aus Eifersucht vergifteten Getränken stürzt das 6-Personen-Stück in die Tragik hinab. Die Geliebte beteuert im Sterben ihre Liebe und die Wahrheit über die Kabale ist enthüllt.

Maria Margarethe Brunauer gibt die Herzogin Federica im himmelblauen Ballonkleid und auch sie muss Höllenqualen erleiden. Der Zuschauer fühlt diesen Schmerz, allein wegen der physischen Nähe mit den Charakteren, mit. Dass es uns erlaubt ist, dabei Bier zu trinken oder eine leckere Quiche zu verkosten, unterstützt die Tragik dieser Oper maßgeblich. Liebe Pasinger Fabrik, wir danken für den schönen Abend. Speis und Trank haben uns erfreut, aber musikalisch war es ein innerliches Blumenpflücken. Eine pfiffige Inszenierung auf kleinstem Raum. Gerne wieder!

Kritik: Carolina Felberbaum