100 Miles To Hell – Lucifer Rising Festival in der TonHalle (Festivalbericht)

2019 war ein spannendes Konzertjahr mit vielen Überraschungen, sowohl positiv als auch negativ. Den krönenden Abschluss des Konzertjahres gab es am 30. Dezember in der TonHalle München, und was für einer das war: Die Lucifer Rising-Festivaltour hat im Jahre 2019 ihr Debüt gefeiert und das gleich mit einem Silvester-würdigen Knall. Headliner ist des Abends sind Venom.

Die Pforten der Tonhalle öffnen sich ungewohnt früh: 18 Uhr Einlass und 18:30 Uhr startet schon die erste Band, das umfangreiche Billing des Abends lässt einem aber auch keine andere Wahl: fünf Bands geben sich zum Jahresende die Ehre und zelebrieren gemeinsam eine fast schon diabolische Messe. Allen voran ist die Band Deathrite, die mit ihrer Mixtur aus Blackened Thrash, Death und Black Metal heute mehr als überzeugt. Der frühe Auftritt tut der Stimmung nicht weh, offensichtlich hatten einige der Besucher die Band bereits auf dem Zettel und das zurecht. Eine knappe halbe Stunde reicht, um sich zur kleinen Newcomer-Überraschung des Abends zu mausern, ein guter Beginn ist hier schon gesichert.

Als nächstes spielen Wiegedood, die bereits ein gewisses Standing in der Black Metal Szene haben, allerdings heute am wenigsten in das an Geschwindigkeit orientierte Line-Up passen. Ein erster Pluspunkt: Sie orientieren sich am Abendprogramm und setzen eher auf ihre schnelleren Werke. Was dann folgt, hebt sich aber einfach zu sehr vom restlichen Programm ab und wirkt auf die Ur-Venom-Fans fast schon bizarr. Die typischen Depressive Black Metal angehauchten Vocals schneiden die gewohnt dicke Luft der TonHalle entzwei, sowohl vom Sound her als auch im übertragenen Sinne. Trotz sichtlicher Mühe wahrscheinlich die Verlierer des Abends.

Setlist: Ontzieling / Prowl / De Doden Hebben Het Goed II / Parool

Ganz im Gegenteil dazu stehen Midnight – die Black’n’Roll Sensation der letzten Jahre konnte während der Festivalsaison diesen Jahres bereits überzeugen. Mit ihrer Mischung aus rotzigem Thrash und Black Metal treffen sie vor Venom natürlich den Nagel auf den Kopf und heizen der TonHalle ordentlich ein. Authentisch mit Kapuzenmasken und mit Patronengürteln behängt, liefern sie schnörkellosen Metal ohne großartige Ansagen oder sonstigen Unfug. Recht viel mehr gibt es zu Midnight eigentlich auch nicht zu sagen, ein musikalischer Faustschlag.

Setlist: Vomit Queens / Poison Trash / All Hail Hell / Satanic Royalty / Rebirth By Blasphemy / Lust Filth And Sleaze / Violence On Violence / Prowling Leather / Evil Like A Knife / You Can’t Stop Steel / Unholy And Rotten

Im Kontrast dazu – das Programm ist bunt gemischt – gibt es mit Dark Funeral einen dafür umso schnörkeligeren Mini-Headliner. Die alteingesessenen Black Metal-Heroen spalten mit ihren Outfits und ihrem nicht zwingend klassischen Sound oft die Gemüter der Black Metal Fans, wobei es eigentlich keine Band gibt, die das streng genommen nicht tut. Im Vorfeld der Veranstaltung hat man allerdings fast mehr Fans mit Dark Funeral-Merchandise gesehen als mit Merchandise des eigentlichen Headliners Venom, daher ist die Stimmung schon einmal sehr positiv. Soundtechnisch gibt es wohl den härtesten Klang des Abends: Die Double-Bass wird mit Hochdruck auf höchstmöglicher Geschwindigkeit abgefeuert und das Tempo nimmt bis zum letzten Ton nicht ab. Ein einziges Brett sichert der bereits vierten Band des Abends lauten Applaus.

Setlist: Unchain My Soul / The Arrival Of Satan’s Empire / Temple Of Ahriman / The Secrets Of The Black Arts / As I Ascend / Open The Gates / My Funeral / Nail Them To The Cross / Where Shadows Forever Reign

Nun ist es aber Zeit für den eigentlichen Headliner des Abends: Venom! Die Thrash Metal-Legenden und Namensgeber des Black Metal haben sich ihren Kultstatus redlich verdient. Laut Internet liegt der letzte Auftritt der Band in München bereits fast 30 Jahre zurück; ein seltener, aber gern gesehener Gast, denn mittlerweile ist die TonHalle trotz des ungünstigen Datums gut gefüllt. Die erste Überraschung gibt es gleich am Anfang, denn ihre erfolgreichste Nummer „Black Metal“ gibt es gleich als Eröffnung. Was folgt ist ein Best Of-Set, das eigentlich kaum einen Wunsch offen lässt. Klassiker wie „Don’t Burn the Witch“ , „Countess Bathory“ und sogar „In League With Satan” werden mit Unterstützung von Flammen, Explosionen und einem etwa stimmstarken Publikumschor zum Besten gegeben. Bis kurz vor Mitternacht gibt es die volle Ladung Venom und die ist vor allem eins: LAUT.

Setlist: Black Metal / Bring Out Your Dead / 100 Miles To Hell / Bloodlust / The Death Of Rock’n’Roll / Long Haired Punks / Pedal To The Metal / Don’t Burn The Witch / In Nomine Satanas / Welcome To Hell / Countess Bathory / Suffering Dictates / Dark Night (Of The Soul) / The Evil One / WarheadZugabe: In League With Satan

Zum Schluss bleibt nur zu sagen: Besser kann man als Fan von lauter und schneller Musik eigentlich nicht ins neue Jahr rutschen. Ein Abend wie das Jahr selbst, voller turbulenter Höhen und Tiefen. Subjektiv wünschen wir uns, dass das Format nächstes Jahr wiederkehrt – objektiv stellt sich die Frage, wie man an dieses Line-Up anknüpfen oder es gar toppen soll.

Bericht: Luka Schwarzlose