Lloranas Fluch – Filmkritik

(1,5 / 5)

© Warner Bros. Pictures Germany

 

Regisseur: Michael Chaves

Genre: Horror

Produktionsland: USA

Kinostart: 18. April 2019

Laufzeit: 1 Std. 34 Min.

 

Der „Conjuring“-Filmkosmos unter der Schirmherrschaft von Horror-Genius James Wan („Saw“) streckt seit 2013 langsam aber sicher seine Fühler aus. Neben der Hauptreihe haben mittlerweile auch die Spin-Offs „Annabelle“ und „The Nun“ Einzug in die Kinosäle gehalten. Mit „Lloranas Fluch“ folgt nun, unter der Regie von Michael Chaves (welcher übrigens ebenso für „Conjuring 3“ verantwortlich sein wird), eine weitere Horrorgestalt in das etablierte Gruselversum – auch wenn der Zusammenhang zur Hauptreihe im Film selbst eigentlich völlig belanglos bleibt. Franchise-Marketing vom Feinsten eben. Bleibt nur die Frage: Kann der Streifen auch für sich alleine stehen oder bleibt er im Schatten seiner Vorgänger zurück?

Das 17. Jahrhundert in Mexiko: Eine Mutter namens Llorana (Marisol Ramirez) wird von ihrem Ehemann betrogen, weshalb sie in einem Rache-Wutanfall die zwei gemeinsamen Kinder ertränkt. Geplagt von Schuldgefühlen durchstreift sie fortan als Gespenst das Land, um nach Kindern zu suchen, welche den Platz ihrer Sprösslinge einnehmen (oder so?). Wir spulen ein paar Jahrhunderte vor: Die Witwe Anna Tate-Garcia (Linda Cardellini) und deren beide Söhne werden zum neuesten Opfer der Heimsuchung. Doch zum Glück bekommen sie Hilfe vom Ex-Priester und unorthodoxen Exorzisten Rafael Olvera (Raymond Cruz), um den bösen Geist ein für alle mal zu vertreiben…

© Warner Bros. Pictures Germany

Bereits die Inhaltsangabe klingt generisch und das Werk hilft mit seinen ersten Minuten auch nicht gerade dabei, dieses gar nicht so vorschnell getroffene Urteil zu beseitigen: Mit einem hektischen ‚Feelgood-Oneshot‘, wie direkt aus einer B-Movie ‚Rom-Com‘ entsprungen, werden wir in den täglichen Morgenstress der kleinen Familie eingeführt. Leider schon zig Male gesehen – genauso wie der tragische Verlust des allseits geliebten Polizisten-Daddys, der immer noch als glänzendes Idol der Kinder hinhält. Im Zentrum der Traurigkeit steht die alleinerziehende Mutter, welche neben der Arbeit beim Jugendamt, ebenjene gebrochene Familie zusammenzuhalten versucht. Mehr Charakterausbau wird leider nicht betrieben, denn es geht schnell los mit den Horror-Tropen: Wenn Llorana erst einmal in Fahrt kommt, packt sie zwischen flackernden Lichtern und schräg hängenden („The Grudge“-)Köpfen alles aus, was der Fast-Food Horror-Fan so zu begehren glaubt. Leider erweist sich dies als lange nicht halb so nervenaufreibend, wie die ständigen ‚Jump-Scares‘ nervig sind. Nach kurzer Zeit beginnt man die Muster zu erkennen – und wartet nur noch gereizt auf das nächste Mal, wenn der Dämon plötzlich hinter jemandem erscheint und lauthals aufschreit. Spaß macht das schnell nicht mehr.

© Warner Bros. Pictures Germany

Auch wenn Linda Cardellini als Protagonistin Anna sehr glaubwürdig die immer verstörte, aber mutige Mutter mimt, so wird ihr vom Drehbuch im Gegenzug nicht gerade viel Raum zur psychologischen Entfaltung geschenkt – sogar das ‚angeteaserte‘ Familien-Trauma entpuppt sich als völlig irrelevant für die Reise. Und die anderen Figuren trifft diese Drehbuch-Schwäche nur umso härter: Sie verblassen in vollkommene Belanglosigkeit und folgen haarsträubenden Motivationen in ihrem Handeln. Ein Horrorfilm, bei welchem man nicht viel Einsatz zur Empathie-Erzeugung für seine Figuren verspürt – warum sollte man also bei den Verfolgungsjagden um sie bangen? Selbst der als Comic-Relief intendierte Exorzist Rafael bleibt mit seinen ständigen, zu erzwungenen ‚One-Linern‘ relativ blass zurück und driftet mit der Verwendung von Rasseln und Eier-Wandmalerei zur Dämonenvertreibung gar in Lächerlichkeit ab. Nicht viel funktioniert, so wie es scheinbar soll – bisweilen ermüden einen die immer gleichen, mustergültigen Klischees nur noch. Der Betrachter bekommt weder blutrünstiges Geschnetzel, noch eine auch nur annähernd gruselige Geistergeschichte der alten Schule serviert. Lediglich die Kamera mit ihrem körnigen 70er Jahre ‚Look‘ und der gewitzte Schnitt wissen einigermaßen, was sie da tun – doch retten können sie dieses Schnarchkonzert auch nicht mehr. Leider ist schlicht und einfach zu wenig Motivation in jedem Departement zu spüren.

Fazit: Schon tausend mal gesehen – und das auch tausend mal besser. Ein Horrorfilm ohne Horror. Ein Gruselfilm ohne Grusel. Eine Geschichte ohne dramatischen Reiz. Reden wir also nicht um den heißen Brei herum. Prädikat: Unnötig.

(1,5 / 5)