Nevermind – Leoniden im Technikum (Konzertbericht)

I lose my way, I lose my mind, I lose myself a million times. Oh, myself a million times, where am I?  Mit diesen und vielen weiteren Aussagen in ihren Songs sprechen die Kieler Band Leoniden ihren Fans aus der Seele. Kein Wunder also, dass die Karten für ihre aktuelle Tour Kids Will Unite  in den meisten Städten ausverkauft sind. Die vergangenen zwei Jahre haben die Leoniden einen wahren Höhenflug hingelegt und können durchaus als eine der fleißigsten Bands Deutschlands bezeichnet werden. Sie überlassen nichts dem Zufall: Oft gäbe es von einem Song über hundert (!) Versionen und zahlreiche Streitereien, bis sich die Musiker auf eine Variante einigen können, sagte Sänger Jakob Amr in einem Interview. Der Perfektionismus und harte Arbeit lohnen sich! Zwei umjubelte Alben, der New Music Award 2017 als beste Newcomerband und ausverkaufte Konzerthallen sind der Beweis. Auch in München musste das Konzert nach kurzer Zeit vom Hansa 39 in das Technikum hochverlegt werden – und selbst das war sofort ausverkauft.

© Constantin Festløve

Der Abend des 24. Februars 2019 beginnt ärgerlicherweise mit einem Kommunikationsfehler. Über diverse Kanäle wurde 19:00 Uhr als Einlasszeit bekannt gegeben. Leider beginnt dieser aber erst um 20:00 Uhr und so steht fast das gesamte Publikum eine Stunde vor dem Technikum in der Kälte. Um 21:00 Uhr beginnt die Vorband Monako dann mit ihrem Set. Die fünf Bandmitglieder des Kollektivs stammen aus Kanada und Hamburg. Ihre erste EP „Monako“ haben sie im vergangenen Dezember veröffentlicht. Während des gesamten Auftritts bekommt man als Zuschauer das Gefühl, dass die Bandmitglieder in ihrer ganz eigenen Welt leben. Tief versunken in ihre Musik stehen und tanzen sie auf der Bühne wie für sich selbst und nehmen nur wenig Kontakt zum Publikum auf. Was ihnen an aktiver Bühnenpräsenz in manchen Momenten fehlt, machen sie musikalisch wieder wett. Ihr Sound könnte wohl als melancholischer Indie-Rock bezeichnet werden. Ihre Songs erzeugen eine dichte träumerische Atmosphäre, auf die man sich als Zuhörer einlassen muss. Tut man das, taucht man tief in die Musik ein. Nach 30 Minuten ist die Band am Ende ihres Sets angelangt. Kaum ist der letzte Ton verklungen, wirken die Bandmitglieder gelöst und liegen sich lachend in den Armen. Der laute Applaus des Publikums ist die Bestätigung: Monako sollte man im Hinterkopf behalten.

Setlist: Breathe Again / Strong / A Fiction / Stay Close / HHXMTL / Spring

Um 22:00 Uhr betreten Leoniden unter großem Jubel die Bühne. Von Anfang an wird deutlich, dass die fünf Jungs aus Kiel ein Team sind. Auch wenn es immer Leadsänger Jakob Amr ist, der sich mit Ansagen ans Publikum wendet, stehen alle Bandmitglieder präsent und gleichberechtigt auf der Bühne. Ab dem ersten Song des Abends Colorless  spürt man die Power der Indie-Rock-Band. Während Amr mit seinem energiegeladenen Gesang durchweg überzeugt, beeindrucken Gitarrist Lennart Eicke und Synthesizerspieler Djamin Izadi neben ihren instrumentellen Leistungen auch mit ihren fast schon exzessiven Tanzeinlagen. Die Leoniden geben alles! Und die Fans tanzen, singen jedes Wort textsicher mit und genießen den Abend.  Als Zuschauer könnte man fast glauben, dass dort Freunde auf der Bühne stehen, mit denen man nach der Show noch ein Bier trinken gehen kann. Die Indie-Rock-Band ist einfach durchweg sympathisch.

© Robin Hinsch

Neben der mitreißenden Musik fallen vor allem die lässigen und unterhaltsamen Ansagen von Frontmann Amr auf. Er beweist Spontanität im Umgang mit dem Publikum und erzeugt so eine sehr nahbare und freundschaftliche Atmosphäre. So philosophiert er etwa darüber, ob es wohl mehr Spaß macht, wenn das Publikum auf seine Fragen mit Ja, Mann!“ oder Jawoll, Alter  antwortet. (Nach einer Abstimmung mit den Fans stellt sich übrigens heraus: es ist Jawoll, Alter) Obwohl München nur einer von über 50 Stopps auf ihrer aktuellen langen Tour ist, schaffen die Musiker es, durch die Interaktivität mit dem Publikum aus einem normalen Konzert ein besonderes Erlebnis zu machen.

Bei der Zugabe erreicht die Stimmung dann nochmal ihren Höhepunkt. Macht nochmal Applaus für den Laden. Den müssen wir jetzt leider abreißen., kündigt Sänger Jakob Amr an. Sowohl die Band als auch das Publikum geben jetzt nochmal alles. Es bilden sich Moshpits, überall sieht man erhitzte Gesichter und Amr selbst performt inmitten des Publikums, bevor er sich schließlich auf den Händen seiner Fans zurück zur Bühne tragen lässt. Beim letzten Song des Abends Sisters  explodiert dann noch eine Konfettikanone, bevor das Spektakel schließlich ein Ende findet.

Es gibt Konzerterinnerungen, die bleiben – diese dürfte eine von ihnen sein!

Wer die Leoniden dieses Mal verpasst hat, bekommt noch eine Chance: Die fünf Jungs treten im Sommer auf dem Puls Open Air auf.

Setlist:  Colorless / Two Peace Signs / Iron Tusk / Why / 1990 / Not Enough / The Tired / Slow / Down The Line / People / River / Hotline Bling (Drake cover) / Alone / Kids – Zugaben:  Storm / Nevermind / Sisters