Mean, Green, Killing Machine – Overkill & Destruction im Backstage (Konzertbericht)

Am Sonntag waren Overkill erneut mit ihrer Killfest Tour in München. Diesmal war das Line Up des Abends so stark, dass sie das Konzert kurzerhand von der Halle in das deutlich größere Backstage Werk verlegt haben. Mit Chronosphere, Flotsam & Jetsam und den Teutonen-Thrash-Legenden Destruction haben sich Overkill auch wirklich große Kaliber eingeladen, die sich vor den Großen wie dem MTV Headbangersball nicht verstecken müssen.

Der Abend beginnt erst einmal ein wenig mühsam, denn mit der Verlegung in das Werk haben sich wohl auch die Einlasszeiten um eine halbe Stunde nach hinten verschoben, nur wurde das im Vorfeld keinem mitgeteilt. Das Resultat: Um Punkt 18 Uhr staut es sich bereits vor dem Eingang und eine frierende Schlange bildet sich im Windkanal des Backstage.

Direkt nach dem Einlass füllt sich das Werk auch schon ein gutes Stück, sehr zur Freude der ersten Band Chronosphere, die offensichtlich für die ursprünglich angekündigte Band Meshiaak eingesprungen sind. Eine Meldung dazu, warum Meshiaak nicht mehr auf dem Billing standen, ließ sich nicht finden. Leider erwischt es die Griechen von Chronosphere gleich zu Anfang richtig: Erst verzögert sich der Start ihres Sets nach technischen Schwierigkeiten und dann fällt dem Frontmann direkt nach dem ersten Song endgültig der Sound seiner Gitarre weg. Irritiert, aber unbeirrt entledigt er sich schnell seiner Axt und mutiert zum reinen Sänger. So sieht souveräne Problembewältigung aus, Chronosphere spielen die technischen Schwierigkeiten einfach an die Wand und wirken durch den Ausfall sogar noch motivierter dem Publikum einzuheizen. Entsprechend dünn ist an vielen Stellen der Sound, der natürlich auf zwei Gitarren ausgelegt ist, daher kann man heute nur erahnen, was für eine solide Dampfwalze hier aufgefahren wäre.

Als nächstes starten die Altmeister von Flotsam & Jetsam ins Rennen. Mit ihrem progressiven Thrash verdrehen sie dem Publikum wortwörtlich die Köpfe, die meisten sind es nicht gewohnt zu ungeraden Taktzahlen zu headbangen, aber mit ihrem technik-lastigem Sound ergänzen sie das Billing hervorragend. Einmal querfeldein durch die Diskografie und zurück scheint das Motto des Abends zu sein, sehr zur Freude des immer voller werdenden Werks. Auch auf der Bühne macht sich gute Laune breit und spätestens zu Demolition Man hält kein Kopf mehr still, dabei sind wir gerade erst bei der zweiten Band des Abends angelangt.

Jetzt wird es Zeit für den härtesten Act des Abends, denn es ist Zeit für Destruction! Der Name ist Programm und ohne großes Hin und Her gibt mit Curse the Gods gleich richtig etwas hinter die Ohren. Doch irgendetwas hat sich doch verändert? Richtig, Destruction ziehen bei der Mitgliederzahl wieder mit Sodom gleich und haben ebenfalls einen vierten Mann an der Gitarre verpflichtet, der auch direkt zeigen darf was er kann und das ist einiges. Destruction waren zu dritt live schon immer eine Macht, aber die neue Konstellation eröffnet natürlich auch viele neue Möglichkeiten und zieht den Sound noch mehr in die Breite. Ventilatoren braucht die Band auf der Bühne eigentlich nicht, das übernehmen die kreisenden Köpfe der ersten Reihen, während in den Gefilden dahinter schon fleißig Bewegung in die Masse gebracht wird. Destruction werden ihrem Namen einmal mehr gerecht und zerlegen mit abwechslungsreicher Setlist die Bühne.

Natürlich fehlt noch der Headliner, der der Tour ihren Namen gibt: Overkill! Die Truppe um Bobby Blitz macht von der ersten Sekunde an keine Gefangenen, es folgt Schlag auf Schlag ein Bombardement an schnellen Riffs gepaart mit Blitz‘ schriller Stimme. Seit fast 40 Jahren gelten Overkill als feste Instanz der Thrash und Speed Metal Szene und das zurecht, denn sie schaffen die Balance zwischen Erfolg und Selbstverwirklichung. Auch mit ihrem neuen Album haben sie wieder genau den Nerv getroffen und das produziert was die treuen Anhänger wollen und noch viel wichtiger: Was sie selbst wollen. Auch hier gibt es neben den neuen Songs eine absolute Zeitreise durch die Epochen des Thrash, trotz des breiten Katalogs und der durch die länge des Abends doch verständlicherweise etwas kurzen Setlist bleiben kaum Wünsche offen. Die einzige Frage die sich viele stellen ist, was Bobby Blitz eigentlich treibt, der teilweise mehr hinter der Bühne als auf ihr zu finden ist.

Alles in allem ein Abend, den man als Thrash Fan eigentlich nicht verpassen darf und doch auch irgendwie das, was man erwartet hat. Keine der Bands ist für weniger als solide Auftritte bekannt, jeder weiß, dass Destruction, egal wo sie im Billing stehen, immer ein geheimer Headliner sind und Overkills Schema-F-Performance ausreicht, um die meisten Bands alt aussehen zu lassen. Umso schöner ist es dann zu sehen, dass diese seltenen Top-Touren auch wirklich wahrgenommen werden, immerhin wurde die Show sogar hochverlegt. Jetzt heißt es abwarten, was Overkill sich für die nächste Killfest-Tour einfallen lassen!

Bericht: Luka Schwarzlose