Generationskonflikt – Kafvka im Milla (Konzertbericht)

Ein sanfter Luftzug geht umher, während man das schöne Wetter in München genießen kann, direkt auf der gemütlichen Parkbank in der Holzstraße, direkt vor dem Milla Club. Wie gut, dass Münchens schönste kleine Location (konkurrenzlos!) an so einem Tag ein wunderbares Konzert einer der wichtigsten Bands Deutschlands zu bieten hat: Kafvka. Die Berliner sind auf Deutschland-Tour mit ihrem aktuellen Album „2084“ und halten hierzu zum Abschluss am 15. Juni 2018 in der bayerischen Landeshauptstadt. Wer sich ernsthaft mit der Musik auseinandersetzt, wird bereits schnell merken, dass die Themen und die Direktheit sich wenig mit schönem Wetter und Nichtstun beschäftigen – und dennoch wichtiger denn je sind!

® Janice Mersiovsky

Als Support starten aber erst einmal Megazwei um etwa 20:10 Uhr. Das Mainzer Rock-Kollektiv hat bereits Unheilig auf ihrer Abschiedstour 2016 supportet und darf nun Kafvka auf ihrer Tour begleiten. Ganze sechs Mann müssen sich auf der Milla-Bühne irgendwie verteilen, kurzerhand werden auch Musiker auf die Treppe verteilt. Die Jungs bieten ein Sammelsurium an Rock, Punk, ein wenig Hip-Hop und textlich einer massiven Portion Party und sentimentaler Rückblick. Vielleicht ist auch genau das der Grund, dass es bis zum vorletzten Song „Blackout“ dauert, dass richtig Stimmung aufkommt – die Musik ist zu wenig mitreißend, die Texte zu belanglos. Dennoch: die Performance ist geprägt von Spaß und Motivation, auch wenn die noch sehr wenigen Leute lieber stillstehen. So erfüllen die 30 Minuten absolut den Sinn eines Support-Acts und lassen mit „Adrenalin“ ein solides Einheizer-Set schließen.

Setlist: Weit weg / Nacht der Nächte / Kontraste / Generation Megafon / Die Stadt / Bengalos / Blackout / Adrenalin

Eine doch relativ lange Umbaupause lässt den Headliner des Abends um Punkt 21:13 Uhr auf die Bühne schreiten und mit „Hallo Welt“ dementsprechend ihren Einstand feiern: Kafvka. Und das Feiern wird wörtlich genommen: ein tobender Moshpit bildet sich, bleibt bis zum Ende bestehen und das äußerst aktiv. Kein Wunder bei der Musik: irgendwie klingt das alles ein wenig wie Limp Bizkit auf Deutsch und mit gehaltvollen Texten. Mindestens wird aber das Mitreißende in der Musik übernommen, denn Songs wie „Wi-Fi“, „#LadyGaGaSeinSohn“ und „Zukunftsmusik“ knallen recht ordentlich aus den Boxen und stacheln das Publikum nur noch mehr an.

Das, was Kafvka am meisten aber ausmacht: dass sie etwas zu sagen haben! „Linksgrünversiffte Gutmenschen“ würden die Gegner brüllen – und herrje, wenn man das als Marke mit sich tragen muss, dann sind sie das wohl auch sehr gerne. Textlich schlagen sie eine Bandbreite über Flüchtlingskrise, Generationenkonflikte, Handysucht und dabei aber auch einfach die politische Situation im Allgemeinen. Sowohl die Fake-Hipster und die Internet-Generation bekommt eine Ansage als auch die Uninformierten, die Politisch-Desinteressierten. Mit „Fick dein Volk“ gibt es zudem die ultimative Konfrontation gegen AfD, Pegida und CSU (Anm.: Was, du nennst die CSU in einem Atemzug mit AfD und Pegida? – Ja.), die auch den Abend vor zwei letzten Zugaben schließt welche wiederum nach 75 Minuten Dauerfeuer das Konzert beenden. Klar, es ist immer die Frage, ob es nützt, die Musik mit derartigen Aussagen vor Gleichgesinnten vorzutragen (wie es ja hier der Fall ist), aber spätestens bei den Festivals mit gemischten Publikum können die Songs auch ihren wahren Wert entfalten: von allen Gruppen gehört zu werden.

Am Folgetag des Kafvka-Konzerts spielt Andreas Gabalier im Olympiastadion. Ausverkauft, seit letztem Herbst. Über 70.000 Menschen werden hierzu kommen, eine irrsinnige Zahl. Selbst wenn Gabalier als Mensch nicht unsympathisch ist, vertritt er eine konservative, fast schon etwas rechts angehauchte, politische Einstellung, die er nach außen trägt – und dafür gefeiert wird. Bei Kafvka kommen bei gegenteiliger, politischer Meinung 0,1% der Menschen, die ins Olympiastadion gehen. Diese Entwicklung ist bezeichnend. Keine Frage, Vertreter wie Feine Sahne Fischfilet oder auch einfach der Dauerbrenner, Die Toten Hosen, beweisen noch das Gegenteil. Dennoch sieht es düster aus, bemerkt man, dass der Andrang bei Konzerte sich auch auf die Wahlergebnisse auswirkt. Bleibt dran, Kafvka! Und niemals aufgeben. Es ist viel zu wichtig, was ihr zu sagen habt.

Setlist: Hallo Welt / Chip im Kopf / Lampedusa / Geiler Punk / Generationskonflikt / Wi-Fi / #LadyGagaSeinSohn / Batikhose / Egal was passiert / Paranoia im Paradies / 2018 / Zukunftsmusik / Satt geboren / Rauch-Haus-Song / Berlin, Berlin / Utopie / Fick dein VolkZugaben: 2018 (Katana Remix) / Scheiss auf Koks

Bericht: Ludwig Stadler