Neue Freunde – Käptn Peng & die Tentakel von Delphi im Ampere (Konzertbericht)

Er ist der vielleicht seit Jahren aufstrebende Wortakrobat am Deutschrap-Himmel: Käptn Peng. Angefangen mit Bruder Shaban, ist der Hip-Hopper mittlerweile ein reinster Genre-Wanderer und spielt von Jazz bis Rock alle Stile mit seiner Band „Die Tentakel von Delphi“. 2017 erschien das aktuelle Album „Das nullte Kapitel“, welches mehr als euphorisch angenommen wurde und die Band bereits den dritten Sommer damit bespielen lässt. Neben all den Festivals statten sie München auch einen kurzen Besuch ab. Und eben weil es so eine kleine eingeschobene Show ist, wäre doch eine Clubshow viel reizvoller? Gesagt, getan – das Ampere im Muffatwerk ist rasend schnell ausverkauft, die glücklichen Kartenbesitzer am 29. Juli 2019 großer Vorfreude vor der Bühne stehend.

© Matthias Popp

Eine Vorband? Braucht es nicht – Käptn Peng & die Tentakel von Delphi beginnen ungeniert um 20:40 Uhr mit „Pförtner“ und lassen es ruhig und atmosphärisch angehen mit einzig beleuchteten Gesichtern. Der Rapper mit seinen vier Musiker bei den Tentakeln setzt die Zeichen heute deutlich auf Raritäten und eine relativ rockige Setlist – Klassiker wie „Spiegelkabinett“ und „ABCDEFGHAIJKLMNOPQRSTUVWXYZ“ weichen selten bis noch nie gehörten Songs wie „Oha“ und „Champagner & Schnittchen“. Selbst das erst wenige Tage zuvor veröffentlichte „Lass doch der Jugend ihren Lauf“ findet seinen Weg in die Liederfolge – eine Aneinanderreihung von Fremdwörtern mit einem Volkslied-Refrain. Robert Gwisdek, wie der Käptn bürgerlich heißt, ist dabei deutlich in Bestform, stimmlich auf einem starken Level und zu vielen sympathischen Scherzen aufgelegt, die natürlich auch einmal maßlos im Blödsinn enden – darüber lacht er dann gerne auch mal, wenn er irgendwann von Freizügigkeit zur Steuerklärung gelangt. Das Münchner Publikum jubelt.

© Andie Welskop

Dabei ist die Devise überhaupt nicht, die Menge nach der Stadt oder Örtlichkeit zu benennen – die Tentakel entscheiden sich für zufällig reingerufene Namen, was zu einer gendergerechten Betitelung von Thomas-Lisa führt. Ob so viel Irrsinns kann man sich durchaus fragen, ob das nun absoluter Nonsens ohne Konsens ist – aber spätestens Lieder wie „Gelernt“ und „Sockophobie“ tragen so starke Aussagen in sich, dass die Genialität der Musik weit über reine Persiflage und dem Klamauk hinausgeht. Highlight definitiv allerdings auch das kürzeste Gedicht Pengs: „Jetzt im Olivenhain Olive sein.“ Inspirierend. Natürlich gibt es auch mittig wieder einen kurzen Shaban feat. Käptn Peng-Block – dieses Mal mit den fast schon vergessenen „Sein Name sei Peng“ und „Von Form zu Form“. Nach unglaublichen 135 Minuten und einer absolut erledigten Menge im schwitzigen Ampere fällt mit „Tier“ der imaginäre Vorhang. Großer und langer Applaus. „Wir waren vor sechs Jahren schon mal hier, da war es nicht geil“, sagt Peng ironisch, wechselt dann aber zum Ernsten. „Aber heute, heute war es wirklich schön.“

Setlist: Pförtner / Neue Freunde / Backpfeifenernte auf dem Alphabeet / Parantatatam / WobWobWob / Im Labyrinth / Tango im Treibsand / Meister und Idioten / Sein Name sei Peng / Von Form zu Form / Lass doch der Jugend ihren Lauf / Der Anfang ist nah / Oha / Todesbossa / MC HomoSapiensSapiens / Gelernt / Sie mögen sich / SockophobieZugaben: Champagner & Schnittchen / Tier

Bericht: Ludwig Stadler