Johnny English – Man lebt nur dreimal – Filmkritik

(2,5 / 5)

© Universal Pictures

 

 

Regisseur/in: David Kerr

Genre: Komödie

Produktionsland: UK

Kinostart: 18. Oktober 2018

Laufzeit: 1 Std. 29 Min.

 

 

 

Rowan Atkinson lebt noch? Tatsächlich, doch auf der Leinwand zu sehen war er das letzte Mal vor sage und schreibe sieben Jahren mit dem direkten Vorgänger „Johnny English – Jetzt erst recht!“. Etwas muss den, früher als Großmeister des britischen Humors zelebrierten, „Mr.Bean“-Darsteller also an „Johnny English – Man lebt nur dreimal“ gereizt und zu einer weiteren Schandtat bewogen haben. Womöglich ist es aber auch einfach nur die Tatsache, dass im Endeffekt alles schön beim Alten geblieben ist…

Als ein rätselhafter Hacker eines Tages sämtliche Identitäten britischer Spione aufdeckt, bleibt der Premierministerin (Emma Thompson) nichts anderes übrig, als den schusseligen Ex-Geheimagenten Johnny English (Rowan Atkinson) zu reaktivieren – der durch sein geringes Verständnis für die digitale Welt keine entsprechenden Geräte besitzt und somit auch nicht vom Cyberangriff betroffen ist. Zusammen mit seinem alten Partner Bough (Ben Miller) macht er sich auf die gefährliche Mission, den Unbekannten zur Rechenschaft zu ziehen. Neben seiner eigenen Unfähigkeit macht ihm unter anderem auch die mysteriöse Ophelia (Olga Kurylenko) ordentlich zu schaffen, deren Ambitionen für ihn zunächst nicht ersichtlich ist…

© Universal Pictures

Nach der Vollkatastrophe „Johnny English – Jetzt erst recht!“ könnte man annehmen, eventuell eine Generalüberholung würde der ‚Comedy‘-Agentensaga gut tun – und zunächst scheint dies auch die Intention der Verantwortlichen gewesen zu sein, schließlich baut das gesamte Handlungsgerüst des Films auf der Reibung zwischen dem ‚oldschool‘-Agententum und einer progressiven Gegenwart auf. Auf der einen Seite der Gegenspieler Jason Volta (Jake Lacy), der mustergültige, ‚Tech‘-süchtige Jungspund, welcher ununterbrochen am futuristischen Smartphone herum tippelt – auf der anderen wiederum Johnny English, welcher sich vehement weigert, auch nur in ein vom Geheimdienst gestelltes Elektroauto einzusteigen. Dieser Kontrast ist allgegenwärtiges Thema und versucht jede ach so kleine zeitgemäße Pop-Kultur-Referenz unterzubringen: So spielt der unaufmerksame Wachmann „Temple Run“ auf dem Handy oder ein 3D-Drucker erzeugt kurzerhand eine Plastik-Pistole. Manchmal funktionieren die Pointen überraschend gut (eine lange Virtual-Reality-Sequenz ist wohl das Highlight), manchmal sind sie eher ein trauriger Schuss in den Ofen (fruchtlose Kardashians-Erwähnung für den Zeitgeist).

© Universal Pictures

Die Ironie von „Johnny English – Jetzt erst recht!“ ist, dass er durch Thematisierung von Automatikgetrieben und Hologramm-Bildschirmen glaubt, auf den Zahn der Zeit zu fühlen. Doch tatsächlich ist dieser kindlich oberflächliche ‚oldschool-newschool‘-Konflikt an sich bereits genauso ‚oldschool‘ wie die vielen seichten Schelmenstücke einer lange vergangenen Zeit. Komödiantisch bewegen wir uns durchgehend in Gefilden zwischen ‚Dad‘-Jokes (bei welchen man trotzdem lacht, eben weil sie so dämlich sind), überspitztem Slapstick und sich ständig selbst die Pointe vorwegnehmendem ‚Alles-unter-Kontrolle‘-Klamauk. Es entwickelt sich ein fortlaufendes hin und her zwischen ‚Facepalm‘-Momenten und tatsächlich guter Unterhaltung – und man beginnt sich zu fragen: Ist dieser Film schlicht und einfach allein für den Nostalgie-Faktor im Jahre 2002 stecken geblieben? Atkinson jedenfalls verzerrt und verdreht sein weltbekanntes Antlitz in gewohnt mimischem Eskapismus und sorgt zusammen mit dem rasanten Szenentempo dafür, dass der eineinhalbstündige Schabernack im Handumdrehen verfliegt. Wenn dessen Alter-Ego English mal eben aus Versehen ein paar Agenten-Kollegen mit einer Granate außer Gefecht setzt oder ein Restaurant in Schutt und Asche legt, ist das immer noch urkomisch – ein wenig mehr zynischer Mut hätte dem Erlebnis jedoch sicherlich keinen Abstrich getan (in einer Sequenz steckt English aus Versehen ein fremdes Handy ein und spielt vor versammelter Mannschaft deswegen das falsche Video ab – und alles, was den kreativen Köpfen des Streifens an peinlichen Videos auf einem fremden Handy einfiel, war ein Kindergeburtstag. Chapeau!).

Fazit: Für Fans der ersten beiden Teile genau das Richtige. Für alle anderen ein um 15 Jahre verspätet erschienenes Relikt einer vorsintflutlichen Zeit.

(2,5 / 5)