The Blood Of The Kings – Joey DeMaio im Technikum (Kritik)

Joey DeMaio ist eine der kontroversesten Figuren des Heavy Metal. Mit Manowar eroberte er nicht nur die Heavy Metal Szene der späten 80er im Sturm, sondern eckt damals wie heute immer wieder (gerne) an. Auch zuletzt stieß er nicht zwingend nur auf Zuspruch, als er versucht hat, die Band Womanowar, eine All-Female Manowar Coverband, aus dem Verkehr zu ziehen. Bereits vor dem zweiten Teil der vermeintlichen Abschiedstournee von Manowar wurde die „The Blood of the Kings“ Spoken Word Tour angekündigt, doch was diese „noch nie gesehene Seite von Manowar“ ist, blieb bis zum heutigen Tage geheim.

Vor der eigentlichen Berichterstattung warnen wir vor möglichen kleineren Spoilern, verraten allerdings vom Inhalt des Programms nichts.

Das bestuhlte Technikum ist ein seltener Anblick, dabei ist die Location gerade für solche Events bestens geeignet. Der Beginn, der für 20 Uhr angesetzt war, wird erst einmal nach typischer Manowar-Manier um eine gute halbe Stunde nach hinten versetzt, denn um acht sind die VIP Ticket-Käufer dran, somit bleibt noch genug Zeit, sich einmal das mitgebrachte Merchandise anzusehen.  Sinnvollerweise gibt es natürlich, bis auf das passende Fotobuch zur Spoken Word Tour, nur Manowar-Merchandise zu erstehen, darunter das Tourshirt der vergangenen Manowar-Tour für 40€ statt wie noch auf der Tour 45€, ein wahres Schnäppchen.

Nun aber zum Programm: Kurz nach 20:30 Uhr betritt der Mann der Stunde vor gut gefülltem Saal die Bühne und das, nach eigener Aussage, komplett unvorbereitet, die gewohnte Manowar Bescheidenheit eben. Was nun für 2,5 Stunden folgt, zeigt, dass das natürlich eine kleine Flunkerei war. Wahr ist allerdings, dass eine ganz andere Seite von Manowar und vor allem von Joey selbst präsentiert wird. Sämtliches Manowar-Machogehabe wird konsequent beiseite gelegt und ein sympathischer, gar bescheidener Joey DeMaio berichtet nostalgisch über all den Spaß, die Rückschläge und Erfolge Manowars und seiner eigenen Person. Keine Spur vom erwarteten Narzismus ist zu finden, stattdessen steht hier jemand, der auch einmal über sich selbst lachen kann, das komplette Gegenteil der doch etwas voreingenommenen Erwartung. Gut vorbereitet zeigt er teilweise noch nie gesehene Bilder und Videos und erläutert die dazugehörigen Geschichten, gut gewählt und spannend erzählt. Das wirklich Spannende daran ist zu sehen, wie viel Show hinter der Persona DeMaio und Manowar eigentlich steckt. Regelmäßig stellt er sich auch zwischengerufenen Fragen der Fans und führt sein Programm höflich fort.

Am Ende angekommen stellt er sich nach fünfminütiger, wohlverdienter Verschnaufpause weiteren Fragen, die die Gäste vor der Veranstaltung schriftlich an ihn stellen konnten. Hierbei hatte man erwartet, dass er sich die „angenehmsten“ herauspickt, aber weit gefehlt, fast das Gegenteil ist der Fall. In Gentleman-Manier beantwortet er Fragen zu Karl Logan, der vor Beginn der zweiten Abschiedstour seinen Gitarren-Posten wegen Anschuldigungen bezüglich Kinderpornografie räumen musste, bis hin zu ihrer doch sehr fragwürdigen Absage bei der diesjährigen Ausgabe des Hellfests in Frankreich. Einzig den Seitenhieb gegen das Rock Hard Magazin konnte er sich nicht verkneifen, dessen anwesenden Redakteur er in gewisser Weise zur Rede gestellt hat, aber auch hier respektvoll geblieben ist. Das Rock Hard hatte in der Vergangenheit nicht immer allzu freundlich über Manowar berichtet.

Was im Anschluss bleibt, ist eine gewisse Ungläubigkeit. War das der selbe Mann, der mit nackten Frauen auf dem Motorrad auf die Bühne gefahren kommt und regelmäßig mit Fans, Veranstaltern und der Presse Fede hält? Ja, und wie man heute gemerkt hat, kann Joey DeMaio auch anders, eine klare Empfehlung für Die-Hard Fans von Manowar und der Heavy Metal-Szene der 80er.

Kritik: Luka Schwarzlose