Drei auf einen Streich – „Il trittico“ in der Staatsoper

Was genau sich Giacomo Pucchini damals gedacht hat, als er drei Kurzopern komponiert hat und sie unter dem Deckmantel „Il trittico“ uraufführen ließ, weiß keiner so genau. Die letzte der drei Opern, „Gianni Schicchi“, der komödiantische Teil, ist dabei der mit Abstand erfolgreichste Teil, wird auch oftmals einzeln gespielt und ist sicherlich eines der bekannteren Pucchini-Werke. Dass man aber die anderen beiden, das tragische „Il tabarro“ und das lyrische „Suor Angelica“, nicht vernachlässigen sollte, dachte sich wohl die Bayerische Staatsoper und kündigte für die Spielzeit 2017/18 eine Neuinszenierung des Dreiteilers an, unter der musikalischen Leitung von Generalmusikdirektor Kirill Petrenko. Am 17. Dezember 2017 war die Premiere, wir haben die Vorstellung am 23. Dezember 2017 besucht. Im Folgenden werden wir die drei Opern einzeln beschreiben.

Il tabarro

© Wilfried Hösl

Ein Kindersarg, umgeben von den trauernden Eltern Giorgetta und Michele. Das drastische Bild gleich zu Beginn ist eine ordentliche Ansage an die knappe Stunde Gefühls-Achterbahn, die folgen sollte. Das Bühnenbild, im Rahmen konstant, entspricht ein wenig einem Tunnel, der sich nach vorne hin verbreitet und schräg abfällt. Interessant dabei, wie ein großes Bühnenteil zu schwanken beginnt, um eine Schiffsfahrt darzustellen – ein (unfreiwillig) imposanter Eindruck. Neben dem solide-guten Wolfgang Koch überzeugt vor allem das Bühnenpaar Eva-Maria Westbroek und Yonghoon Lee als Giorgetta und Liebhaber Luigi. Petrenko dirigiert dabei das Bayerische Staatsorchester so intensiv, dass bei drastischen Momenten gegen Ende gefühlt das gesamte Nationaltheater vor Dramatik bebt, in melancholischen Momenten das Orchester dagegen fast komplett im Hintergrund verschwindet. Ein starker und kurzweiliger Einstieg.

Suor Angelica

© Wilfried Hösl

Der unmittelbare, fließende Übergang zu „Suor Angelica“ funktioniert fast zu erschreckend schnell. Gut, dass man es beim Bühnenbild bei fast keinen Elementen belässt, das insgeheime Bühnenbild sind die Darstellerinnen des Frauenklosters selbst. Wieso die mittlere Oper aber auch zugleich die am seltensten gespielte ist, wird bedauerlicherweise recht schnell klar, denn die Schwächen im Libretto sind unübersehbar und lassen dem eigentlich kurzen Stück immens schnell die Puste ausgehen. Zum Glück ist Ermonela Jaho in der Titelpartie der Angelica bereits zu anfangs fantastisch und wird, im Zusammenspiel mit ihrer Tante, gespielt von der tollen Michaela Schuster, noch einmal stärker, sodass auch der schwächste Teil des Abends ein absolutes Highlight zu bieten hat. Visuell stark ist dann vor allem das Ende mit einem grellen und mitten aus dem Dunkel kommenden, immens hellen Lichtkreuz, das sich um die eigene Achse dreht.

Gianni Schicchi

© Wilfried Hösl

Der „Evergreen“ unter den drei Opern durfte auch den kompletten zweiten Part nach der Pause für sich beanspruchen und stand damit automatisch unfreiwillig mehr im Fokus. Bereits die anfängliche Ankündigung, dass Pavol Breslik aufgrund von Stimmproblemen nur spielen werde, während die Besetzung in der Rolle für die kommende Spielzeit, Galeano Salas, spontan neben der Bühne die Partie singen werden, macht neugierig. Salas selbst gibt gesanglich einen überragenden Rinuccio, genauso wie Ambrogio Maestri, der die Titelrolle des Gianni Schicchi übernimmt – gefühlt hätte keine Person, sowohl gesanglich als auch schauspielerisch, besser in diese Rolle gepasst als er, ein fantastischer Auftritt. Sehr angenehm auch: das Stück selbst. Erfreulicherweise gibt es nicht nur Momente, die ein Verlegenheitslachen erzeugen, sondern vor allen etliche Szenen, die das Publikum wirklich lautstark auflachen lassen, und das knapp über 100 Jahre nach Uraufführung – der Humor bleibt aktuell und funktioniert auch weiterhin.

Der anschließende, knapp zehnminütige Applaus für das gesamte Ensemble aller drei Opern und insbesondere für das fantastische Orchester unter Petrenko ist mehr als gerechtfertigt – drei Bühnenwerke voller überragender Sänger in einer angenehm unaufgeregten Inszenierung von „Il trittico“. Unbedingte Empfehlung!

Bericht: Ludwig Stadler