House Of Mystery – Hans Klok im Deutschen Theater (Bericht)

Es zischt, brennt und knallt – und danach ist es einfach verschwunden. Illusion? Wahrscheinlich, denn wenn Hans Klok etwas auf der Bühne vollführt, mag es vielleicht nicht real sein, aber die perfekte Illusion davon. Dessen sollte man sich bewusst sein, wenn man die Show des holländischen Magiers besucht, und genau das sagt er auch gleich zu Beginn: „Es gibt die, die einfach staunen, und die, die alles rausbekommen wollen. Ersteren wünsche ich viel Spaß, letzteren viel Glück“. Wenn man also gleich die – unmögliche! – zweite Variante weglässt und sich den Kopf über die Machart eben nicht darüber zerbricht, bekommt man eine Show geboten, die ihresgleichen sucht. House of Mystery“ heißt die neueste Ausgeburt von Klok und gastiert vom 10.-15. April 2018 im Deutschen Theater München.

© Andy Doornhein

Überraschend ist alleine schon der Blick auf die Laufzeit, denn mit rund 160 Minuten (inklusive Pause) stellt man sich natürlich die Frage, wie denn das so lange funktionieren soll. Das Konzept ist genauso einfach wie genial: Klok macht nicht nur eine simple Illusions-Show und reiht Trick an Trick, sondern bindet alles in eine sogar ziemlich interessante Rahmenhandlung ein, bleibt dem roten Faden treu, indem er Tänzer bestimmte Choreografien dazu präsentieren lässt, und hat einige Gast-Artisten eingeladen, die daraus eine wirkliche Allrounder-Show machen. Das beginnt beim fantastischen Licht, den kleinen, aber äußerst wirksamen, Pyro-Effekten und der cleveren Überladung und Überspitzung von allem, die zu keinem Zeitpunkt stört, sondern unglaublich angenehm in die Welt des mysteriösen Magiers Alfred Cordoni einführt. Thematisch sucht er also das Buch des verschwundenen Zauberkünstlers und irrt so von einem Zimmer ins nächste, in denen sich die unterschiedlichsten Tricks befinden. Mittendrin erzählt er vom Beginn der Magie, dem Beginn seiner persönlichen Magier-Laufbahn und ehrt so beispielsweise sein Vorbild Harry Blackstone jr., indem er den Trick mit der schwebenden Glühbirne zeigt – auf Lizenz, denn nur Hans Klok wurde vor seinem Tod anvertraut, wie es denn nun funktioniere.

Der Großteil ist aber natürlich eigenständig. Und oft sind dabei nicht einmal die ganz großen Illusionen, wie das plötzliche Verschwinden und genauso schnelle Wiedererscheinen seiner zahlreichen Assistentinnen, sondern die vermeintlich simplen die Blickfänger. So hantiert er beispielsweise mit einem Stamperl-Glas, einer Flasche Wein und zwei leeren Papp-Zylindern herum. Prinzipiell angedacht: natürlich das Tauschen der Elemente zwischen den Zylindern – plötzlich steht das Glas auf der anderen Seite. Und dann zieht Klok noch eine Flasche aus dem Nichts. Und noch eine. Und noch eine. Schlussendlich stehen neun (!) Weinflaschen auf dem Tisch und das Publikum staunt sprachlos. Was gibt es da auch noch zu sagen außer: Chapeau!

© Petra Schönberger

Auch wenn Hans Klok mit seinen viel zu weißen Zähnen sympathisch auf Deutsch (!) durch den Abend moderiert und für einen Magier seiner Größenordnung sowohl verhältnismäßig viel selbst macht als auch einige Leute aus dem Publikum auf die Bühne holt, gebührt nicht minderer Applaus seinen artistischen Gästen, die ihre jeweiligen Disziplinen weit über dem Niveau darbieten, was man bisher in anderen vergleichbaren Varieté-Shows bestaunen konnte. So versetzt das Duo La Vision mit der unglaublichen Körperspannung und der akrobatischen Zweisamkeit das Publikum absolut in Ekstase, genauso wie der immens flinke Michael Petrian und sein Diabolo. Da verzeiht man auch gerne, dass sich ein Diabolo selbstständig gemacht hat und Petrian deshalb erst kurz nach Musikende fertig wird. Definitiv ein visueller Begeisterungssturm: Andrea Prince und seine Laser-Künste. Als der Italiener kurzerhand einen grünen Laser-Strahl wortwörtlich „in die Hand“ nimmt und ihn kontrolliert umherwirft, fragt man sich sogar ein wenig mehr als schon bei Kloks Illusionen: Wie zur Hölle macht er das?

Einziger Dämpfer: der Auftritt von Stargast Pamela Anderson. Aus dem Nichts zaubert der Holländer sie auf die Bühne und trägt sie mit Händen vom Podest. Nach der kurzen Begrüßung und der Frage, wie sie denn München fände (Antwort: „A beautiful city!“) ist sie auch schon wieder weg. Unter 60 Sekunden Bühnenpräsenz. Der anschließende Kommentar von Klok wirkt in all seiner Ironie auch wahnsinnig richtig: „So viel Geld für so wenig Zeit.“

Wer den Magier also bei seinen Shows, die noch bis Sonntag laufen, besuchen möchte, welche Pamela Anderson nicht mehr beiwohnt, hat keinen Nachteil. Einen Nachteil hat nur jeder, der diese Show, die das Wort „Superlative“ in Sachen Magie und Artistik auf eine andere Ebene transportieren, verpasst.

Bericht: Ludwig Stadler