I Am The Fire – Halestorm in der TonHalle (Konzertbericht)

Halestorm in München – schon wieder? Ja, durchaus, die Herren um Frontdame und Mastermind Lzzy Hale waren bereits letztes Jahr im Backstage Werk zu Gast, wie wir berichteten, und sind auch sonst oftmalige Gäste in der bayerischen Landeshauptstadt. Doch dieses Mal bringen sie erstmals ihre Female-Fronted-Tour von Amerika auf die deutschen Bühnen, die sie schon seit mittlerweile zwei Jahren gemeinsam mit In This Moment und oftmals New Years Day bestreiten. Ebendiese Bands sind nun auch bei der glorreichen Rückkehr am 16. November 2019 dabei – in einer restlos ausverkauften TonHalle.

Dem glücklichen Datum des Samstags geschuldet ist es bereits sehr ordentlich gefüllt, als um 19:40 Uhr die Lichter erlischen und New Years Day die Bühne entern. Durch die in Outfits vereinheitlichte Band der sofortige Blickfang und Mittelpunkt auf der Bühne: Ash Costello. Die Frontfrau ist es auch, die mit sympathischen Ansagen dem Publikum recht kurzweilige 30 Minuten beschert und neben einigen Liedern des kommenden Albums auch ein, leider eher misslungenes, „Fucking Hostile“-Cover von Pantera präsentiert. Vergeblich bemüht man sich allerdings, die starke Produktion des Albums auf die Bühne zu bringen, weshalb das Resultat aus abertausenden Backing Tracks und deutlich zu viel Stimmenplayback zu wünschen übrig lässt. Schade, da wäre mehr möglich gewesen.

Setlist: Come For Me / Kill Or Be Killed / Fucking Hostile (Pantera cover) / Shut Up / Skeletons / Defame Me

(c) Jeremy Saffer

In This Moment sind bereits seit dem Betreten der TonHalle zugegen, denn auf der Bühne prangt ein riesiger Pavillon, in dem, wie zu erwarten, Frontfrau Maria Brink sich nach jedem Song zurückzieht, um mit einem neuen Outfit wieder herauszukommen. Bevor es soweit kommt, gilt es, zwei Intros zu überstehen, bevor das etwas kryptische Steve Miller Band-Cover „Fly Like An Eagle“ den Auftritt eröffnet – Brink dabei in einem riesigen weißen Leintuch verhüllt. Dass die Show seit einigen Jahren bedeutender als die drastisch schlechter werdende Musik ist – Geschmackssache. Letztendlich steht die Sängerin aber so im Fokus, dass die (zusätzlich maskierten) Band-Mitglieder vollkommenes Beiwerk werden. Zu exzessives Divengehabe lassen die knappe Stunde zwar zu einem nett anzusehenden, aber eher zähen Ereignis verkommen. Der einzige Moment, in dem einmal nicht das Produkt Brink, sondern der Mensch Brink sichtbar wird, ist vor „Whore“, als sie Teile des Publikums zurechtweist, die ihr gerade noch in ihren Aussagen zugestimmt haben – und das ist ja nun auch nicht gerade das positivste Beispiel.

Setlist: Fly Like An Eagle (Steve Miller Band cover) / River Of Fire / Adrenalize / Natural Born Sinner / Legacy / Big Bad Wolf / Blood / Whore

Auf die große musikalische Erleuchtung muss das zahlreiche Publikum dann doch recht lange warten, aber immerhin entert diese in Form von Halestorm um 22 Uhr die Bühne. Intro? Pathos? Samples, Backing Track oder gar Playback? Iwo, Lzzy Hale tritt ans Mikrofon und steigt gemeinsam mit ihren Mitmusikern lautstark mit „Do Not Disturb“ ein. Auf der Bühne erstmals zu sehen: eine Band, eine Einheit. Natürlich ist Lzzy der ungefragte Blickfang, das stärkste Glied der Band und auch das Aushängeschild – aber behandelt werden die Band-Mitglieder vollkommen gleichwertig, egal ob Gitarrist Joe Hottinger mit seinen Solis bei „Amen“ und „I Miss The Misery“ oder Bassist Josh Smith und Drummer Arejay Hale (übrigens der Brüder von Lzzy), die beide nette Solo-Parts bekommen. Und ist nicht genau das, was diese Tour eigentlich zeigen wollte: Fokus durch Leistung? Besser spät als nie.

Knapp 95 Minuten gehen Halestorm absolut in die Vollen und präsentieren eine wuchtige Nummer nach der anderen – auch im Vergleich zum Vorjahreskonzert finden sich viele noch ungehörte Songs in der Setlist, die wenig Wünsche offen lässt. Besonders wuchtig kommen da natürlich fraglos Werke wie „Mayhem“, „I Get Off“ und „Uncomfortable“ rüber, die dem zwar extrem lauten, aber auch klaren und satten Sound entgegenkommen. Die Menge weiß es zu würdigen, startet sogar kleine Moshpits und jubelt sich die Seele aus dem Leib, was die Band mit absoluten Freuden dankend zur Kenntnis nimmt. Besonders beeindruckend ist dabei jedes Mal die schier unzerstörbare Stimme von Lzzy Hale – ihre Vocal Range ist schier unendlich, während dabei absolut jeder Ton sitzt. So ist es nur legitim, dass sie in der Zugabe, als sie solo ans Klavier wechselt, sich an „I Will Always Love You“ in der Whitney Houston-Fassung heranwagt – natürlich aber in der eigenen Singweise, wenngleich absolut jeder Ton sitzt und getroffen wird. Zu behaupten, Lzzy Hale wäre eine gute Sängerin, ist eine maßlos Untertreibung – ein stärkere Frontfrau im Rock- und Metal-Bereich gibt es nicht und hat es noch nie gegeben.

Setlist: Do Not Disturb / Love Bites (So Do I) / Mz. Hyde / I Get Off / Killing Ourselves To Live / Familiar Taste Of Poison / Amen / Freak Like Me / Mayhem / Chemicals / Black Vultures / I Am The FireZugaben: Break In / Dear Daughter / I Will Always Love You (Dolly Parton cover) / Here’s To Us / She Won’t Mind / Uncomfortable / I Miss The Misery

Bericht: Ludwig Stadler