Glass – Filmkritik

(3 / 5)

 

© Disney

Regisseur/in:  M. Night Shyamalan

Genre: Thriller

Produktionsland: USA

Kinostart: 17. Jan. 2019

Laufzeit: 2 Std. 9 Min.

 

Durch “Glass” verleiht Regisseur und Drehbuchautor M. Night Shyamalan (The Sixth Sense, The Visit) der Eastrail 117 Trilogie ihren finalen Schliff. Hierfür wird die in “Split” (2016) angedeutete Verbindung zu “Unbreakable” (2000) aufgegriffen. Die Hauptdarsteller der Vorgängerwerke – Bruce Willis (Stirb Langsam) als unverwundbarer David Dunn und James McAvoy (Narnia, X-Men) als die multiplen Persönlichkeiten des Kevin Wendell Crumb – werden zu diesem Zweck wieder ins Boot geholt. Auch die britisch-argentinische Nachwuchsdarstellerin Anya Taylor-Joy, die letzte Überlebende aus “Split”, und Samuel L. Jackson sind wieder in ihren prägnanten Rollen zu sehen.

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Mit der Hilfe seines Sohnes Joseph (Spencer Treat Clark) ist David Dunn (Bruce Willis) dem Serienmörder Kevin Wendell Crumb (James McAvoy) auf den Fersen. Als es zum Showdown zwischen beiden kommt, werden sie jedoch von einem Sonderkommando überwältigt und in eine psychiatrische Anstalt gebracht. Dort treffen sie nicht nur auf die junge Therapeutin Dr. Ellie Staple (Sarah Paulson), sondern auch auf einen sedierten Elijah Price (Samuel L. Jackson) alias Mr. Glass, der superheldenbesessene Antagonist aus “Unbreakable”Dr. Staple erklärt, sie sei auf eine Störung spezialisiert, bei der Patienten davon ausgehen, übernatürliche Fähigkeiten zu besitzen und will den drei Insassen dabei helfen zu erkennen, dass sie keine Superhelden sind. Ihre Psyche und die Frage nach Gut und Böse werden dabei immer weiter angezweifelt, doch das ist noch lange nicht die ganze Wahrheit. 

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Bereits die ersten Szenen offenbaren, dass “Glass” nicht in das klassische Superheldenfilm-Raster fällt. Die Handlungsentwicklung, die Selbstinszenierung der (Anti-)Helden und alle Kampfszenen wirken dafür viel zu geerdet. Es scheint, als sollen David Dunn und Kevin Wendell Crumb weitestgehend human auftreten, was der Thematik natürlich zugutekommt und auch zuzuschreiben ist. Ohne überspitzte Eskalation und opulente CGI-Sequenzen in Marvel-Manier geistert in den Köpfen schnell die Befürchtung, alle Superkräfte seien nur imaginiert und Symptome einer psychischen Erkrankung. Auch die späteren Theorien und Erklärungen Dr. Ellie Staples erscheinen auf diese Weise schlüssig. Dabei wirkt der Film keineswegs ernüchternd, viel mehr wird der Fokus somit auf die Charakterentwicklung der Figuren gelegt. Diese gelingt – zumindest in Crumbs Fall – noch relativ erfolgreich. Wobei einzuräumen ist, dass es keine Herkulesaufgabe ist, ein explosives Thema wie Multiple Persönlichkeitsstörung fesselnd aufzuarbeiten. Doch hinsichtlich aller anderen Figuren bleibt man letzten Endes mit dem unbefriedigenden Gefühl zurück, nichts Tiefgehendes außer dem Offensichtlichen erfahren zu haben. Das ist tendenziell auch nicht die Anforderung, denn “Glass” wurde nicht als tiefpsychologisches Drama beworben und beide Protagonisten wurden in “Unbreakable” und “Split” bereits vorgestellt. Doch, bedient man sich sonst nicht üppiger Action, sollte bei der Ausschöpfung innerer Vorgänge und Motive nicht gespart werden.

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Auch die ästhetisch-düsteren Bildkompositionen M. Night Shyamalans kompensieren leider nicht die unfreiwillige Komik, die an mancher Stelle entsteht, wenn der Film sich nicht so recht auf ein Genre festlegen möchte. Insbesondere popkulturelle Referenzen des 9-jährigen Hedwigs – eine von Kevins Persönlichkeiten –, das vermeintliche Stockholm-Syndrom Kevins ehemaligen Opfers Casey oder Recherche-Arbeiten in Comic-Läden haben Neigungen einer Komödie, ohne, dass “Glass” einer solchen entsprechen möchte. Solche sporadischen Stilbrüche können in einem anderen Format recht interessant sein, hier erscheint es allerdings nicht einer bewussten Entscheidung zu entspringen und trägt nicht zur Ernsthaftigkeit des Films bei. Untermauert wird dieses Manko sowohl durch die vorhersehbaren und bereits überstrapazierten Wendungen innerhalb der Geschichte, als auch durch den enttäuschend unausgereiften Schluss.

Fazit: Optisch ansprechender und kurzlebiger Nachfolger, der jedoch zu unentschlossen zwischen Action-Drama, Psycho-Thriller und Superhelden-Komödie schwankt.

 

(3 / 5)