„Ein exklusiver Einblick in Frida Kahlos Kopf“ – „Frida Kahlo“ im Gärtnerplatztheater (Kritik)

Frage: Wer ist Frida Kahlo?

Antwort: Die bekannteste und einflussreichste lateinamerikanische Künstlerin.

Der Name sagt Ihnen dennoch nichts? Kein Problem, denn ihr Gesicht dürfte Ihnen bestimmt bekannt vorkommen. Frida Kahlos provokante Aufmache inklusive Monoaugenbraue und Blumenhaarschmuck wird inzwischen kommerziell weltweit vermarktet. Egal ob Tassen, T-Shirts oder Buchdeckel – Kahlos Gesicht ist internationaler Trend. Aber wer ist diese Frau?

© Christian POGO Zach

Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen des Jungen Gärtnerplatztheaters haben sich mit dem Phänomen „Frida“ beschäftigt und präsentieren in „Frida Kahlo“, welches am 4. Juli 2019 auf der Studiobühne des Gärtnerplatztheaters Premiere feierte, ihre Ergebnisse rund um das Leben der außergewöhnlichen Künstlerin. Es ist ein Leben voller Leid und dennoch gleichzeitig auch von einer großen Liebe geprägt: Frida und ihr Mann, der ebenfalls bekannte Künstler Djego Rivera, führen eine offene Beziehung und Ehe. Die Schauspielerinnen und Schauspieler des Jungen Gärtnerplatztheaters zeigen eindrucksvoll den emotionalen Zwiespalt, der mit einer solchen Liebesbeziehung einhergeht. Zwar genießt Frida die Freiheit, sich sexuell sowohl mit Frauen wie auch mit anderen Männern auszuprobieren, aber es zerreißt sie gleichzeitig dabei zusehen zu müssen, wie Djego mit einer Frau nach der anderen flirtet und anbandelt. Geplagt von Depressionen, Verlustängsten, Minderwertigkeitskomplexen und einer multiplen Persönlichkeitsstörung, kämpft Frida mit sich selbst um die Kontrolle über ihre Emotionen.

© Christian POGO Zach

Vom Ensemble in dynamischen Choreographien und abwechslungsreichen Liedern umgesetzt, gelingt es Regisseurin Susanne Schemschiss die schwierigen Themenbereiche rund um Vertrauensbruch, Fehlgeburten, Fremdbestimmung sowie vollkommene emotionale Abhängigkeit passend und in keiner Weise abgeschwächt darzustellen. Hinzu kommt die überragende musikalische Leistung der jungen Menschen auf der Bühne, die mit viel Herzblut und Begeisterung Songs aus verschiedenen Genres kombinieren, um eine rundum interessante, wenn auch bedrückende Performance zu zeigen und damit in der Inszenierung eine unglaublich intime Atmosphäre zu erschaffen.

Das im Stil des „Dìa de Muertos“ gestaltete Bühnenbild fügt sich schön in die erzählte Geschichte ein und kann durch Detailliertheit und ansprechende Ästhetik verzaubern. Die 13 Darstellerinnen und Darsteller der Gärtnerplatzjugend zeigen beeindruckenden Tiefgang ohne jegliche Berührungsängste und können nicht nur mit stimmlichem, sondern auch mit schauspielerischem Talent überzeugen. Dem Publikum wird die Künstlerin in all ihren Facetten – schöne wie unschöne – näher gebracht und das weltweite Phänomen „Frida“ ein bisschen verständlicher.

Kritik: Anna Matthiesen