Wieso das free&easy das beste Festival der Welt ist

Ein Kommentar von Ludwig Stadler

Jedes Jahr ruft das Backstage München für 17 (manchmal auch bis zu 20) Tage im Juli und August zu sich mit dem free&easy Festival. Vom kleinen Münchner Newcomer bis zur großen, etablierten Größe ist alles dabei, oftmals sogar am gleichen Abend auf der gleichen Bühne. Aber was genau ist eigentlich das Konzept des Ganzen? Seit wann gibt es das free&easy eigentlich? Und wieso ist genau DAS jetzt das beste Festival der Welt? Das möchten wir euch mal in fünf Punkten erklären.

  1. Geschichte & Konzept

Wer denkt, dass das Festival etwas sei, das man erst vor ein paar Jahren ins Leben gerufen hat, dem sei sofort widersprochen. 1995 wurde es erstmals veranstaltet, damals noch auf dem vorvorherigen Gelände in der Helmholtzstraße. Bereits von Anfang an war das Konzept so wie es heute immer noch erhalten ist: es soll „easy“ zugehen und dabei „free“ sein. Die Kosten wurden und werden durch Gastronomie-Verkäufe gedeckt. Ein Jahr später, 1996, hat das free&easy bereits 12 Tage gedauert, inzwischen hat sich die Länge auf ca. 18 Tage eingependelt – wobei jeden Tag Programm in den Hauptlocations geboten ist, d.h. sowohl in Werk, Halle, Club als auch dem Backyard. Zusätzlich gibt es noch unzählige Programmpunkte wie Mitternachtsgigs, Kino-Screenings, politische Diskussionen, künstlerische Ausstellungen. Ganz wichtig: nach dem Ende der Konzerte verwandelt sich das gesamte Gelände in eine Party-Area mit verschiedenen Schwerpunkte, mal Rock und Metal, mal Reggae und Soul oder einfach mal ganz leise mit einer Kopfhörer-Party.
Trotz der steigenden Kosten im Musik-Business scheint das Konzept weiterhin aufzugehen – wobei man sagen muss, dass das Backstage bewusst darum bittet, keine Speisen und Getränke mit auf das Gelände mitzunehmen, außerdem Einlasstickets eingeführt hat. Dazu später mehr.

  1. Das Gelände

Wer das Gelände in der Reitknechtstraße 6 schon einmal besucht hat, weiß, was sich dort alles versteckt: Konzertlocations, Biergärten, Cocktailbars, die Reitknecht-Bar und ein Beachstühle-Bereich. Was sonst immer teilweise geschlossen ist, öffnet auf dem free&easy komplett: das gesamte Areal wird zum Festivalgelände. Der Backyard-Hof wird so kurzerhand zu einer überdachten Cocktailbar mit gemütlichen Sitzmöglichkeiten, direkt davor eine Akustik-Stage, die täglich mit Größen wie Alex Diehl und Tim Vantol bespielt wird – immer mit regionalen Supports. Fun Fact: am 23.07. spielt dieses Jahr Redaktionsleiter Ludwig mit seinem Akustik-Punk-Duo Shots als Headliner auf der Backyard-Stage. Lohnt sich!
Definitiv besonders: der Nachtbiergarten. Hier gibt es ab Geländeöffnung um 17/18 Uhr bis zum Schluss alle möglichen alkoholfreien und natürlich auch alkoholischen Getränke. Zusätzlich dazu: die Möglichkeit, selbst zu grillen. Grillanzünder und die Steinkohle-Grills (!) selbst stellt das Backstage, Essen muss man entweder selbst mitnehmen (in dem Fall ist Essen mitnehmen erlaubt) oder vorab an der Bar kaufen, die haben auch immer einen Vorrat an allem möglichen Grillgut da. Wenn man aber keine Lust auf Selbermachen hat, gibt es auch den Burgerstand, der sowohl vegetarische als auch fleischige Sorten anbietet. Schmeckt, kann ich abnicken. Bierpong und Kicker spielen kann man ebenso wie in Ruhe im Backyard Sisha rauchen – es gibt also unzählige Möglichkeiten, in Ruhe zu entspannen und ein Bierchen zu trinken, aber natürlich kann man auch in den Locations zu den Bands abgehen.

  1. Der Eintritt

Der Eintritt ist frei. Komplett. Niente. Nichts. Gibt also keine Ausreden!
Das ist definitiv eines der attraktivsten Punkte des free&easy Festival. Hinkommen und sich frei bewegen, einfach überall reingucken und nichts zahlen müssen. Da hat man automatisch mehr für diverse Kaltgetränke – besser geht’s nicht.

Zugegeben: doch recht viele Leute wissen inzwischen von der Großartigkeit dieses Free-Konzepts. Und wenn also richtige Hochkaräter wie Hans Söllner und Hatebreed das Festival beehren, dann ist der Andrang schon mal wesentlich größer als die Kapazität. Deshalb werden ab Einlass fleißig Bändchen verteilt – hierbei gilt: first come, first served. Im Prinzip erhält man ca. eine Stunde lang locker sein Bändchen, manchmal sogar den ganzen Abend über. Bei ganz großen Bands sind die Bändchen aber schon schnell mal innerhalb einiger Minuten weg, weil die Schlange dafür schon so riesig ist. Hierfür hat sich das Backstage was doch recht cleveres einfallen lassen: Reservierungstickets!
Für die Werk-Shows gibt es für 14,80 EUR (inkl. Gebühren) ein solches Ticket. Hierbei inklusive: zwei Getränkegutscheine. Wer sich jetzt aufgrund der 6,80 EUR Aufpreis beschwert, dass das ja nicht mehr „free“ sei, der gehe sich bitte vergraben – tatsächlich ist das einer der Punkte, die dem Backstage helfen, die steigenden Kosten besser zu bündeln. Und wann hat man denn schon einmal so Kult-Musiker wie Ritchie Kotzen für weniger als 7 EUR? Na also. Also entweder pünktlich da sein oder für einen kleinen Unkosten-Beitrag bis 20:30 Uhr flexibel sein. In jedem Fall eine tolle Sache.

  1. Die Bands
Dog Eat Dog

Kommen wir zum wesentlichen Punkt für dieses Festival: die Bands. Bei anderen Festivals, die Campingmöglichkeiten bieten, soll ja manchen Besuchern das Musikprogramm völlig egal sein, denn sie kommen nur des Saufens und Campens Willen. Das ist beim free&easy natürlich nur teilweise so. Letztendlich zieht das Programm die Leute ins Backstage. Und das kann sich jedes Jahr sehen lassen! 180-200 Bands spielen jedes Jahr dort und ca. 2-5 Bands pro Tag auf einer Bühne. Man hat also meistens die Auswahl aus rund 12-15 Bands, die an einem Tag spielen.
Genretechnisch ist da alles durchgemischt. Mal Metal, mal Rock, mal Hip-Hop, Reggae ist u.a. jährlich mit Macka B. vertreten, sowieso der fast jährliche Auftritt von Russkaja und Dog Eat Dog (2018 sind beide dabei!). Recht viel Hardcore ist immer dabei, auch Metalcore. Früher gab es mal einen Abend für die schwarze Szene, der scheint aber derzeit zu pausieren. Meistens gibt es auch immer mindestens ein Konzert für Crossover- und NuMetal-Fans. Für jeden also was dabei.
Ich erinnere mich noch, als Wanda 2015 im Werk spielten. In der Zeit zwischen der Buchung und der Show sind die auf Zenith-Größe angestiegen, also inflationärer Fananstieg. Als es Rest-Bändchen um 17 Uhr gab (die Reservierungstickets waren seit langer Zeit restlos ausverkauft), standen rund 3.000 Leute für die wenigen restlichen Bänder an. Beim Konzert standen dann mehr außerhalb der Halle als innendrin, obwohl dort ebenso alles brechend voll war. Was für ein Erlebnis (und was für eine Show von Wanda)!

Hier mal eine Aufzählung von Bands, die u.a. auf dem free&easy waren: Wanda, Sepultura, Agnostic Front, Suicide Commando, Anti-Flag, Fiddler’s Green, Emil Bulls, Hatebreed, Skindred, Napalm Death, Killerpilze, Suicidal Tendencies, Powerwolf, Yellowcard, Deez Nuts, Avatar, Ill Nino, Lance Butters, Animal as Leaders, Hans Söllner, Iced Earth, Shots etc. etc.

  1. Das Bier

Endlich mal keine überteuerten Bierpreise, sondern sehr faire 3,60 EUR für ein 0,5-Bier. Nicht wie bei anderen Festivals 4 EUR für 0,4 Plörre. Denn wir sind in München! Da gibt’s koa greisligs Becks.
Das Backstage bietet eine Vielzahl an Bieren. Größtenteils gibt es König Ludwig, als Radler gibt’s Löwenbräu und seit diesem Jahr ist u.a. auch Giesinger, das ultimative Münchner Stadtbier, welches nur in kleiner Auflage produziert wird. Außerdem findet ihr in der Backstage-Bar Reitknecht 6 auch Besonderheiten wie ein Rotkäppchen-Bier oder ähnliches.
Die Cocktails sind ebenfalls zu fairen Preisen zu erwerben und schmecken wunderbar! Die Longdrinks ebenso. Eigentlich ist alles im Getränkesortiment perfekt. Ein Riesenpluspunkt!

 

All diese Punkte sprechen ultimativ für das free&easy Festival als bestes Festival dieser Welt. Und dabei habe ich jetzt die Anfahrt mit der S-Bahn gar nicht berücksichtigt, denn das Gelände liegt direkt an einer S-Bahn-Station, die Teil der Stammstrecke ist – d.h. alle paar Minuten kommen Bahnen in beide Richtungen. Geht es besser? Nein. Daher gibt es die goldene Krone von KiM heute für das Backstage und das free&easy Festival!

Das free&easy Festival 2018 geht vom 19.07. bis zum 05.08. und hat u.a. Bands und Künstler wie Hatebreed, Ritchie Kotzen und (kein Witz) Money Boy im Angebot.