Tonight – Forever Broadway in der Philharmonie (Bericht)

Musical-Galas sind ein beliebtes Format, sowohl für Künstler als auch Publikum, da beide die Möglichkeit haben, in einem abwechslungsreichen Programm ihre Lieblinge aus den Bühnenwerken aufzuführen bzw. zu hören. Dieses Jahr zur Weihnachtszeit fand in der Philharmonie im Gasteig eine Musical-Revue mit dem Namen „Forever Broadway“ in einer Größenordnung der Superlative statt. Über drei Tage, 25.-27. Dezember 2017, gab es das Budapester Musical- und Operettentheater mit Orchester und den Gast-Solisten Oedo Kuipers und Dorothea Baumann zu bestaunen – wir waren für euch bei der letzten Aufführung dabei!

Zugegeben, die Philharmonie ist für so eine Gala, die fünfmal gespielt wird, ein verhältnismäßig großer Rahmen. Trotzdem ist am Abend des 27. Dezember 2017 ziemlich jeder Platz besetzt, in der sehnsüchtigen Erwartungen, den größten Musical-Evergreens zu lauschen. Auf der Bühne selbst ist in der hinteren Hälfte ein Podest für das etwa 30-Mann-starke Orchester aufgebaut, dahinter eine große Video-Leinwand, die später fleißig genutzt werden sollte. Der vordere Teil bleibt frei für Solisten, Ensemble und diverse Einlagen.

Gleich zu Beginn wird mit Musik von „Cabaret“ und der Vorstellung des gesamten Casts begonnen, der die folgenden zwei Stunden auf der Bühne sein wird; ein ungewöhnlicher Schritt, das am Anfang zu tun, allerdings erkennt der eine oder andere Musical-Fan bereits an den Kostümen, welche Lieder da noch so folgen werden. Das Programm gestaltet sich bunt aus einigen Werken deutschsprachiger Musicals („Elisabeth“, „Mozart“, „Tanz der Vampire“), aber größtenteils internationaler Klassiker wie „The Lion King“, „West Side Story“, „Hair“ und „Jesus Christ Superstar“. Dabei werden Klassiker wie „Don’t Cry For Me Argentina“ aus „Evita“ genauso wenig ausgespart wie eher unbekanntere Werke, beispielsweise das fantastische „One Night Only“ aus „Dreamgirls“. Der Querschnitt wusste sehr wohl bestens zu gefallen, wobei 1-2 Lieder mehr aus „Tanz der Vampire“ wünschenswert gewesen wären, da das Musical recht groß auf dem Plakat stand und Graf-Darsteller Dávid Péter Cseh sehr wohl die passende Stimme gehabt hätte, um mehr als „Totale Finsternis“ darzubieten.

Oedo Kuipers
© Dorothea Baumann

Das Ensemble selbst ist ein kleines Auf und Ab. Insgesamt beherrschen alle ihr (gesangliches) Handwerk, treffen gekonnt die Töne und führen die Lieder würdig auf, gehen aber selten über eine solide Leistung hinaus. Bei den männlichen Darstellern ist Gast-Mitglied Oedo Kuipers, bekannt aus „Mozart“ in der Wiener Neuaufnahme 2015/2016, mit weitem Abstand der stärkste Solist und singt vor allem bei „I Only Want To Say“ und „Gethsemane“ von „Jesus Christ Superstar“ seine Mitstreiter maßlos an die Wand – hier erhält er zurecht den größten Applaus des Abends.
Bei den weiblichen Solisten bleibt der deutsche Musical-Star Dorothea Baumann verhältnismäßig blass zurück und kann maximal bei „Memory“ aus „Cats“ ein wenig Begeisterung entfachen. Sehr stimmstark dagegen wissen Veronika Nádasi, u.a. bei „Somebody To Love“ aus „We Will Rock You“, und Kata Janza zu überzeugen. Vor allem letztere zeigt als ungarische „Elisabeth“ sowohl in deutscher als auch ungarischer Sprache so viel Kraft im Gesang, dass sie problemlos manche Elisabeth-Hauptbesetzungen in der Aufführungshauptstadt an die Wand singt, wobei sie (selbstredend) nicht an die Version der Ur-Elisabeth Pia Douwes heranreicht.

Die Solisten stehen meistens so im Vordergrund, dass man das Orchester im Hintergrund fast ein wenig vergisst. Das ist auch manchmal besser so, denn für so ein oft tourendes und häufig spielendes Orchester ist das Zusammenspiel verhältnismäßig schwach, oft zu drückend und gelegentlich auch nicht fehlerfrei. Bei den doch teilweise recht starken Gesangsstimmen mag man das aber gerne verzeihen.
Angenehm überraschend bei einer Musical-Gala: ein Tanzensemble ist mit dabei, damit einhergehend kleine Requisiten und etliche Kostüme. Es werden dabei nicht nur die Lieder gesungen, sondern die Musical-Sequenzen als Ausschnitte nachgespielt – zur Freude des Publikums, denn durch diese Entscheidung ist die Gala so kurzweilig, dass man um 21:20 Uhr noch gar nicht glauben mag, dass der Abend bereits vorbei ist.

Ein schöner Abend voller bekannter und teils weniger bekannteren Musical-Perlen, die gut bis sehr gut aufgeführt werden, dabei sehr wohl zu gefallen, aber nur selten zu begeistern wissen. „Forever Broadway“ mag vielleicht nicht mit Superlativen überschüttet sein, aber kann allemal als sehr gelungene Musical-Gala resümiert werden.

Programm:
Willkommen / „All That Jazz“ (Cabaret)
„Mehr will ich nicht von dir“ (Das Phantom der Oper)
„Summer Nights“ (Grease)
„Märchen schreibt die Zeit“ (Die Schöne und das Biest)
„Wouldn’t It Be Loverly“ (My Fair Lady)
„Ich gehör nur mir“ (Elisabeth)
„Totale Finsternis“ (Tanz der Vampire)
„Wie wird man seinen Schatten los?“ (Mozart)
„Tonight“ (West Side Story)
„Memory“ (Cats)
„I Will Follow Him“ (Sister Act; Film)
„I Only Want To Say“ / „Gethsemane“ (Jesus Christ Superstar)
„One Day More“ (Les Misérables)

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„Superstar“ (Jesus Christ Superstar)
„Can You Feel The Love Tonight?“ (The Lion King)
„Buenos Aires“ (Evita)
„Maria“ (West Side Story)
„One Night Only“ (Dreamgirls)
„Money“ (Cabaret)
„Don’t Cry For Me Argentina“ (Evita)
„Ein bisserl für’s Hirn und a bisserl für’s Herz“ (Mozart)
„Wenn ich tanzen will“ (Elisabeth)
„We Will Rock You“ / „Somebody To Love“ (We Will Rock You)
„I Got Life“ / Medley (Hair)

Bericht: Ludwig Stadler