Flatliners (2017) – Filmkritik

(2,5 / 5)

© 2017 Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH

Regisseur/in: Niels Arden Oplev

Genre: Sci-Fi, Thriller, Horror

Produktionsland: USA

Kinostart: 30. November 2017

Laufzeit: 1 Std. 50 Min.

Das Remake-Fieber hat wieder zugeschlagen! Nach „Die Verführten“„Die Schöne und das Biest“„Ghost in the Shell“ und unzähligen weiteren Vertretern dieser Rubrik gesellt sich nun auch eine Neuauflage von Joel Schuhmachers „Flatliners“ dem Kinojahr 2017 hinzu. Eigentlich eine interessante Idee, schließlich hätte man die pathetischen Fehlgriffe des ansonsten durchaus gelungenen Originals ausmerzen und die interessanten Gedankengänge weiter ausdehnen können. Stattdessen entschied Niels Arden Oplev sich anscheinend für das Gegenteil: Erstmal einen Gang zurück – die dramaturgische Grundstruktur wird einfach übernommen und die Story verkommt zum reinen Hochspannungs-Gruselhorror ohne jeglichen Kniff.

Die angehende Ärztin Courtney Holmes (Ellen Page) möchte um jeden Preis herausfinden, was sich im menschlichen Gehirn bei einem klinisch toten Zustand abspielt. So sehr, dass sie mit Hilfe ihrer Kommilitonen Ray (Diego Luna), Jamie (James Norton), Sophia (Kiersey Clemons) und Marlo (Nina Dobrev) einen Selbstversuch wagt. Ihr Herz wird für wenige Minuten gestoppt, bevor sie per Defibrillator wiederbelebt wird. Nach sich anschließend positiv auswirkenden kognitiven Fähigkeiten folgen ihr drei der anderen Studenten mit diesem Selbstexperiment. Doch schon bald kommt es zu unerwarteten Nebenwirkungen, wenn einer nach dem anderen übernatürliche Erscheinungen beobachtet.

© 2017 Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH

Immens stark startet „Flatliners“ mit einer kleinen Intro-Sequenz und einem interessanten Vorspann-Design. Die erste halbe Stunde des Films schürt durchaus Hoffnungen, dass er sich zu entfalten weiß. Die traumhaften Sequenzen während der Nahtod-Erfahrung sind größtenteils kreativ umgesetzt – teilweise bekommt man gar ein „Inception“-ähnliches Feeling. Nachdem der Thriller-Aspekt dann abgehakt ist, geht es auch schon schnell zur eigentlichen Sache: Aus Mystery wird straighter Mainstream-Horror. Die zuvor sorgfältig gelegte, beißende Spannung der Experimente, bei denen man selbst das ein oder andere Mal abcheckt, ob das eigene Herz noch schlägt, kann dabei jedoch nicht gehalten werden. Bis auf ein paar wenige Sequenzen (die Fahrstuhl-Szene hatte es visuell ordentlich in sich) bekommt der Zuschauer dann bis zum Ende gewöhnlichen Spuk-Grusel serviert – gänzlich ohne reingefuchstes Feingefühl. Trotzdem: Eine sehr ungewöhnliche dramaturgische Entscheidung in der Mitte ist nicht die einzige, welche eine gewisse Unkalkulierbarkeit beibehält, die gekonnt den genannten Schwächen entgegenwirkt.

© 2017 Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH

Der Humor, welcher größtenteils aus Sex-Jokes von Playboy Jamie besteht, wirkt dagegen weitestgehend gezwungen und konträr zur dramaturgischen Verankerung. Wenn dann noch aus Worten Taten werden und diverse Liebesspiel-Szenen im Kern ebenfalls belanglos erscheinen, da sie keinerlei optisch-sinnliche Schärfe aufweisen, sondern eher im Gegenteil auch ja jeden Nippel verdecken wollen, entsteht ein mulmiges Gefühl im Magen: Ein Film über Extremsituationen wird auf die alltäglichste Weise erzählt, die man sich vorstellen kann. Genauso zahm endet der Film dann auch urplötzlich, denn bevor man sich versieht, wird das Problem der Protagonisten ohne jegliche Ecken und Kanten gelöst – einfach so. Genauso flach wie das Ende fällt damit auch die gesamte Prämisse von „Flatliners“ aus. Der erhobene, christlich-moralische Zeigefinger vom Original bleibt bestehen – darüber hinaus bewegt sich der Film leider zu keinem Augenblick. Aus einfachen, teilweise erzählerisch affektierten Ängsten werden dutzendfach gehörte einfache Phrasen und ein insgesamt überholtes einfaches Konzept. Tiefsinnigkeit sucht man vergebens. Und wirklich guten Horror… eigentlich auch. Dafür aber nicht die Kurzweiligkeit.

Fazit: Nach einem starken Thriller-Auftakt wird aus dem Reboot „Flatliners“ gerade einmal ein solider Horrorfilm. Das unmotiviert erarbeitete Drehbuch lässt jegliche Vielschichtigkeit vermissen, worüber auch die zeitweise gelungene Optik nicht hinwegtäuschen kann. Leider ein klares Downgrade gegenüber dem Original.

(2,5 / 5)