Feuer – Marteria im Zenith (Bericht)

Überraschend kurz ist die Schlange vor dem Zenith am Dienstag, 5. Dezember 2017, als der Einlass um 18:30 Uhr beginnt. Dass dies aber eher an der Uhrzeit unter der Woche liegt und nicht am Besucherandrang, zeigen etliche Schilder: ausverkauft! Marteria ist nach drei Jahren wieder für eine große Headliner-Show in der Stadt und die Fans folgen ihm. Im Mai beehrte er bereits das Backstage auf seiner Club-Tour (wir berichteten), nun kommt das Rostocker gemeinsam mit Kid Simius, der dieses Mal nicht nur als Teil seiner Band, sondern auch als Support-Act fungieren sollte, zurück.

Ein riesengroßes Marteria-Banner ziert die Bühne, davor ein kleiner Aufbau mit DJ-Set und E-Drums. Um 20 Uhr sollte dann urplötzlich ein Banner von Kid Simius aus dem Nichts auftauchen und dementsprechend auch Simius und Drummer. Musikalisch wird Techno in allen Sub-Genres und mit kreativen Ideen dargeboten – darunter kleine Klang-Effekte, die für interessante Percussion-Klänge sorgen, oder ein Indianer-Schlachtruf, der die Musik aber mehr entfremdet als verbessert. Auch die für Kid Simius übliche Gitarre darf nicht fehlen, wenngleich sie auch leider etwas leise ist. Während die Musik im ersten Wellenbrecher ziemlich stark gefeiert wird, scheinen die restlichen 4.000 Menschen eher weniger interessiert zu sein, was womöglich auch an den zeitweise etwas eintönigen Beats liegen mag. Insgesamt aber ein gelungener Auftakt, der nach etwa einer halben Stunde die Bühne zum Umbau frei macht.

© Paul Ripke

Kurz vor 21 Uhr dann der dröhnende Bass und die Einleitung nicht nur zum Song „Roswell“, sondern vor allem zum Auftritt von Marteria. Als der Vorhang endlich fällt, geht der erste Blick zu der überdimensionalen Leinwand im Hintergrund, die, im Gegensatz zu manch anderen großen Acts, eine glasklare Auflösung hat, sodass der Effekt automatisch tausendmal wirkungsvoller ist als bei den Kollegen, die lieber zur billigeren Variante greifen. Insgesamt neun Leute befinden sich letztendlich auf der Bühne, davon drei fantastische Background-Sängerinnen, die im Laufe des Konzerts alle einmal ihren großen Solo-Moment haben und problemlos das Zenith zu tobenden Applaus bewegen können. Viele der etlichen Feature-Parts, vor allem gesanglicher Art, werden übernommen von seinem Backup Peter Boateng, der gelungen u.a. den Refrain zu „Aliens“ darbietet. Dass die gesamte Halle aber lauter als er und die Musik ist, mag sicherlich eines der schönsten Momente sein.

Marteria selbst macht exakt das, wofür er auf der Bühne bekannt ist: unermüdlich und astrein abliefern. Er sprintet von einer Bühnenseite zur nächsten, feuert die sowieso schon heiße Menge noch mehr an und scheint in dem insgesamt zweistündigen Auftritt kein einziges Mal aus der Puste zu kommen. Dabei ist die Geschwindigkeit, in der die Lieder präsentiert werden, schwindelerregend, kurze Ansagen zwischendrin dürfen natürlich nicht fehlen, aber das Augenmerk liegt auf: viele Songs und ein eine gut gelaunte Menge. Das Publikum ist an diesem Abend so laut, dass, wie schon erwähnt, man die Musik teilweise nicht mehr hören kann, obwohl der (übrigens immens gut gemischte) Sound im Zenith alles andere als leise gepegelt ist. Da sich die Marteria Girls & Boys aber sehr textsicher erweisen, ein sehr angenehmer Zustand.

Natürlich darf auch der traditionelle Marsimoto-Part nicht fehlen, der mit u.a. „Grüner Samt“, „Der Döner in mir“ und viel zu viel Nebel aufwartet. Anschließend kommt das obligatorische Hit-Feuerwerk des Rostockers mit u.a. „OMG!“ und „Lila Wolken“. Die Konzerte von Marteria, und das ist vielleicht die einzige Kritik, sehr vorhersehbar aufgebaut und unterscheiden sich nur geringfügig – wer also einmal bei einem Festival und nun beispielsweise auf der Club-Show dabei war, hat im Prinzip alles gesehen, was im Repertoire des Künstlers steckt und für die nächsten zwei Jahre stecken wird. Diese eine Show wird allerdings so enthusiastisch und eingebungsvoll gespielt, dass es jedes Mal ein absolutes Highlight ist und man über die sich wiederholenden Momente gerne hinwegsieht. Denn spätestens, wenn bei „Feuer“ die Feuer-Fontänen anspringen, ist ein absoluter Gänsehaut-Moment angesagt. Das kann dann auch die obligatorische Eskalation bei den (dieses Mal leider nur siebenmal wiederholten) „letzten 20 Sekunden“ nicht mehr toppen, aber das muss sie auch nicht, denn: Wie soll man etwas toppen, was schon perfekt ist?

Marteria hat ein weiteres Mal bewiesen, dass er zu den besten Live-Acts Deutschland gehört und inzwischen seinen Headliner-Status bei Festival absolut verdient hat!

Setlist: Roswell / Aliens / Endboss / Scotty beam mich hoch / El Presidente / Bengalische Tiger / Alles verboten / Tauchstation / Blue Marlin / Skyline mit zwei Türmen / Neue Nikes / Marteria Girl / Verstrahlt / Große Brüder / Gleich kommt Louis / Das Geld muss weg / LinksMarsimoto: Grüner Samt / Eine kleine Bühne / Der Nazi und das Gras / Der Döner in mir – OMG! / Kids (2 Finger an den Kopf) / Lila WolkenZugaben: Welt der Wunder / Feuer / Die letzten 20 Sekunden

Bericht: Ludwig Stadler