Time – Emil Bulls im Backstage Werk (Konzertbericht)

Alle Jahre wieder kehren die Emil Bulls für eine vorweihnachtliche Show unter dem Namen X-Mas Bash zurück in ihr Wohnzimmer des Backstage Werks, dem sie seit unzähligen Jahren bereits maßlos entwachsen sind. Dennoch: die Atmosphäre ist unschlagbar und dort hat man vor mittlerweile zehn Jahren mit der Bash-Tradition angefangen, dort führt man ebendiese weiter. Zwar gab es mittlerweile Ausflüge ins Kesselhaus und für zwei Tage in die TonHalle, auch nächstes Jahr wechselt man für das 25-jährige Jubiläum ins Zenith, ansonsten bleibt man dem Werk allerdings treu – auch wenn es, wie jährlich, rasend schnell ausverkauft ist. Die Menge ist an diesem Samstag, 7. Dezember 2019, jedenfalls wieder früh anwesend und begleitet jede der vier Bands.

Grizzly am 9.12.17 im Backstage

Improvement haben dabei zum unattraktiv frühen Zeitpunkt um 18:45 Uhr das Vergnügen. Die Schweizer schaffen es aber schier problemlos, mit ihrem knüppelharten Metalcore selbst zu so früher Stunde den ersten Moshpit zu entfachen und die Köpfe der Anwesenden zum Schwenken zu bringen. Ein sympathischer Auftritt! Im Gegenteil dazu Grizzly, die zwar sichtlich ihre Fan-Blöcke dabeihaben und dementsprechend einiges an Stimmung im Publikum aufbauen, aber die Musik mag, wie schon 2017, einfach nicht so recht überzeugen, der Funke springt nicht über. Die musikalische Entwicklung mit dem neuesten Werk „Movement“ hält sich in Grenzen, sodass die Band durchaus für einen etwas härteren Pop Punk-Auftritt taugt, aber im Line-Up der Bulls etwas deplatziert wirkt.

Setlist Improvement: Equinox / Collide / A Thousand Dreams / Exhausted / Beyond / GOLD / Farewells

Setlist Grizzly: Snitches & Famebitches / Parent’s Nightmare / Dirty Dudes / Why We Move / Headstrong / We Stop At Nothing (5Bugs cover) / Planet B / Til Sunrise

Den Direct Support-Platz nehmen dieses Jahr annisokay ein. Diese fangen wegen technischer Probleme zwar erst deutlich verspätet um 20:35 Uhr an, haben aber ihren neuen Frontmann Rudi Schwarzer dabei, der zum ersten Mal im Münchner Backstage residiert. Dass der große Mann nicht ganz ohne Bühnenerfahrung musiziert, zeigt sich allerdings schnell – die Performance sitzt, die Vocals haben Druck, die gesamte Produktion zeigt die immense Weiterentwicklung in puncto Professionalität, die die Band über die vergangenen Jahre hingelegt hat, wenngleich die Clean Vocals von Christoph Wieczorek schon immer ein Alleinstellungsmerkmal für die Band sind. Besonders stark: ihre Version des BMTH-Songs „Nihilist Blues“. Nach diesem werden sie allerdings etwas ruppig von der Bühne gejagt – Zeit ist um, zu spät gestartet. Schade, aber der Zeitplan muss eben eingehalten werden.

Setlist: Coma Blue / What’s Wrong / D.O.M.I.N.A.N.C.E. / Good Stories / Fully Automatic / Unaware / Sky / Nihilist Blues (Bring Me The Horizon cover)

© Timo Ehlert

Das immerhin ist gegeben, denn die Emil Bulls stehen, wie seit eh und je, pünktlich um 21:30 Uhr auf der Bühne und starten lautstark in den Abend. Das nehmen sie dieses Jahr besonders wörtlich – mit „The Reckoning“ hat man sich als Opener für den wahrscheinlich härtesten Song entschieden, den sie je geschrieben haben, gefolgt vom fetzigen „Tell It To My Heart“-Cover und dem modernen Klassiker „Hearteater“. Allgemein scheint die Gruppe um Frontmann Christoph von Freydorf ordentlich auf Krawall aus zu sein: ihre anfängliche Liederauswahl paart einen Metal-Kracher an den nächsten. Ruhiger wird es erst bei einem Raritäten-Block, für den man sich dieses Mal bewusst auf der Bash-Tour entschieden haben – und tatsächlich sind Songs wie „Collapsed Memorials“ und „Newborn“ Lieder, die es wohl seit Ewigkeiten nicht mehr auf der Bühne zu hören gab. Die anfängliche NuMetal-Phase ist stilsicher mit „Leaving You With This“ und „Smells Like Rock’n’Roll“ vertreten – und dem fast schon kultigen „Take On Me“-Cover, das seit Jahren konsequent beim Münchner Bash im Programm ist. Aber eben auch nur da.

© Timo Ehlert

München hat und wird auch immer eine Sonderstellung bei den Emil Bulls haben, wohnen doch alle Band-Mitglieder hier und haben sie sich vor mittlerweile 24 Jahren in der Schule auch ebendort gegründet. Der Hexenkessel im Arena-Bereich des Werks ist also genauso vorprogrammiert wie die absolut an die Gesangsgrenze gehende Performance von Frontmann Freydorf, der dieses Jahr gefühlt stärker denn je ist. Allgemein ist der Sound ihnen so irrsinnig wohlgesonnen, dass die Riffs eine Wucht und Kraft haben, wie sie selten aus den Boxen tönt. Kein Wunder also, dass bei Liedern wie „Between The Devil And The Deep Blue Sea“ und „When God Was Sleeping“ absolute Eskalation im Publikum herrscht, dass man sich jedes Mal nur verwundert fragen kann, wie es dieses dauermoshende Publikum bitte nur schafft, die gesamte Zeit des Konzerts über aktiv zu bleiben. Die Bulls nämlich übertreffen ihren Vorjahresrekord und kommen auf unglaublich 140 Minuten Konzert. Für manche Musiker und Künstler womöglich Standard – im Genre des Alternative Metals mit massiven Core-Elementen aber ohne Frage einzigartig und einfach nur endlos respektabel, bedenkt man zudem, wie stark auch bei „Worlds Apart“ noch Performance und Vocals sitzen. See you in hell again!

Setlist: The Reckoning / Tell It To My Heart (Taylor Dayne cover) / Hearteater / Not Tonight Josephine / Here Comes The Fire / The Most Evil Spell / Collapsed Memorials / Time / These Are The Days / Newborn / Leaving You With This / Smells Like Rock’n’Roll / Nothing In This World / Between The Devil And The Deep Blue Sea / When God Was Sleeping / The Age Of RevolutionZugaben: Winterblood (The Sequel) / Mr. Brightside (The Killers cover) / Euphoria / The Jaws Of Oblivion / Where Is My Mind? (Pixies cover)Zugaben 2: The Ninth Wave / Take On Me (a-ha cover) / Man Or Mouse / Worlds Apart

Kommendes Jahr werden die Emil Bulls unglaubliche 25 Jahre. Grund genug, das ordentlich zu feiern! Am 19. Dezember 2020 kommen sie daher ins Zenith, gemeinsam mit hochkarätigen very special guests. Karten sind schon erhältlich, u.a. hier!

Bericht: Ludwig Stadler
Fotos Emil Bulls: Timo Ehlert