Chan Chan – Eliades Ochoa im Prinzregententheater (Kritik)

Als das Album Buena Vista Social Club 1996 das Licht der Welt erblickte, ahnte wohl niemand, was dies für die Kultur Kubas bedeuten würde. Was folgte, war ein regelrechter Kuba-Hype und der Buena Vista Social Club wurde zum erfolgreichsten Weltmusik-Album aller Zeiten. Die Rhythmen und Lieder der letzten 50 Jahre wurden auf einmal in die westliche Welt hinausgetragen und damit natürlich auch nach Deutschland. Spätestens nach dem gleichnamigen Dokumentarfilm des deutschen Regisseurs Wim Wenders war der Club Social aus Buena Vista in Deutschland kulturell nicht mehr wegzudenken. Nun, 24 Jahre nach der Geburt dieses Kulturphänomens, kommt einer der Protagonisten wieder am 17. Februar 2020  in die Landeshauptstadt München. Eliades Ochoa, der kubanische Johnny Cash, ist eines der musikalischen Aushängeschilder seines Heimatlandes und präsentiert einmal mehr, was Kuba auf die musikalische Weltkarte katapultiert hat.

Das Prinzregententheater in Mitten Münchens ist 20 Minuten vor Beginn schon gut besucht, kurz vor acht Uhr sind nur noch wenige Plätze frei. Das Publikum ist überraschend vielfältig, vom typischen Klassik-Publikum in Abendgarderobe bis hin zu eben den aus Kuba stammenden Fans ist alles vertreten, sowie jede Altersklasse, heute kommen viele Kulturen an einem historischen Ort zusammen. Man muss schon sagen, dass das Prinzregententheater eine der schönsten Konzertstätten Münchens ist, allerdings auch einer der letzten Orte, an denen man kubanische Rhythmen erwarten würde. Die Kombination passt aber, denn gleich zum Start des Konzertes überrascht einmal mehr die tolle Akustik des Saales, die wie für die instrumentale Aufstellung gemacht zu sein scheint. Ein gut gelaunter Eliades Ochoa mit klug gewähltem Ensemble erklärt kurz in brüchigem Englisch, dass seine Englischkenntnisse hier aufhören, der restliche Abend wird also auf Spanisch von ihm moderiert. Nur für die Kunde, dass sein neues Album und Merchandise am Eingang erhältlich sind, holt er sich Übersetzungshilfe auf die Bühne. Neben den gewohnten Klassikern des Buena Vista Social Clubs präsentiert er auch alte und neue Werke aus seiner umfangreichen Solo-Diskografie, die allesamt großen Applaus ernten. Die sprachliche Barriere tut der Stimmung absolut keinen Abbruch, auch wenn einige seiner Pointen und Ansagen schlichtweg nur ein Bruchteil des Publikums versteht. Gesanglich und an der Gitarre bleibt Eliades Ochoa trotz seines Alters ein Meister seines Handwerks und klingt exakt wie vor 30 Jahren, wenn nicht noch besser. Nach 90 Minuten, kurz vor der zweiten Zugabe, wird ihm und seinen musikalischen Mitstreitern dann vom Veranstalter, der Bell’Arte Konzertdirektion Schreyer, der wohlverdiente Blumenstrauß für ein tolles Konzert überreicht. Im Anschluss gibt es noch den größten Hit „Chan Chan“ zu hören, bevor Eliades seinen berühmten Cowboy-Hut abnimmt, sich vor stehenden Ovationen verneigt und die Bühne verlässt.

Das Fazit des Abends ist schnell gezogen: Eliades Ochoa sollte nicht bekannt sein als der kubanische Johnny Cash, sondern Johnny Cash als der amerikanische Eliades Ochoa. Ein Stück musikalische Geschichte, gespielt von einem, der sie geschrieben hat, und das meisterlich und authentisch, mit sichtbarer Leidenschaft. Sollte es Eliades noch einmal nach München verschlagen, ist das hier als deutliche Empfehlung zu verstehen, nur das Spanisch-Wörterbuch sollte man besser nicht vergessen.

Kritik: Luka Schwarzlose