On The Run – egoFM Fest 2018 im Muffatwerk (Bericht)

Als wir das Gelände des Muffatwerks um 19:40 betreten, ist es, als ob wir Freunde besuchen, die auf uns gewartet haben. Lichterketten ziehen sich durch die Sträucher in der Outdoor-Area, Sitzsäcke und Liegestühle stehen bereit. Auf den Holzkisten-Tischen daneben liegen Walkmans mit Mixtapes von The Kooks und Bilderbuch. Mitarbeiter drücken den Mitte Zwanzig-Jährigen und Junggebliebenen lächelnd Goodie-Bags in die Hand. Ein Kondom, Blumensamen und ein paar Smarties sind mit drin. Die Veranstalter des egoFM Fest 2018 kennen ihre Hörer – das zeigt sich nicht nur bei der Liebe zum Detail, sondern auch bei der Auswahl der auftretenden Künstler.
Muffatcafé, Ampere und Muffathalle sind die drei Areas, die bespielt werden. Zwischen denen pilgern Besucher hin und her. Keiner drängt, dafür ist man zu entspannt.
Auch wir ziehen umher:

ESKALATION (Muffathalle): Die erste Band des Abends kommt aus der Nähe von Nürnberg und ist Anheizer. Viele sind noch draußen an der Bar oder im Sitzsack versunken, aber langsam füllt sich die Halle. Liegt auch an der Band: laute und schnelle Rockmusik mit Trompete, Posaune und Saxophon. Erinnert an La Brass Banda mit E-Gitarre.

Echoes Of Felidae

Echoes Of Felidae (Ampere): Zwei bärtige Hipster stehen versunken in die Musik vor ihren Mischpulten und machen live ihre Beats. Im Hintergrund eine hippe Leinwandshow mit viel Rauch, schwarz-weiß und Natur. Es geht in die Richtung von Klangkarussel. Das ist sehr entspannt, aber auch etwas monoton auf Dauer. Wir ziehen weiter.

BETA (Muffatcafé): Die Münchner Hip Hop-Crew hat starken Style, starke Texte und starke Bühnenpräsenz. „Ich hab‘ lieber kein Style als Dein‘ Style“, singen sie selbst im Song „DSKS“. Die erste EP ist draußen, am Debütalbum arbeiten sie noch.

Giant Rooks (Muffathalle): Die Muffathalle ist inzwischen so voll wie bei einem regulären Konzert. Und die junge Band aus Hamm klingt, als ob sie bald international ihren großen Durchbruch feiern kann. Sie tourten bereits mit den Mighty Oaks, ein Album ist bisher noch nicht erschienen. Die tiefe Stimme von Frederik Rabe zu eingängigem Indie-Pop lässt es aber sehnsüchtig erwarten.

KYTES (Muffathalle): Der Headliner und das Highlight des Abends. Für die Münchner Band ist das ein Heimspiel. Die Familie und Freunde der Musiker sind auch da. „Hallo Mama, Hallo Papa. Obwohl sie unsere Musik nicht hören, sind Sie heute hier“, sagt Leadsänger Michael Spieler. Es geht richtig ab zu tropischen Beats und feinstem Indie. Zwei neue Songs sollen noch in diesem Jahr erscheinen.

Wer das Gefühl hat, dass aus Deutschland keine andere Musik mehr als Mark Forster oder Max Giesinger kommt, oder wer sich an Milky Chance und AnnenMayKantereit sattgehört hat und mal was Neues zum Hören braucht – dem sei das egoFM Fest empfohlen. Nicht jede Band sagt einem zu. Aber man hat die Abwechslung – und vielleicht hört man die zukünftige neue Lieblingsband im kleinen, entspannten Rahmen mit lauter Musikbegeisterten vor allen anderen. Wir freuen uns auf das egoFM Fest 2019!

Bericht: Katharina Holzinger