Dumbo (2019) – Filmkritik

(3 / 5)

©2018 Disney Enterprises, Inc.

 

 

 

Regisseur: Tim Burton

Genre: Familienfilm, Abenteuerfilm

Produktionsland: USA

Kinostart: 28. März 2019

Laufzeit: 1 Std. 52 Min.

 

 

 

Seit geraumer Zeit scheint sich „Disney“ auf einem echten Realverfilmungs-Trip zu befinden: Auf „Cinderella“, „Das Dschungelbuch“, „Die Schöne und das Biest“ und „Christopher Robin“ folgen schon bald „Aladdin“, „Der König der Löwen“ und viele weitere. Böse Zungen behaupten gar, dem Megakonzern würden die Ideen ausgehen, während andere die Strategie als effektive Methode erachten, der Jugend die Film-Perlen längst (!) vergangener Tage näher zu bringen.

Wie dem auch sei: Die Innovationen bei etwaigen Projekten blieben bisher aus – nicht ganz so beim neuesten Streich „Dumbo“: Die knappen 64 Minuten des Zeichentrickklassikers von 1941 mussten zwangsweise für moderne Spielfilmzeiten ordentlich aufgestockt werden. Und nicht nur das – eine zusätzliche Verlagerung der Hauptfiguren von Tieren auf Menschen wirbelt alles soweit durcheinander, dass der Film bis auf die Quintessenz de facto kaum noch etwas mit dem Original zu tun hat. Und ehe man sich versieht, wird aus dem ursprünglich bescheidenen Mini-Märchen ein modernes Bombast-Abenteuer.

Max Medici’s (Danny DeVito) überschaubarer Zirkus hat ungewöhnlichen Nachwuchs: Den kleinen Elefanten „Dumbo“, welcher für seine riesigen Ohren erst mal ordentlich gemobbt wird. Schnell wird er deshalb unter die Fittiche vom ehemaligem Zirkusstar Holt Farrier (Colin Farrrell) und dessen Kindern Milly (Nico Parker) und Joe (Finley Hobbins) genommen. Der Degradierung zur Clownsattraktion entkommt er trotzdem nicht – zumindest bis zur Entdeckung seiner besonderen Fähigkeiten: Dumbo kann nämlich mithilfe seiner Ohren fliegen. Ein Wunder, welches schnell die Runde macht und für einen wahren Besucheransturm sorgt. Es dauert nicht lange, bis auch der Unternehmer V.A. Vandevere (Michael Keaton) vor der Tür steht und den Vorschlag unterbreitet, den gesamten Zirkus mit großer finanzieller Aussicht in seinen riesigen Freizeitpark ‚Dreamland‘ zu integrieren…

©2018 Disney Enterprises, Inc.

Der erste große Twist für Uninformierte: Filmlegende Tim Burton persönlich hat den Film inszeniert. Schlecht fühlen muss man sich aber nicht, wenn das einem entgangen sein sollte: Bis auf wenige geschwungene Linien in der Dreamland-Ästhetik lässt nicht viel auf den Meisterregisseur schließen – die einstigen überstilisierten und surrealen Farben- und Formenspiele sind hier kaum wiederzufinden. Stattdessen gibt es den Disney-Look auf neuestem Stand serviert: Optimistisch farbenprächtige CGI-Bilder mit professionellen Kamerafahrten – alles sieht absolut makellos, ja gar fantastisch aus. Nur die Risikobereitschaft für das Besondere, das Abwegige fehlt ein wenig. Vielleicht hat ein so großer Name wie Burton aber dabei geholfen, die geballte Starpower von Danny DeVito, über Colin Farrell und Michael Keaton bis Eva Green an Land zu ziehen. Solche bekannten Gesichter möchte man selbstverständlich nicht mit bloßen Stimmrollen für animierte Tiere verpulvern und deshalb wurden Rollen wie die Maus Timothy Q, der Storch oder die Elefantencrew rund um Matriarch und Prissy mehr oder minder radikal gestrichen – und durch Menschenrollen der Zirkusmanege ersetzt. Ein kleines Wunder, dass der titelgebende Held Dumbo nicht ebenso gekickt wurde. Dessen Job beschränkt sich im Endeffekt aber trotzdem nur auf überspannt süß, glücklich oder traurig dreinblicken. Sprechen können Tiere in diesem Film nämlich nicht.

©2018 Disney Enterprises, Inc.

Dem kriegsgeschädigten Farrier fehlt ein Arm, die restlichen Zirkusangestellten sind drollig unbeholfene Klischees und Dumbo selbst ist Weltmeister im „große-Barbie-Augen-machen“. Kurzum: Man wird zum Mitfühlen und zur Identifikation mit den höchst sympathischen Helden genauso gezwungen, wie zum Hassen der endlos böswilligen, für den Film eigens neu erfundenen, Gegenspieler. So weit weg die Figuren und die Erzählung damit auch vom 1941er Film sind, so unoriginell ist das Ganze leider auch. „Dumbo“ fühlt sich größtenteils wie ein neuer Film in altbekannten Bahnen der schmerzfrei flotten Massenunterhaltung an – keine Wendung oder Figur überrascht. Doch ehrlich gesagt: Da wir uns in einem unschuldigen Märchen befinden, geht das vollkommen klar! Es macht großen Spaß, wenn der kleine Elefant das erste Mal elegant durch die Lüfte schießt, die zukunftsträchtigen Attraktionen von Dreamland zum Staunen einladen oder DeVito’s hektischer Hausaffe unsere Lachmuskeln beansprucht. Wir finden also einen gutmütigen Film mit ansteckendem Pathos und großer Liebe für die eigens erschaffene Welt vor – und die vielen kleinen Referenzen zum Original (das Highlight sind dabei die tanzenden rosa Elefanten) zeugen zudem von großer Dankbarkeit für den Stoff. Nur wenn gen Ende auf einmal ausufernd apokalyptische Zustände herrschen, wartet man noch vergebens auf einen vorbei sausenden Iron Man – und fragt sich, ob denn nun wirklich jeder Film ein ‚Grande Finale‘ nötig hat.

Fazit: „Dumbo“ bringt das Wenige, was er erzählen möchte, mehr als solide über die Bühne und man bekommt das, was man erwartet – nur irgendwie anders. Statt einer kleinen, ruhigen Zirkusfabel gibt es leicht größenwahnsinnige Hyperaktivität. Aber das ist ja auch gut so – die langsame Version gibt es schließlich schon. Eine kleine Daseinsberechtigung hat sich Version 2 damit durchaus erschaufelt, wenn auch nicht so stark wie der herrlich nostalgisch immersive „Mary Poppins Returns“ noch vor einigen Monaten.

(3 / 5)