Downsizing – Filmkritik

(3 / 5)

© Paramount Pictures

Regisseur/in: Alexander Payne

Genre: Sci-Fi, Drama, Komödie

Produktionsland: USA

Kinostart: 18. Januar 2018

Laufzeit: 2 Std.15 Min.

 

Originalität – jeder eifert ihr hinterher. Wer möchte schon einen weiteren Roland Emmerich Katastrophen-Film oder Alien 37 sehen, wenn das Genre der Science Fiction gerade erst begonnen hat, seine Fühler wirklich auszustrecken. Alexander Payne beweist in seiner neuen Tragikkomödie, dass es noch so viel zu entdecken, zu erforschen und zu philosophieren gibt, was die Zukunft der Menschheit anbelangt. Und dafür braucht es nicht immer ein 150-minütiges Action-Feuerwerk – allerdings eine zielsicher konzeptuierte Erzählung. Und das will in „Downsizing“ leider nicht durchweg gelingen.

In der Zukunft haben Wissenschaftler eine bahnbrechende Lösung für den ansteigenden, immer problematischer werdenden Ressourcen-Verbrauch der Menschheit gefunden: Das Schrumpfen unserer Spezies auf eine Größe von 5 Zoll. In Aussicht der sich deutlich verringernden Lebenskosten, beschließen auch Paul Safranek (Matt Damon) und seine Frau Audrey (Kristen Wiig), sich verkleinern zu lassen. In letzter Sekunde jedoch springt Audrey voller Panik ab – zu spät, denn Paul wurde bereits unwiderruflich geschrumpft. Völlig am Boden zerstört versucht er nun ein neues Leben aufzubauen. Sein frischer Nachbar Dusan (Christoph Waltz) und die aus Vietnam geflohene Ngoc Lan (Hong Chau) stehen ihm dabei zur Seite…

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Klar, anfangs klingt die Vorstellung verdammt witzig, dass dein 12,7 cm großer Kumpel mit einem Mini-Bier auf einer flachgelegten Müsli Schachtel vor dir hockt und von seiner neuen Heimat „Leisureland“ (aus Sicht eines gewöhnlich großen Humanoiden im Prinzip eine Spielzeugstadt) schwärmt. Und natürlich wird das Gag-Potential in dieser Hinsicht vollends ausgenutzt. So diskutieren beispielsweise eine 5-Zoll Frau und ein ca. 14-mal größerer Mann nebeneinander im TV über die Konsequenzen dieser bahnbrechenden Wissenschaft, ein neureicher Mini-Typ präsentiert seine super-billige, aufklappbare Villa im Barbie-Flair als den neuen heißen Shit und Flachbildschirme können nun zu einer Art riesigen Leinwand umfunktioniert werden. In dieser Hinsicht zeigt „Downsizing“ durchaus Erfindergeist. Vor allem aber deutet er das eigentlich mögliche Potential an, welches leider nicht wirklich ausgeschöpft wird. Hier und da wird sich an Themen wie die neue Begünstigung des Terrorismus, die Rechtslage und der „Wert“ der Mini-Menschen oder die Zwangsverkleinerung unerwünschter ethnischer Gruppen herangetastet – kratzt dabei aber durchweg lediglich an der Oberfläche.

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Kein Wunder, denn die verfügbare Spielzeit wollte Regisseur Alexander Payne wohl auf andere Weise füllen: „Downsizing“ ist im Kern vor allem eine skurrile Unterhaltungs-Komödie geworden – mit scharfkantigen Witzen, welche größtenteils auch wunderbar zünden. Allerdings verliert sie dabei über weite Strecken ihren ursprünglichen Kniff. Nach einer sehr entbehrlichen Vorgeschichte folgt ein kleiner, höchst interessanter Einblick in die neue Gesellschaft und deren Umgang mit der neuesten Technologie. Auch das Prozedere vor und beim Schrumpfen ist sehr interessant dargestellt. Zunächst muss sich unser Protagonist dann auch wie erwartet in der neuen Umgebung zurechtfinden – aber schnell wird klar: So anders ist diese Welt gar nicht. Und schon schlägt die Handlung immer weiter aus, um das Interesse des Betrachters ja hochzuhalten. Aus einem Science-Fiction-Abenteuer wird ein einziges Selbstfindungs-Labyrinth – dass die Geschichte vorhersehbar sei, könnte man dem Film demnach immerhin als allerletztes vorwerfen. Der steinige Weg des Protagonisten verläuft von ausufernden Hauspartys über Bootsfahrt-Expeditionen bis hin zu einer überschwänglichen Romanze, aber zu selten und zu sporadisch werden im Endeffekt die komplexen Konsequenzen eines geschrumpften Daseins aufgegriffen. Und wenn, dann werden unzählige Konzepte dieser „neuen“ Welt häufig ad absurdum geführt. Das wirtschaftliche/finanzielle Konzept macht absolut keinen Sinn und die physikalischen Folgen für Mini-Menschen werden weitgehend ignoriert. Selbstverständlich wird dies dann unterschwellig versucht abzutun, schließlich handelt es sich hierbei um eine Komödie. Die tiefliegende Dramatik solch eines Kolosses fühlt sich allerdings schlichtweg zu ernst an – eine seriösere Herangehensweise, ein Vollblut-Drama hätte das Geschehen hierbei ordentlich aufgemöbelt. Vor allem aber hätte man auf die unnötigen Handlungsstränge verzichten und sich mehr auf das Wesentliche konzentrieren sollen.

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Zum Glück poliert das Schauspieler-Ensemble ordentlich auf. Christoph Waltz spielt zwar wieder irgendwie Christoph Waltz, aber die Version des liebenswerten, zugleich machohaften Partyhengstes und Geldgeiers ist dabei trotzdem neu in seiner Palette. Matt Damon muss sowieso niemandem mehr beweisen, dass er als charismatischer Protagonist zu glänzen weiß. Hong Chau jedoch hat es mit ihrer Rolle deutlich am schwierigsten. Die Liebespaar-Chemie zwischen Kristen Wiig und Matt Damon wirkt über die kurze Zeitspanne am Anfang leider viel zu perfekt – zwischen Chau und Damon konnte dies trotz verhältnismäßig langer Screentime nicht mehr annähernd so wiederholt werden: Durchaus mit viel Herz geschrieben, aber leider zu blass auf die Leinwand gebracht. Was heißt dies nun zusammengefasst? In „Downsizing“ steckt tief verborgen alles, was zu wahrer Größe verholfen hätte. Die Ansätze und die Umsetzung sind bis zu einem gewissen Punkt stets fantastisch. Hätte man sich also nicht mitreißen lassen, die Weiterführung so vieler kongenialer Ideen mit einer herkömmlichen, braven Selbstfindungs-Romanzen-Combo zu ersetzen, dann wäre ein markerschütterndes Meisterwerk entstanden. Das Zeug dazu hat Alexander Payne allemal.

Fazit: Eine gute Idee macht leider noch lange keinen guten Film. „Downsizing“ hätte ein düsterer Diskurs über die selbstzerstörerische Ader des Menschen, eine augenöffnende Zukunftsvision zur ansteigenden Umweltproblematik und ein Metaphern-Gelage zu aktuellen, politischen Ereignissen werden können. Während sich dies zwar vereinzelt in Ansätzen wiederfindet, ist der Film aber vor allem eines: Gute Unterhaltung.

(3 / 5)