Märchensommer in der Stadt – „Dornröschen – Das Musical“ im Deutschen Theater (Kritik)

Sonntag, 18. August 2019, 30 Grad. München brüht. Da ist ein Weg ins gekühlte Deutsche Theater München eine willkommene und vor allem klimatisch angenehme Abwechslung. „Dornröschen – Das Musical“ feiert seine Premiere im großen Saal, ein Gastspiel der Brüder Grimm Festspiele Hanau. Bereits letztes Jahr gastierte „Vom Fischer und seiner Frau“ als August-Gastspiel im Stadttheater in der Schwanthalerstraße – mit großem Erfolg! Nun wird es noch einmal märchenhafter und deutlich klassischer, denn Dornröschen dürfte wohl zum größten aller Märchen-Klassiker zählen. Das Interesse ist groß, der Saal voll.

© Hendrik Nix

2018 wurde das Werk in Hanau uraufgeführt, die Musik stammt aus der Feder von Marian Lux, der bereits beim Medicus-Musical involviert war, Buch und Liedtexte kommen von Wolfgang Adenberg. Der Stoff selbst ist natürlich bereits hunderte Jahre alt und lässt sich auf die Gebrüder Grimm zurückführen – dementsprechend erwartbar sind die einzelnen Wendungen, dementsprechend bekannt der Plot. Das Musical schafft es dennoch, einen frischen und neuen Touch in die märchenhafte Geschichte zu bringen: Dornröschen träumt und sieht durch Beihilfe der Fee Aurora, was dazu geführt hat, dass sie im 100-jährigen Schlaf gefangen ist. Dabei streuen beide immer wieder moderne, popkulturelle Einspielungen von Harry Potter bis Fack ju Göhte ein, die zwar teilweise als Gags nicht zünden, aber dennoch zum jugendlichen und leicht verständlichen Sprachstil der Produktion passen. Das Musical selbst, welches im ersten Akt 60 Minuten und anschließend im zweiten Akt noch einmal 45 Minuten umfasst, überfordert durch die Lange auch die kleinsten Besucher nicht und eignet sich dadurch wunderbar als Familien-Theaterbesuch. Die düsteren Momente sind deutlich, allerdings zu keinem Zeitpunkt zu bedrohlich für Kinder.

© Hendrik Nix

Dabei spielt und singt Franziska Becker als böse Fee Selena so eindringlich, dass ihr beim abschließenden Applaus zurecht der lauteste Beifall zuteil wird. Auch Lisa Toh als Dornröschen weiß als griesgrämig-zynische Pubertierende zu gefallen, wobei ihre „Freche Göre“-Attitüde anfangs durchaus Geduld fordert. Dennis Hupka in der Rolle von Selenas Diener Edmund mag zwar eine kleinere Präsenz haben, kann aber gesanglich mit seinen Soli-Stücken mehr als begeistern. Allgemein ist die Musik fein und eingängig komponiert, leicht verdaulich, aber nicht anspruchslos. Zwar bleibt kein Ohrwurm, den man die nächsten Tage nicht mehr los wird, aber ein irrsinnig stimmiges Gesamtbild von Luxs Musik. Und wenn am Ende Prinz Alexander (Kurosch Abbasi) nach siegreichem Kampf zu seinem Dornröschen eilt, sie aus dem Schlaf wach küsst und alle wieder erwachen, dann ist das klassische Happy End erreicht und das Publikum kann munteren Gemüts in die sonntägliche Abendsonne entlassen werden. Vielleicht kein Theaterbesuch, der für ewig besteht, aber nichtsdestotrotz ein sehr, sehr schöner und empfehlenswerter.

„Dornröschen – Das Musical“ läuft noch bis 31. August im Deutschen Theater, TICKETS gibt es HIER!

Kritik: Ludwig Stadler