Indestructible – Disturbed im Zenith (Konzertbericht)

Schon vor Monaten, als die Ankündigung erfolgte, ging ein gespanntes Raunen durch die Münchner Rock- und Metal-Szene: Disturbed kommen wieder nach München! Auf ihrer „Evolution“-Tour zum gleichnamigen Album machen sie in nicht allzu vielen Städten weltweit Halt, aber München ist das erste Mal seit 2008 wieder als Headliner auf dem Plan – keine Frage für uns also, dass wir an diesem Donnerstag, 25. April 2019, unbedingt ins Zenith müssen. Das Konzert ist seit Ewigkeiten ausverkauft, ganz wenige Restkarten dank Rückläufern gibt es an der Abendkasse.

© Paul Harries

Den Abend selbst eröffnen die britischen Reggae-Metal-Heroen von Skindred. Dass man für ein restlos ausverkauftes Konzert im Nachgang so eine große Band bestätigt, überrascht, erfreut aber zugleich die nicht gerade wenigen Freunde der Musik, die nun gleich in den Genuss von zwei Genre-Größen im NuMetal kommen. Die Band um Frontmann Benji Webbe nutzen den Platz auf der Bühne sichtlich aus und spielen sich mit etlichen Interaktionen, die glücklicherweise durchgehend gelingen. Auch der Sound ist ihnen wohlbekommen: aus den Boxen tönt ein glasklares und äußerst drückendes Gemisch, für das Zenith durchaus unüblich. Für die knapp 40-minütige Spielzeit gelingt es den Musikern in jedem Fall, das recht lustlose Publikum in Fahrt zu bringen – und stellt den Headliner vor eine ordentliche Aufgabe, das zu überbieten.

Setlist: Big Tings / Ratrace / Machine / That’s my Jam / Kill The Power / Nobody / Warning

Wesentlich größer ist die Spannung allerdings, als sich die Halle um 20:55 Uhr verdunkelt und ein nostalgisches Recap der letzten zwei Jahrzehnte Disturbed beginnt. Kurz danach marschieren dann auch die Musiker auf die Bühne und starten ihr langes Set mit „Are You Ready“ – einen passenderen Opener gibt es derzeit wohl kaum in der Diskografie. Der Sound ist zwar etwas matschiger als wie zuvor bei Skindred, nichtsdestotrotz wesentlich besser als der übliche Brei im Zenith und lässt alle Instrumente deutlich erkennen. Die Musiker selbst scheinen auch nach etlichen Jahren noch Lust auf ihre Lieder zu haben und hängen sich in Songs wie „Stupify“ und „Prayer“ voller Elan hinein – einzig Sänger David Draiman scheint zu Beginn arg gelangweilt, lockert sich aber im Laufe des Konzerts und wird vor allem gegen Ende hin, als der Beamer aufgrund der Hitze plötzlich ausfällt, wesentlich aufgeschlossener.

Der Beamer-Ausfall ist es auch, der die Band kurzzeitig ratlos zurücklässt, da sich die gesamte Show mit Interludes und Einspielern darauf aufbaut. Kurzerhand entschließen sich die Musiker, einfach altmodisch ohne große Show weiterzuspielen und die Setlist nur ein wenig umzuwerfen und Songs zu vertauschen. Draiman ist dabei auch persönlicher in den Ansagen – und auch emotionaler. So kämpft er bei „A Reason To Fight“ deutlich mit den Tränen. Im Anschluss bittet er alle, die mit psychischen Problemen kämpfen oder Personen kennen, die mit welchen zu kämpfen haben, die Hände zu haben – es meldet sich fast die ganze Halle. Noch mitreißender ist einzig eine Familie, die Draiman für die Zugabe „The Light“ auf die Bühne holt und erzählen, dass ihr junger Sohn verstorben sei und ihre Lieder ihnen Kraft und Mut gäben. Ein wuchtiger Moment in der Halle, der abermals nicht alle Augen trocken lässt.

Leider lässt sich das Publikum sonst weniger mitreißen und bleibt selbst in den vordersten Rängen bewegungslos – bei Liedern wie „Ten Thousand Fists“ und „Stricken“ absolut unverständlich. Die Band selbst hat sich nichts vorzuwerfen – sie haben aus der schwierigen Situation das Beste gemacht und eine ordentliche Rockshow abgeliefert, die mit satten zwei Stunden Spielzeit und ihren Allzeit-Klassiker „Down With The Sickness“ ein gebührendes Ende findet. Und ja: selbst das „The Sound Of Silence“-Cover mit zwei Zusatz-Streichern kann vollends gefallen, selbst wenn das Radio es schier totgespielt hat. Bleibt nur noch zu hoffen, dass der nächste Headliner-Besuch nicht elf Jahre auf sich warten lässt, denn trotz Sellout- und Kommerz-Vorwürfen: Disturbed rocks!

Setlist: Are You Ready / Prayer / The Vengeful One / The Animal / Stupify / Voices / Land Of Confusion (Genesis cover) / Ten Thousand Fists / The Game / No More / Hold On To Memories / A Reason To Fight / The Sound Of Silence (Simon & Garfunkel cover) / Indestructible / Inside The FireZugaben: The Light / Stricken / Down With The Sickness

Bericht: Ludwig Stadler