Mein Baby gehört zu mir – Dirty Dancing im Deutschen Theater (Kritik)

Johnny und Baby tanzen wieder in den Tanzbereich des anderen – dieses Mal als Musical!

© Jens Hauer

Die Liebesgeschichte zwischen der jungen und naiven Baby und dem Tanzlehrer Johnny lief 1987 das erste Mal in den Kinos und erreichte schnell Kultstatus. Seitdem ist Dirty Dancing einer der bekanntesten Liebesfilme überhaupt und ein beliebter Klassiker für Trennungsschmerz, die Vorweihnachtszeit und für Romantiker auf der ganzen Welt.

Eleanor Bergstein, die Regisseurin des Streifens, hat ihre von eigenen Erlebnissen inspirierte Geschichte auch als Musical auf die Bühne gebracht. Nach jahrelangem Erfolg mit über 80 Millionen Zuschauern weltweit feierte die Show am 19. Dezember 18 um 19:30 Uhr abermals Premiere im Deutschen Theater.

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Die Geschichte spielt 1963 in einem amerikanischen Ferienresort (Regie: Alex Balga, musikalisch Leitung: Heribert Feckler), wo der temperamentvolle Johnny auf die naive und lebensfrohe Baby trifft. Anna Weihrauch spielt die Rolle der jungen Frau, die die Welt verändern möchte, so charmant, dass sie sehr an das Original mit Jennifer Grey erinnert. Luciano Mercoli als Johnny macht der Rolle als Tanzlehrer alle Ehre. Was am Anfang alles andere als harmonisch wirkt, entwickelt sich im Laufe der Handlung zu einer rührenden Romanze, bei der zwei vollkommen unterschiedliche Welten aufeinandertreffen. Probleme sind vorprogrammiert, die Eltern (perfekt getroffen: Martin Sommerlatte und Kerstin Ibald)  sehen die Beziehung kritisch, ebenso wie der Hotelbesitzer (Fritz Hille) und sein schmieriger Sohn Neill. Dieser wird von Benjamin A. Merkl mit so viel übertriebener und großartiger Komik gespielt, dass die Figur schon fast sympathisch wird.

Doch nicht nur die Romanze ist Teil der Handlung, sondern auch das Schwangerschaftsdrama von Penny, bei dem sich dann aber alles zum Guten entwickelt. Mit einer unglaublichen Tanzperformance ähnelt Petra Ilse Dam in ihrer Rolle als Penny am meisten dem Original und begeistert mit ihrer grandiosen Performance als Profitänzerin.

Wie es sich für einen ordentlichen Feel-Good-Movie gehört, endet es natürlich alles in einem Happy End. In der Handlung, wie auch am realen Ende der Show. Dazu tragen nicht nur die Hauptrollen bei, sondern auch alle Nebenrollen und die Backgroundtänzer, die den Hauptdarstellern in tänzerischem Können in nichts nachstehen. Man weiß oft nicht, wohin man schauen soll.

© Jens Hauer

Für starke Gänsehautmomente sorgen auch die beiden Lead Sänger (Cheyenne Lont und Charles Kreische, letzterer auch in der Rolle von Billy). Für die meisten Lachmomente ist definitiv Ahoi Nikazar als die affektierte Schwester Lisa Vorreiter.

Fans des Filmes werden begeistert sein: Die Dialoge sind fast eins zu eins wie im Kinoklassiker. Dem Titel wird alle Ehre gemacht, denn der Fokus der Show liegt definitiv auf dem Tanzen! Die Choreographien (Austin Wilks) sind mit viel Liebe ausgedacht und werden von allen Tänzern mit viel Herzblut und Spaß dargeboten.

Durch die starke Detailverliebtheit wird man sofort in das Jahr 1963 mit hineingenommen, das Bühnenbild (Roberto Comotti) wird sehr geschickt durch drehende Elemente, Projektionen und einer großartigen Lichttechnik in Szene gesetzt.

Die Show sorgt, genau wie der Film, für leichte Unterhaltung und nimmt sich selbst nicht allzu ernst, was es so unglaublich charmant macht. Mit circa zwei Stunden Länge hat es eine normale Länge für ein Musical, manche Szenen könnte man vielleicht auch weglassen, da sie die Handlung nicht vorantreiben. Man kann jedoch nicht anders, als mit einem wohligem Gefühl aus dem Theatersaal zu gehen, wenn Johnny wieder sagt: „Mein Baby gehört zu mir!“

Dirty Dancing wird bis zum 13. Januar 2019 im Deutschen Theater aufgeführt.