Rinkaku – Dir En Grey im Technikum (Konzertbericht)

In Japan sind sie ziemliche Superstars: Dir En Grey. Die ultimativen Überflieger aus Asien sind schon seit ganzen 21 Jahren unterwegs und haben selbst in München über die letzten Jahrzehnte bereits von Muffathalle zu Backstage bis Olympiahalle gefühlt jede Rock-Location abgedeckt. So selten wie ihre Besuche in Deutschland und Europa allgemein auch sind, landet München doch fast immer wieder auf dem Tourplan, so auch dieses Jahr, als die Metaller der Weg am 18. Oktober 2018 ins Technikum führte.

Bereits im Vorfeld gibt es ein paar Problematiken mit der Location, weshalb die Show kurzerhand von der Neuen Theaterfabrik ins Technikum wandert und automatisch ausverkauft, da der Club doch etwas kleiner als die neue Konzertlocation in Johanneskirchen ist. So ist es kaum verwunderlich, dass der riesengroße Ansturm erst einmal etwas schwierig gehandhabt werden kann, als die Tore um etwa 18:40 Uhr öffnen. Längeres Ausharren ist angesagt, bis man dann nach frühestens 30 Minuten doch in die Location und Halle findet. Eine Vorband gibt es keine, die Headliner des Abends starten direkt und unverblümt um kurz nach 20 Uhr. Eine riesengroße Leinwand springt an, die problemlos die gesamte Bühne ausfüllt.

Vor farbigen Bildern betreten die Musiker unter unsagbar riesigem Jubel die Bühne, wobei es sich doch einmal lohnt, einen Blick in das Publikum zu werfen. Tatsächlich befinden sich, neben dem Fan knüppelharter Metal-Musik, allen voran weibliche Fans und Anhänger der Visual Kei-Szene, wenngleich auch sicherlich nicht mehr so exzessiv wie zum Beginn der Karriere. Auch aus der neueren Cosplay-Richtung pilgern einige zum Konzert, genauso wie simpel J-Metal-Fans. Ob denn nun genau die Musik oder doch einfach der Kult-Status der Band im Heimatland ausschlaggebend ist, bleibt natürlich ein Geheimnis.

Dass Dir En Grey allerdings alles andere als unbekannt sind, sieht man alleine an ihrer riesigen Produktion und dem routinierten, professionellen Auftreten. Das gesamte Konzert ist eine Show, perfekt konzipiert und durchgetaktet – jeder Handgriff sitzt, kein Ton geht daneben. Das ist alles zwar wahnsinnig beeindruckend und auch musikalisch mächtig stark, aber letztendlich ist die Band auf er Bühne des Technikums einfach vollkommen falsch. Die Musiker gehören auf eine größere Bühne, ihrer Produktion und irgendwie auch ihres Standes würdig – selbst die Neue Theaterfabrik wäre da noch zu klein gewesen. So kommt man natürlich in den Genuss eines Club-Konzerts einer Musikgruppe, die am anderen Ende der Welt einen viel größeren Status innehaben.

Diesen Status haben die Herren aber auch hier bei ihren Fans. Überraschend textsicher grölt das Publikum bei u.a. „Kodou“ mit, bringt die motiviert performenden Musiker zum Grinsen und sich selbst auf Höchstform. Springen, Kreischen, Headbangen – außer einem Moshpit ist alles andere dabei. Wahrscheinlich will man die Momente einfach nicht verpassen, wenn Frontmann Kyo die irrsinnigsten Töne über etliche Oktaven trifft, während er im nächsten Moment die tiefsten Growls aus seiner Kehle herausholt. Was soll man denn schon zu so einer großartig eingespielten, etablierten Band sagen? Nein, es werden keine Instrumente mehr zerstört und Kyo schneidet sich auch nicht mehr mit dem Fingernagel selbst blutend auf. Das müssen sie auch gar nicht – Dir En Grey sind lange als Live-Instanz bekannt, was sie auch wieder in München eindrucksvoll beweisen. Beim nächsten Besuch dürfen sie aber gerne früher zur Zugabe rauskommen und sich nicht acht (!) Minuten rausklatschen lassen. In Anbetracht der insgesamt 90-minütigen Show nämlich doch etwas arg so lange, so bleiben abzüglich des Intros und der Warterei nur 80 Minuten Spielzeit. Ein wenig mager, bedenkt man den doch recht hohen Ticketpreis.

Setlist: Utafumi / Fukai / Ash / Relevation of Mankind / Wake / Devote My Life / Keibetsu To Hajimari / Rinkaku / The Blossoming Beelzebub / Ranunculus / Ningen Wo Kaburu / Values Of Madness / The IIIrd Empire / Beautiful DirtZugaben: Kodou / Sustain The Untruth / Rasetsukoku

Bericht: Ludwig Stadler