Wünsch DIR was – Die Toten Hosen im Funkhaus (Konzertbericht)

Vergangenes Jahr haben Die Toten Hosen unzählige eigene Open Air-Konzerte gespielt, unter anderem auf den Cannstatter Wasen vor über 60.000 Menschen. Eine unfassbare Anzahl von Leuten, die es umso erstaunlicher macht, dass die Band am 3. Dezember 2019 im Studio 2 des Bayerischen Rundfunks vor rund 150 Personen gespielt hat. Im Rahmen zur Promotion ihres neuestes Live-Unplugged-Albums „Alles ohne Strom“ ziehen die Düsseldorfer durch die Radiostationen und spielen exklusive Konzerte für wenige Gewinner, die sich die letzten Tage wohl wundtelefoniert haben, immer wenn der Ticketalarm auf Bayern 3 aufploppte. Die Belohnung dafür aber lohnt sich wahrlich – im schön bestuhlten Studio 2 wartet ein langer, kommunikativer Abend.

© Markus Konvalin

Weniger ein Konzert, mehr ein Frageabend mit Musik solle das werden, lässt Frontmann Campino verlauten, bevor die Band energievoll mit dem Ramones-Cover „Blitzkrieg Bop“ und „Strom“ loslegen. Neben Campino, Kuddel, Andi, Breiti und Vom selbst gesellen sich Pianistin Esther und Unterstützung an Cello und Akkordeon dazu – ein sattes Soundbild entsteht dabei, wenngleich der Ton insgesamt doch ein wenig zu leise ist. Aber wen stören solche Kleinigkeiten, wenn doch gerade eine der größten Bands der Republik auf der Bühne sind und fast nur für einen selbst spielen? Einen wilden Ausschnitt aus ihrem aktuellen Programm, ganz alten Klassikern und der einen oder anderen Rarität präsentieren Die Toten Hosen an diesen Abend und bringen letztendlich auch satte 19 Lieder unter – obwohl der Auftritt deutlich unter dem Stern der Kommunikation steht. Etwa 75 Minuten dauert das Konzert, immer wieder eingestreut mit ein paar Liedern, dagegen die gleiche Zeit, in denen sich die Band den unzähligen Fragen der glücklichen Gewinner widmen.

© Markus Konvalin

Eine wunderbare Möglichkeit für viele, teils jahrzehntelange Fans, ihre Bewunderung und auch Bedeutung der Band in ihrem Leben auszudrücken. Dass über Generationen hinweg die Hosen nicht nur eine dauerpräsente, sondern auch prägende Gruppierung ist, beweist nicht zuletzt das Alter der Fragensteller: der Älteste hat die 60 bereits überschritten, der Jüngste zählt gerade einmal 18 Jahre. „Ich kenne euch schon mein ganzes Leben“, sagt er, und nicht wenige Anwesende im Raum können das gleiche behaupten. 37 Bandjahre zählt die Bandhistorie bereits – da entstehen Geschichten, die ein Leben lang halten. So ist beispielsweise das Mädchen aus dem Video zu „Eisgekühlter Bommerlunder“ vor Ort – mittlerweile längst eine erwachsene Frau im besten Alter, die erzählt, dass die Kirche bei Fürstenfeldbruck, in der das Video gedreht wurde, anschließend neu geweiht werden musste. Aber auch Fragen zum Songwriting, Campinos Ring am Finger, die gleichnamigen Lutschbonbons oder der Tote Hosen-Singstar-Edition ließen nicht allzu lange auf sich warten, selbst dem einen oder anderen Signierwunsch kommen die Herren hinterher. Als sie sich auf der Bühne dann doch in eine kleine Fußball-Diskussion verzetteln und Campino von seinem mehr oder minder traurigen Abschied als Kicker auf Promi-Events erzählt, lenken die anderen ein – Zeit für Musik, Zeit für „Auswärtsspiel“!

Erst gegen 22:30 Uhr biegen die Hosen langsam in die Zielgerade ein und kündigen mit „Hier kommt Alex“ in einer schrägen Blues-Akustik-Rock-Version ihren Abschied an. Natürlich währt das nicht lange und sie lassen sich zu einer 3-Song-Zugabe hinreißen. Zuvor hat sich ein männlicher Fan das „Ohne Dich“-Cover von Rammstein gewünscht – basisdemokratisch habe man abgestimmt, sagt Campino zu Beginn der Zugaben, aber man wolle dann doch jetzt eher abgehen, „Ohne Dich“ gäbe es dann beim nächsten Mal. Das ist zum Glück in sichtbarer Zukunft: am 30. Juni und 1. Juli 2020 kommen Die Toten Hosen in die Olympiahalle. Für den zweiten Termin gibt es sogar HIER noch Karten! Wer allerdings an diesem Abend dabei gewesen ist, weiß, dass der Olympiahallen-Termin niemals mithalten kann. „Jetzt haben wir ein paar von euch besser kennengelernt, sowas geht nicht einmal bei 20 Shows in der Olympiahalle“, schmunzelt Campino zum Abschluss. Ein feines Schlusswort.

Setlist: Blitzkrieg Bop (Ramones cover) / Strom / Laune der Natur / Still, still, still / Paradies / Das ist der Moment / Liebeslied / Kamikaze / Wannsee / Auswärtsspiel / Feiern im Regen / Bonnie & Clyde / Schwere (-los) / Willkommen in Deutschland / Pushed Again / Hier kommt AlexZugaben: Wünsch DIR was / Du lebst nur einmal (vorher) / You`ll Never Walk Alone (Rodgers & Hammerstein cover)

Bericht: Ludwig Stadler