„Das Kleid ist rosa!“ – „Die Schöne und das Biest“ im Deutschen Theater (Kritik)

Ja, rosa. Das Publikum der Premiere des Musicals „Die Schöne und das Biest“ am 29. November 2018 im Deutschen Theater München war doch sichtlich verwirrt, als die Protagonistin Belle plötzlich in einem rosa Glitzerkleid auf der Bühne steht anstelle des erwarteten goldenen Ballkleides, welches alle Disney-Fans vor Augen haben, wenn nur der Stückname fällt. Aber niemand wird enttäuscht, es braucht nur noch ein bisschen Geduld. Ich verspreche, dass Ballkleid kommt.

© Stefan Malzkorn

Das Musical „Die Schöne und das Biest“ basiert auf dem 1991 erschienen, gleichnamigen Disneyfilm, dieser wiederum auf einem alten Volksmärchen aus Frankreich. 2017 kam zusätzlich zum seit 1994 existierenden Musical eine Realverfilmung des Publikumslieblings in die Kinos. Die Produktion des Budapester Operetten- und Musicaltheaters steht diesen Inszenierungen dabei in nichts nach. Bühne, Kostüme und Darsteller sind hochprofessionell und weitaus detaillierter als man es bei einer Show on tour, die nicht auf nur ein Theater, sondern auf gleich mehrere Bühnen zugeschnitten sein muss, erwartet hätte.

Belle ist eine außergewöhnliche Disneyprinzessin, die nicht umsonst die Lieblingsheldin vieler Kinder geworden ist. Sie ist klug, starrköpfig und lässt sich nicht so leicht verunsichern – auch wenn ihre Umgebung sie dafür als seltsam abstempelt. Im Gegensatz zu den anderen Mädchen in ihrem Dorf hat sie ganz andere Interessen, als nur darauf zu warten einen Mann zu heiraten und Kinder zu bekommen, denn Belle ist ambitioniert und zielstrebig. Zwar wird sie von der Dorfgesellschaft als konkurrenzlose Schönheit betitelt, aber sie macht sich nicht viel daraus. Als sie sich freiwillig opfert und den Platz ihres Vaters in der Gefangenschaft des Biests einnimmt, zeigt sie Aufopferungsbereitschaft und viel Mut, der sich letztlich auszahlt. Belle verteidigt das Biest gegenüber der blutgierigen Dorfgemeinschaft und kann letztlich nur zusehen, wie ihr ehemaliger Verehrer das Biest attackiert und schwer verletzt. Sie gesteht dem sterbenden Biest, das sie während ihrer sogenannten Gefangenschaft sehr gut kennengelernt hat, ihre Liebe und bricht damit den Fluch, der auf dem Biest, seinem Schloss und seinen Angestellten geruht hat. Das Biest verwandelt sich zurück in den Prinzen, der er einmal war und Belle, die sich zuvor in den Charakter des Biests verliebt hat, ohne sein Äußeres zu beachten, ist zunächst verwirrt, bevor sie ihr Happy End akzeptieren kann.

© Stefan Malzkorn

Der Cast des Musicals verleiht dem durchaus bekannten Stoff neue Magie. Die Darstellerinnen und Darsteller beeindrucken mit ihrem tänzerischen, schauspielerischen und stimmlichen Talent. Wenn Kitti Jenes auf der Bühne als Belle zu singen beginnt, kann man im Publikum nichts als Bewunderung empfinden, während man sich von ihrer Ausdruckskraft und dem mitschwingenden Optimismus, der sie zu einer sehr authentischen Belle macht, verzaubern lässt. Im Gegensatz dazu kann Sándor Barkóczi als erstaunlich verwundbares Biest nicht nur Kinderaugen glänzen lassen, wenn er nicht grade angsteinjagend über die Bühne tobt und den Zuschauer in seinem Sitz zucken lässt. Die entstehende Romantik der beiden wird begleitet durch die unglaublich humorvolle Zusammenarbeit von Ádám Bálint (Lumière) und Ottó Magócs (Herr von Unruh), die durch ihre unglaublich komische Slapstick-Comedy die Vorstellung zu einem sehr heiterem, unterhaltsamen und kurzweiligen Vergnügen machen. Die hervorragenden Stimmen des gesamten Casts glänzen gemeinsam mit dem Orchester unter der Leitung von László Makláry in den berühmten Liedern des Disneyfilms, die zum Mitsingen und Träumen einladen.

Die Geschichte von Belle und ihrem Biest ist auf der Bühne des Deutschen Theaters dank der liebevollen Kostüme und dem technischen Aufwand, der für diese Produktion betrieben wurde, ein Erlebnis für Kindern und Erwachsene und gerade in der Vorweihnachtszeit einen Besuch wert. Und ja, natürlich trägt Belle zum Schluss ein wunderschönes goldenes Ballkleid – es ist schließlich Disney.

Kritik: Anna Matthiesen