Destination Wedding – Filmkritik

(3 / 5)

© Ascot Elite Entertainment

 

 

 

Regisseur/in: Victor Levin

Genre: Romanze, Komödie

Produktionsland: USA

Kinostart: 02. August 2018

Laufzeit: 1 Std. 26 Min.

 

Seit geraumer Zeit feiert der einstweilig vergessene Keanu Reeves in der „John Wick“-Reihe als Rächer mit Stil ein regelrechtes Comeback. Dessen Steckenpferd waren Action-Feuerwerke jedoch schon immer: Ob in der legendären „Matrix“-Trilogie oder „47 Ronin“ – er haut Leuten eigentlich zuverlässig die Hucke voll. Nicht so in Victor Levin’s neuestem Streich: Wortkarg wie eh und je, dafür aber energielos und schwermütig, ist er diesmal an der Seite von „Stranger Things“-Star Winona Ryder (anti-)romantisch unterwegs: Eine sarkastische ‚Rom-Com‘ mit ungewöhnlichem Pärchen in einem ungewöhnlichen Setting.

Frank (Keanu Reeves) und Lindsay (Winona Ryder) lernen sich zufällig auf dem gemeinsamen Flug hin zu einer kalifornischen Hochzeit eines befreundeten bzw. verwandten Pärchens kennen. Weder haben sie besonders Bock auf das Sternstundenwochenende noch können die beiden sich überhaupt leiden. Da jedoch beide liebend gern über das unverdient glückliche Brautpaar und überhaupt sämtliche Schlechtigkeiten des Lebens lästern, findet sich schnell doch noch eine gewisse Schnittmenge. Und wenn es schließlich bei einem gemeinsamen Spaziergang zur Sache geht, ist die prickelnde Hassliebe nicht mehr von der Hand zu weisen…

© Ascot Elite Entertainment

Stellenweise fühlt sich „Destination Wedding“ ja etwas ‚outdated‘ an: Romantisch seichten Herzschmerz mit warmer, griechischer Bouzouki-Volksmusik gibt es im Überfluss und hat mit den 2000er Jahren seinen Siedepunkt ohnehin lange überschritten. Die Leute wollen einen Twist im tristen Genre – und bekommen ihn auch: Die Hochzeits-Idylle wird durch einen kargen Rationalismus der Protagonisten entmachtet, welche das Geschehen aus beobachtender Perspektive pessimistisch kommentieren und für nichts und niemanden mehr wirklich etwas übrig haben. Mit einer ‚Das Leben ist scheiße‘-Philosophie haben sie ihre Hoffnung auf Liebe längst abgelegt und halten das altruistische Getue dementsprechend für sentimentalen Quatsch. Die gegenseitige Verachtung wird schnell zur größten Gemeinsamkeit und der Film in gewisser Hinsicht zur ‚Rom-Com‘-Satire, ähnlich der Funktion von „It’s Always Sunny in Philadelphia“ gegenüber dem ‚Sitcom‘-Genre. Lindsay gibt nicht die verführerisch verschmitzte süße ‚Lady‘, sondern führt Selbstgespräche während sie gerade aus unerfindlichen Gründen Pflanzen anhaucht, und Frank als grimmiger ‚I-don’t-give-a-fuck‘-Dauer-Röchler den perfekten Anti-Gentleman.

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Die größte Besonderheit bleibt jedoch der Inszenierung vorenthalten: Nämlich gilt die Aufmerksamkeit passenderweise ausschließlich den beiden Narzissten – die anderen Charaktere bekommen keine einzige Dialogzeile spendiert und sind stets nur unscharf im Hintergrund zu erahnen. Damit fühlt man sich als Betrachter trotz angeregter Party schnell ähnlich eingekapselt wie die beiden Menschenhasser selbst. Nur ihre ständigen Diskussionen bekommt man mit, welche in gewitzte Wortgefechte über Liebe, Familie und Lebenssinn ausarten. Selbst der gegenseitige ‚Liebesbeweis‘ darf nur als objektiv trockenes Beschreiben äußerer Schönheitsmerkmale geschehen und Sex wird zur kausalen Gegenmaßnahme der Langeweile. Während über ‚Gott und die Welt‘ schwadroniert und dabei krampfhaft versucht wird, das Gegenüber zu vergraulen und sich emotional nicht näher zu kommen, müssen sie sich zu ihrer Missgunst doch noch eingestehen, so etwas wie Glück zu empfinden. Es hilft alles nichts: Sie sind sich gegenseitig sympathisch mit ihrem ulkigen Zwangspessimismus. Und dank einer hervorragenden Leinwand-Chemie von Keanu Reeves und Winona Ryder schließt auch der Betrachter das ungewöhnliche Pärchen schnell ins Herz. Folgerichtig gibt es hierbei natürlich keinerlei Ernsthaftigkeit und schnulzige Dramatik. Kurz und schmerzlos, ein charmanter Zeitvertreib ohne große Ansprüche.

Fazit: Eine ‚Rom-Com‘ der besonderen Sorte, in dem Schnulze durch pfiffigen Sarkasmus ersetzt wird. Und obendrein gibt es noch ein fantastisch harmonisches Anti-Pärchen zu bestaunen. Am Ende des Tages ist das Ergebnis allerdings ’nur‘ eine Romanze mit viel Glitter.

(3 / 5)