‚Sieben Jahre lebt‘ ich in Batavia‘ – ‚Der Vetter aus Dingsda‘ am Gärtnerplatztheater

Der dritte Livestream des Staatstheaters am Gärtnerplatz bringt die Operette Der Vetter aus Dingsda zu uns nach Hause ins Wohnzimmer. Lukas Wachernig inszeniert Eduard Künnekes Werk als schrilles, buntes Feuerwerk im Stile der 1960er Jahre, das ganz im Zeichen des Freiheitsbestrebens und der Jugendlichkeit der Zeit steht. Und gute Laune ist bei diesem Mix aus Choreographie, Spiel und fantastischen Stimmen auf jeden Fall sicher. Der Vetter aus Dingsda feierte am 17. Dezember 2020 Premiere am Gärtnerplatztheater.  

© Christian POGO Zach

Das aufwendige Bühnenbild der Inszenierung prunkt mit einer überaus interessanten Gestaltung des Gartens der Villa de Weert. Neben einem Swimming-Pool inklusive Sprungbrett, Liegestühlen und einer Spanferkel-Grillstation gibt es für das Auge des Zuschauers noch viele weitere spannende Dinge zu entdecken. Besonders viel Mühe und Erfindungsgeist wurde in das Schwimmbecken gesteckt, in welchem die Darsteller doch tatsächlich unter Wasser zu verschwinden scheinen.

Mit Charme und Liebe zum Detail sind zudem die Kostüme gestaltet, ein Must-See für jeden 60er Jahre Fan. Schrille Schlaghosen, glitzernde Roben und Plastik-Schühchen – bei diesem Mode-Aufgebot fällt es dem Zuschauer sicherlich nicht schwer, eine kurze Zeitreise zu unternehmen. Besonders imposant sind dabei Kostüm und Maske von Erwin Windegger als Josef Kuhbrot und Dagmar Hellberg als Wilhelmine Kuhbrot. Für eine dermaßen imposante Fettleibigkeit und ein dieser in nichts nachstehendes Hinterteil lassen sich die beiden gute zwei Stunden vor Vorstellungsbeginn bereits herrichten. Großes Kompliment an dieser Stelle an das gesamte Team der Kostüm- und Maskenbildner.

Und diese Inszenierung ist nicht nur sehenswert, sondern zudem auch ganz besonders hörenswert. Über lustige Up-Tempo-Nummern bis hin zu gefühlvollen Balladen – die Solistinnen und Solisten des Abends liefern in jedem Song eine beeindruckende Performance ab. Und als ob das noch nicht genug wäre, wird dabei zusätzlich noch getanzt und in den Szenen dazwischen mit viel Ausdruck und Witz gespielt. Die Darsteller schaffen es auf ganz besondere, individuelle Weise, Künnekes Figuren Leben einzuhauchen, wodurch die gesamte Inszenierung an Einzigartigkeit und Spielfreude gewinnt.

Wachernigs Der Vetter aus Dingsda bringt garantiert Farbe in den tristen Alltag des Corona-Lockdowns. Tauchen Sie ein in eine Welt der Extremen, des Rauschs und vor allem der ganz großen Gefühle, und genießen Sie diese Flucht aus der Realität, so lange es noch möglich ist.

Die Inszenierung ist unter folgendem Link noch bis zum 19.12. um 23 Uhr als Video-On-Demand verfügbar.