„Man sieht nur mit dem Herzen gut“ – „Der kleine Prinz auf Station 7“ im GOP. München

Die Geschichte des „kleinen Prinzen“ ist wohl fast jedermann bekannt. Schon seit 1943 erobert der kleine Junge aus Antoine de Saint-Exupérys Buch unsere Herzen und nimmt uns mit auf seine Reise auf ferne Planeten. Das GOP. – Varieté Theater interpretiert diese Reise nun neu, mitreißend und herzerwärmend und schafft es, uns unserem Alltag zu entführen und gemeinsam mit dem „kleinen Prinzen“ spannende Welten zu entdecken. Der kleine Prinz auf Station 7 feierte am 23. Juli 2021 Premiere im GOP. – Varieté Theater in München.

© GOP

Regisseur Markus Pabst war schon immer ein großer Fan der Geschichte und schrieb daher in den letzten Jahren an einem Buch, in welchem der „kleine Prinz“ eingebettet sein sollte. Jedoch verlegt er die Handlung auf eine Kinderhospizstation, wo Moritz lebt, ein Träumer, der mit seinen Fantasie-Reisen dem Alltag der Klinik entflieht. Berührend schön wird die Story so auch zum Teil einer Realität und macht aufmerksam auf Menschen, denen weniger Leben geschenkt wurde, denen so eine Flucht aus dem Hier und Jetzt einen Hoffnungsschimmer gibt.

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Auf seiner Reise begegnet der „kleine Prinz“ den Bewohnern verschiedenster Planeten, welche jeweils durch ihre Artistik interpretiert und charakterisiert werden. Ihor Yakymenko als „der Laternenanzünder“ zeigt uns zum Beispiel eine atemberaubende Nummer an der Chinese Pole, zu der er außerdem noch Handstände in schwindelerregender Höhe vollführt und sein Können am Saxofon präsentiert. Und nicht nur er ist ein Allrounder in seinem Können. Tim Kriegler verkörpert ehrlich und emotional den Protagonisten Moritz und vollführt am Ende eine Nummer an den Strapaten, bei der einem als Zuschauer die Luft wegbleibt.

Der Puppenspieler Jarnoth und der Clown Denis Klopov führen gekonnt und sympathisch durch die Show, indem sie als Klinikclowns sozusagen die Verbindung zwischen der echten Welt und Moritz‘ Traumwelt darstellen. Jarnoth schafft es auf einzigartige Weise der Puppe des „kleinen Prinzen“ Leben einzuhauchen und uns so an seiner Reise teilhaben zu lassen. Dabei erzählt er seine Geschichte mit sanfter, warmer Stimme, so dass man sich als Zuschauer in jedes Wort, in jeden Satz und somit in den ganzen Abend hineinfallen lassen kann.

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Das besondere Highlight der Show ist aber der Künstler Ernesto Lucas HO. Dieser sitzt zwar den ganzen Abend abseits der Bühne an einem kleinen Schreibtisch, weshalb man nicht besonders viel von seiner Person wahrnimmt, was er dort jedoch schafft, befindet sich die ganze Zeit über im Fokus des Geschehens. Ernesto malt nämlich live das Bühnenbild, welches hinter den Künstlern somit immer wieder aufs Neue entsteht. Und er fängt jedes Gefühl ein, das auf der Bühne von den Artisten empfunden und transportiert wird und verwandelt dieses mit Farben und Bildern in ein faszinierendes, sich immer veränderndes Bühnenbild-Gesamtkunstwerk.

So entlockt dieser Abend mit seiner ergreifenden Geschichte sicherlich auch die ein oder andere Träne, jedoch bleibt stets ein hoffnungsvoller Schimmer bestehen. Die Botschaft ist klar: Genießt das Leben in vollen Zügen und seid mutig, euch auch ab und zu in ferne Welten zu Träumen, der Realität zu entfliehen und euren Herzen zu folgen. Wie schon Antoine de Saint-Exupéry im Buch so passend sagte: „Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“

Bericht: Rebecca Raitz