Der aussichtslose Klassenkampf – „Der haarige Affe“ im Volkstheater (Kritik)

 

Die Wellen peitschen gegen den riesigen Luxusdampfer. Im Maschinenraum, einem Stahlgebilde, sitzen drei verrußte Männer und diskutieren über ihre Situation. Wer sind sie in dieser Welt der Industrie und des Stahls, was bewirken sie, wer interessiert sich für sie. Mit diesen Fragen setzt sich das Stück „Der haarige Affe“ von Eugene O’Neill auseinander, das nun unter der Regie von Abdullah Kenan Karaca im Volkstheater aufgeführt wird – und leider den Sprung ins Heute verpasst.

© Arno Declair

Das Stück dreht sich dabei primär um den Heizer Yank (Jonathan Müller), der in den 20er im Maschinenraum eines gewaltigen Luxuskreuzers arbeitet. Er selbst sieht sich als Mittelpunkt der Welt, als Zahnrad in der Industrie, als Stahl, der alles zusammenhält. Er verlacht seine Kollegen, den alten Paddy (Jakob Immervoll), der von früheren Zeiten als klassischer Matrose auf hoher See träumt und sich trotzdem nichts weiter wünscht als Sesshaft zu werden, und der junge Long (Silas Breiding), ein Kämpfer für den Kommunismus, der sich einen friedlichen Klassenkampf wünscht. Yanks Welt bricht zusammen, als Mildred Douglas (Nina Steils), die Tochter eines reichen Industriellen, zu ihm nach unten kommt, um nachzusehen, wie die andere Seite lebt. Sie ist angeekelt und beleidigt ihn, während Yank von ihrer Schönheit völlig eingenommen ist. Doch dieser Moment verändert sein Leben: In seinem Ego gebrochen schwört er Rache, und in einem Anflug von Rage tötet er Paddy, der meinte, sie hätte gedacht, er sei doch nichts als ein haariger Affe. An Land versucht Yank, sie in der 5th Avenue zu finden, doch er sorgt nur für Ärger, wird eingesperrt und erfährt im Gefängnis von einer Gewerkschaft, die ihm vielleicht helfen kann, doch auch dort stößt er mit seiner Bitte, die Werke von Douglas in die Luft zu jagen, auf taube Ohren. Verzweifelt geht er am nächsten Morgen in den Zoo, und erkennt sich dort selbst in einem eingesperrten Gorilla, den er befreit, um in der Stadt zu randalieren; doch der Affe tötet ihn.

© Arno Declair

Die Inszenierung des Stücks funktioniert dabei sehr gut. Die Bühne besteht lediglich aus Stahlplatten, Szenenwechsel werden durch einem grellen Neonstreifen eingeläutet, der einmal quer über die Bühne fährt und den Zuschauer so aus seiner grade gefundenen „Behaglichkeit“ herausreißt. Auch die Kostüme sind gelungen, so stellen die verrußte Arbeitskleidung und die schönen Kleider der Reichen einen starken Kontrast da. Ansonsten spart man aber an Inszenierung, sondern stellt die Charaktere in den Vordergrund, was auch gut gelingt. Der Wahnsinn Yanks, der sich immer mehr verschlimmert, umso mehr ihm seine Situation klar wird, wird von Müller sehr gut dargestellt und dem Publikum eindringlich inszeniert, was aber dazu führt, dass die anderen Schauspieler, die später nur noch Randfiguren ohne Namen spielen, wenig Möglichkeiten haben, sich zu entfalten. Einzig Immervoll sorgt mit seiner Melancholie und Zynik für etwas lockerere Stimmung.
Was dem Stück aber in jedem Fall fehlt, ist eine klare Aktualität. Es wird inszeniert wie in den 20er-Jahren, und dabei geht ein großer Teil der Message vollkommen ins Leere. Der Klassenkampf funktioniert heute vielfach anders, und so ist man zwar am Ende durchaus mitgenommen von der Geschichte, aber ein Nachhall bleibt aus.

Kritik: Cedric Lipsdorf