White Is Red – Death From Above 1979 im Strom (Konzertbericht)

Zugegeben, wenn man das Strom in der Lindwurmstraße besucht und es draußen über 30°C hat, dann kann man schon erahnen, wie das abendliche Konzerterlebnis wird, nämlich sehr, sehr heiß. Exakt diese Rahmendaten gab es am Mittwoch, 22. August 2018, als das Rock-Duo Death From Above 1979 ein weiteres Mal den Weg nach München gefunden hat, dieses Mal als exklusive Deutschlandshow im Sommer. Als Support sind The Picturebooks bestätigt, die lustigerweise ähnlich groß in Deutschland wie die Kanadier sind. Die Verschiebung vom Technikum ins Strom scheinen ziemlich alle mitbekommen zu haben, denn der Laden ist kurz vor Beginn bereits rappelvoll.

Pünktlich um 21 Uhr treten Gitarrist Fynn Grabke und Drummer Philipp Mirtschink an ihre Instrumentarien und eröffnen mit einem kurzen Intro-Jam das Set für The Picturebooks. Bereits beim Opener „PCH Diamond“ fällt die immense Wucht und Kraft des Schlagzeuges auf, das vollkommen ohne Becken gespielt wird und deshalb viel mehr Wert auf Base-Drum und Toms legt. Allgemein klingt der Sound, trotz der geringen Instrumente-Anzahl, so wahnsinnig vollmundig und kräftig, dass es allein deshalb schon richtigen Spaß macht, den beiden passionierten Musikern beim Spielen zuzusehen und –hören. Noch zweimal kommen sie nach München dieses Jahr, im Rahmen des „Keep It Low“-Festivals und als Support von Clutch im Dezember, wie sie glücklich verkünden, bevor sie sich wieder ihrem rund 45-minütigen Blues Rock-Set widmen. Doch, das ist eine Support-Show, wie man sie sich wohl stärker kaum wünschen könnte – Ziel erreicht, Applaus verdient.

Setlist: PCH Diamond / Wardance / Learn It The Hard Way / Zero Fucks Given / Cactus / I Need That Oooh / Bad Habits Die Hard / The Rabbit And The Wolf / Your Kisses Burn Like Fire

Durch den nicht zu verachtenden Temperatur-Overkill gibt es direkt nach dem Ende des Sets eine fleißige Nach-Draußen-Wanderung. Immerhin ist es so problemlos möglich, selbst für die später kommenden Fans noch einen hübschen Platz beim Headliner zu ergattern. Dieser legt – wir wollen ja genau sein – um 22:17 Uhr mit „Nomad“ los und motiviert das interessanterweise etwas geschrumpfte Publikum ab dem ersten Ton. Das Publikum, die Fans, die Sommerloch-Konzertbesucher – diese sind es auch, die das Konzert am Laufen halten. Während sich in den vorderen Rängen glückliches Herumgespringe und leichte Moshpits entfalten, beginnt der hintere Teil leicht zu tanzen, was auch über das übliche unbeholfene Gezappel hinaus geht. Die goldene Mitte? Sieht wie immer unbewegt, aber oft glücklich und durchgehend zufrieden zu.

Beklagen können sich die beiden Kanadier also nicht, aber leider dafür die Kundschaft. Der Sound bleibt, wenngleich auch laut, ziemlich matschig und erreicht durchgehend nicht die Kraft und Höhe der vielgeliebten Studio-Aufnahmen. Zwar legt sich Bassist Jesse F. Keeler ordentlich ins Zeug, um in der Performance dementsprechend abzuliefern, langt aber leider unangenehm oft bei den Saiten daneben. Auch Drummer-Sänger Sebastien Grainger ist nicht ganz auf der üblichen Höhe – sein Schlagzeug beherrscht er an diesem Abend solide, gesanglich bleibt der Musiker allerdings blass und wenig überzeugend. So ungern wie dieser Vergleich gezogen werden will, aber die Genre-Kollegen von Royal Blood, die das gleiche Prinzip des verzerrten Basses nutzen, haben ihren Live-Sound perfektionierter und wesentlich mitreißender angeordnet – der Erfolg besteht zurecht, wie wir uns im November auch überzeugen konnten.

Die Setlist ist ein wilder Ritt durch die drei bereits veröffentlichten Alben, natürlich mit leichtem Schwerpunkt auf „Outrage! Is Now“, dem neuesten Longplayer. Die Lieder werden gerne auch einfach ohne jegliche Ankündigung hintereinander gespielt, was aufgrund des Sounds nicht immer sofort zu erkennen ist, aber Ziel ist es, das Tempo aufrecht zu erhalten. Genau das wird dann aber komischerweise ziemlich ausgebremst, indem exzessiv lange und wenig wertige Ansagen gemacht werden, die sich größtenteils auf etwas Unterhaltung der beiden Musiker beschränkt. So richtig zünden mag das leider nicht. Letztendlich kommen Death From Above nach rund 90 Minuten Spielzeit mit „Pull Out“ gegen 23:50 Uhr zum Ende des Auftritts und werden damit nicht nur von ihrer Vorband um Weiten übertroffen, sondern bleiben auch hinter den Erwartungen zurück.

Setlist: Nomad / Virgins / Caught Up / Moonlight / Always On / Little Girl / White Is Red / Outrage! Is Now / Holy Books / Freeze Me / Going Steady / Black History Month / Never Swim Alone / Trainwreck 1979 / Romantic Rights / The Physical WorldZugaben: Right On, Frankenstein! / Pull Out

Bericht: Ludwig Stadler