Easy – Cro in der Olympiahalle (Konzertbericht)

Eine Countdown-Stimme setzt ein – „four, three, two, one!“ Zuschauer(innen) kreischen. Jetzt hebt die Rakete in der Münchner Olympiahalle endlich ab. Es ist 20:00 Uhr und der Vorhang fällt. Cro ist da, weites Hemd, weiße Sneaker, die Panda-Maske mit Bändern auf dem Kopf befestigt. Er steht auf einer überdimensionalen, gekippten, halben Panda-Maske, die an ein Raumschiff erinnert. Hinter ihm eine riesige LED-Wand, die sich über die gesamte Bühnenrückwand erstreckt. Die wird im Laufe des Abends zum Lagerfeuer werden, wenn Flammen plötzlich erscheinen, oder zum Universum mit zig Sternen – dem Weltallmotiv bleibt er treu.

„tru.“ heißt sein neues Album. Längst nicht so radiotauglich und kommerziell erfolgreich wie die zwei Vorgänger, live funktioniert es. Das liegt an der ausgewogenen Mischung von „alten Schinken“, wie die Band die bekannten Hits einmal während des Konzerts nennt, und den neuen, viel ruhigeren und entspannteren Songs wie „computiful“ oder „slow down“. Aber auch an der musikalischen Gestaltung: Cro hat eine Liveband und zwei Backgroundsängerinnen mit auf Tour genommen – sie geben den Liedern noch mehr Melodik. Manchmal sitzt er auch allein am Keyboard, wie ein Singer-Songwriter; zum Beispiel, wenn er die neue Single „Victoria’s Secret“ spielt. Ein eher ungewöhnlicher Anblick, der aber nur zeigt, wie facettenreich der Rapper ist.

Cro hat auf dem neuen Album einen anderen Stil gefunden. Live zelebriert er den vor allem im Mittelteil. Hier gibt es Handylichter-Meere statt Gespringe, weil die neuen Lieder einfach entspannter sind. Seine Hits wie „Einmal um die Welt“ oder „Du“ performt er aber genauso leidenschaftlich, da stehen dann auch die Leute von den hinteren Sitzplätzen auf. Die Nähe zu den Fans sucht er, wenn er zum Beispiel von der Bühne geht und während des Songs „I Know“ Selfies mit Leuten aus der ersten Reihe macht oder ein Polaroidfoto mit Publikum im Hintergrund schießen lässt, das sofort auf der LED-Leinwand für alle zu sehen ist. „Meine halbe Familie kommt aus München“, sagt er.

Das Publikum feiert ihn dafür. Kinder mit Eltern, Hipster mit Merch vom neuen Album, weibliche kreischende Teenager, aber genauso Paare mittleren Alters sind beim Konzert vertreten. Es spiegelt auch die Entwicklung des Rappers wieder, die so verschiedene musikalische Geschmäcker anzieht.

Sängerin und Rapperin Ace Tee und der Rapper Danju tauchen kurz als Überraschungsgäste auf. Wenn sie zusammen mit Cro ihre Feature-Parts performen, kommt das gut an. Sie dürfen aber auch jeweils einen eigenen Song singen/rappen, da bleibt die Stimmung eher gemäßigt. Der Künstler des Abends ist eben Cro.

Die Olympiahalle ist nicht ganz voll geworden, vielleicht wäre die Stimmung, der „Vibe“ noch besser und intensiver rübergekommen, wenn die Location eine Nummer kleiner gewesen wäre und dafür rappelvoll. Vor allem bei den langsameren Stücken ist das lockere Rumstehen manchmal ein Stimmungsdämpfer.

Gegen Ende ist das aber vergessen, wenn Cro, nach zwei Stunden Show, noch einmal die riesige Maske erklimmt, Konfetti von oben fliegt und alle Leute mit ihm „unendlichkeit“ singen.

Setlist: hi / fkngrt / my life / Hi Kids / Allein / Bad Chick / Du / I Know / kapitel 1 / forrest gump / tru / fake you. / noch da / Baum / slow down / Bist du down? / oneway / computiful (Carlifornia RMX) / todas / Hey Girl /  King Of Raop / Kein Benz / Meine Gang / Rockstar / Einmal um die Welt / Wir waren hier II Zugaben 1: 2kx / Lange her / Chillin / Victoria’s Secret / Bye ByeZugaben 2: Easy / Traum / unendlichkeit

Für die gesamte Fotogalerie: einfach HIER klicken!

Bericht: Katharina Holziner
Fotos: Jule Haer