A Good Fire – Clutch im Backstage Werk (Konzertbericht)

Clutch waren am Donnerstag, 13. Dezember 2018, im Rahmen der Tour zu ihrem neuen Album „Book Of Bad Decisions“ wieder einmal in München im Backstage Werk. Irgendwann um das Jahr 2009 hat es den Amerikanern hier so gut gefallen, dass sie beschlossen haben, etwa im Zweijahrestakt einen Boxenstopp in der bayerischen Landeshauptstadt einzulegen, sehr zur Freude der hiesigen Fans, denn das Konzert ist im Vorfeld schon ausverkauft. Zusammen mit The Picturebooks und The Inspector Cluzo sollte es ein wirklich spannender Konzertabend werden.

Pünktlich um 20 Uhr betreten The Picturebooks die Bühne. Spätestens seit den Durchstartern von Twenty One Pilots oder Bands wie Mantar sind Zwei-Mann Bands keine Seltenheit mehr. Mit Percussions, die nicht wirklich ein komplettes Drumset bilden, und Gitarre gehen sie an den Start. Zu zweit einen so charakteristischen Sound abzuliefern, ist mehr als respektabel und mit ihrem Western angehauchten Desert Rock passen sie perfekt ins Abendprogramm. Einziges Manko: durch ihre vermeintliche Unterbesetzung sind sie in der Soundvariation relativ eingeschränkt. Irgendwie klingen die Songs sowohl von Aufbau als auch von Zusammenstellung ziemlich gleich, wenn auch gleich gut, aber wer ein wirklich abwechslungsreiches Programm erwartet, der liegt falsch. Mit einem Bassisten und eventuell einer zweiten Gitarre wäre diese Band sonst nicht mehr aufzuhalten. The Picturebooks haben als quasi Lokalmatadoren schon eine Schar an Fans mitgebracht – da war es schade, dass sie nur eine knappe halbe Stunde spielen durften. Wem das nicht genug war, der kann sich die Gütersloher kommendes Jahr mit neuem Album nochmal live im Feierwerk München anschauen. Auf jeden Fall eine Empfehlung wert.

Weiter geht es mit dem nächsten Zweigespann: Die Franzosen The Inspector Cluzo, die mehrfach betonen, dass sie eigentlich Farmer sind und die Musik nur nebenher machen, klingen etwa so, als hätte Louis de Funès eine experimentelle Desert Rock-Band gegründet. Ebenfalls bestehend aus Schlagzeug (diesmal allerdings etwas klassischer aufgebaut, daher mit etwas mehr Wucht) und Gitarre, spielen die Franzosen auch direkt drauf los. Man hört eine kleine Note Maximum The Hormone heraus, gerade in hektischen Passagen sowie bei schlagartigen Stilbrüchen – und das macht es nur spannender. Zunächst muss sich das Publikum etwas an den doch sehr trockenen französischen Humor und die ungewöhnliche musikalische Struktur gewöhnen, doch binnen kürzester Zeit kommen die Franzosen an! Sie klingen sehr innovativ und auch wenn sie nur zu zweit sind, wissen sie, wie man das Publikum auf seine Seite zieht. Definitiv ein cooler Support, der allerdings mit den Picturebooks hätte tauschen sollen.

Jetzt heißt es warten. Clutch lassen sich ordentlich Zeit und in das große Backstage Werk passt keine Maus mehr. Gegen 22 Uhr starten sie dann mit „Spirit of ’76“ in den Abend und haben anfangs überraschenderweise noch ein bisschen Probleme damit, das Publikum mitzureißen. Nach zwei weiteren Songs, spätestens zu „Noble Savage“ und „Sucker For The Witch“, beide aus dem Album „Psychic Warfare“, gibt es dann aber auch im Publikum kein Halten mehr. Neil Fallon klingt auch nach all den Jahren noch exakt wie auf dem Album, eine wirklich starke Gesangsleistung von ihm auch dieses Mal. Clutch gehören zu den wenigen Bands, die wirklich auf jedem Stopp der Tour eine komplett andere Setlist haben, lediglich eine Handvoll Songs zieht sich wie ein roter Faden durch die Tour, wie zum Beispiel der „instant classic“ „Emily Dickinson“. Das lässt natürlich die Frage offen, ob man hier objektiv eine „bessere“ oder „schlechtere“ Setlist bekommt. Leider hat es in München auch einige Klassiker der Band erwischt, denn „X-Ray Visions“ und „Earth Rocker“ werden zum Beispiel im Vergleich zum Vortag in der Schweiz aus dem Programm gestrichen, dafür gibt es den „Decapitation Blues“ und „Sucker For The Witch“. Eigentlich müsste man sich für die volle Ladung Clutch gleich mehrere Konzerte anschauen, falsch machen kann man damit definitiv nichts, denn die Band garantiert einen grandiosen Abend des bluesigen Southern Rocks und rechtfertigen den Ausverkauf beeindruckend. Lediglich etwas kurz ist es, nach 70 Minuten inklusive Zugabe ist auch schon Schluss.

Setlist: Spirit Of ’76 / In Walks Barbarella / Noble Savage / Sucker For The Witch / A Shogun Named Markus / Animal Farm / Decapitation Blues / Vision Quest / Gimme The Keys / Firebirds! / Burning Beard / Emily Dickinson / Hot Bottom Feeder / Gravel Road / The Mob Goes WildZugaben: A Good Fire / Weird Times

Das Fazit ist hier ein leichtes: Clutch sind einfach eine grandiose Live-Band und haben mit ihrem charakteristischen Sound eine tolle Nische gefunden. Allerdings ein kleines No-Go: das Streichen von Klassikern aus der Setlist, die man am Vorabend noch gespielt hat. Dann nächstes Mal lieber eine Vorband weniger und die 90 Minuten vollmachen, damit man nicht auf Hits verzichten muss. Das bleibt aber der einzige Kritikpunkt und ist einmal mehr Meckern auf hohem Niveau, denn Clutch liefern ab – und zwar richtig. Glücklicherweise fällt das immer mehr Leuten auf – nächstes Mal heißt es dann wohl schnell sein mit dem Ticketkauf.

Bericht: Luka Schwarzlose