„Bubble <3“ in der Fürstenstraße 6 (Kritik)

Im Rahmen der Münchener Biennale 2018 führte eine fünfköpfige Gruppe aus Hongkong am 3. Juni 2018 mit Hilfe ortsansässiger Performer durch die Maxvorstadt. „Bubble <3“ ist die dreifache Wiederholung eines Spaziergangs um den Block der Fürstenstraße. Vorbei an musikalischen Miniaturereignissen und performativen Mikroerlebnissen.

Lam Lai, Wilmer Chan, Nadim Abbas, Vanessa Law und Fiona Lee sind die Regisseure eines Konzeptes, das versucht, die Grenze zwischen normalem und inszeniertem Alltag aufzuheben. Es handelt sich um eine Koproduktion der Münchener Biennale mit Musik der Jahrhunderte Stuttgart. Unter Kooperation mit Connecting Spaces Hongkong, dem Goethe-Institut Hongkong und der Züricher Hochschule der Künste ist „Bubble <3“ wohl eine der interaktivsten Produktionen der diesjährigen Biennale.

© Smailovic

Unter der Leitung eines kuriosen Aufpassers sind die Zuschauer angehalten, immer wieder kleinere Gruppen für die einzelnen Umrundungen zu bilden. Das Publikum wird dann durch verschiedene performative und räumliche Interventionen geführt: Plastiktüten werden zu einer raschelnden Windblume zusammen gesteckt; Männer fahren singend auf einem Mofa an unserer Gruppe vorbei; Blechbretter donnern; es pfeift, zischt und blubbert. Gehört dieses Klingeln zur Aufführung oder war das nur ein vorbeifahrendes Fahrrad? Der Weg führt vorbei an zum Teil merkwürdigen Menschen, einige sind rein zufällig da, andere waren Mitglieder der Neuen Vocalsolisten, die hübsche Auszüge aus Gesang und Performance boten. Speziell ausgedachte Szenen alltäglicher Handlungen kommen während der Führungen zustande, eine Kakophonie aus musikalischen Eruptionen, Nebengeräuschen und ungefilterten Dialogen, die das endlose Geschwätz anonymer Trolle in Onlineforen simulieren.

© Smailovic

Der Effekt nutzt sich jedoch bald ab und das Projekt verheddert sich auf sehr spezielle Weise im eigenen Konzept. Mit jeder Wiederholung soll ein Moment der Vertrautheit aufgrund der Unsicherheit über die Authentizität des Erlebten verschwimmen. Ein hochgestecktes Ziel, welches leider nur teilweise und eher problematisch umgesetzt wird.

Kulminationspunkt war die Begegnung mit einer großen Kunststoffmembran. „Bubble <3“ endet in einem engen Wohnzimmer, in dem drei Performer in einer überdimensionalen, transparenten Plastikblase leben. Als Marionetten entwertet leben sie nun wohlig verpackt im Inneren der Blase. Die vorherigen Sprechblasen werden durch eine stumme Blase aus vier Wänden ersetzt und die nicht zuvor verortenden Klänge werden nun als eine auskomponierte Klang-Architektur in den Vordergrund gerückt. Nichts für Zuschauer mit Platzangst!